EASA veröffentlicht lang erwartete Fortsetzung von Kafkas "Der Prozess" – Ein Meisterwerk absurder Rechtskunst
Eine literarische Würdigung des Regulierungsromans "Die Halon-Verordnung oder: Wie ich lernte, das Unmögliche zu lieben"
Mit ihrer neuesten Veröffentlichung hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) ein Werk vorgelegt, das selbst Franz Kafka vor Neid erblassen ließe – hätte er nicht das Pech gehabt, bereits 1924 zu sterben, also lange bevor er die volle Blüte bürokratischer Absurdität hätte erleben können.
Während Kafkas Josef K. noch den bescheidenen Luxus genoss, nicht zu wissen, wessen er angeklagt war, gönnt uns die EASA in ihrem Regulierungs-Thriller eine Volte, die den Meister selbst übertrifft: Unsere Protagonisten – nennen wir sie stellvertretend "Die Flugzeughalter" – wissen exakt, was verboten ist. Sie dürfen es nur nicht ändern. Eine narrative Innovation von geradezu diabolischer Eleganz.
Die Handlung – oder: Der Triumph der Unmöglichkeit
Im ersten Akt unseres Dramas wird eine Substanz namens Halon zum Staatsfeind erklärt. Ozonschädlich! Verboten! Die Feuerlöscher, in denen diese teuflische Chemikalie ihr Unwesen treibt, müssen aus den Flugzeugen verbannt werden. Soweit, so klassisch dramaturgisch. Man erkennt noch die aristotelische Einheit von Handlung, Ort und Zeit.
Doch dann – und hier erhebt sich das Werk ins Geniale – folgt der Plot-Twist: Das Halon selbst bleibt legal. Nur die Feuerlöscher sind verboten. Es ist, als würde man Messer verbieten, aber Klingen erlauben. Oder Kafkas Türhüter würde sagen: "Das Tor ist nur für dich bestimmt, aber der Eingang ist verboten."
Stilistische Meisterschaft: Die Kunst des administrativen Paradoxons
Kafka ließ seinen Josef K. noch durch dunkle Dachkammern und verschachtelte Gerichtshöfe irren. Die EASA, in ihrer postmodernen Radikalität, verzichtet auf solche räumlichen Metaphern. Die Unmöglichkeit ist hier nicht topographisch, sondern ontologisch. Man muss nirgendwo hingehen, um zu scheitern – das Scheitern ist bereits im Sein selbst angelegt.
Besonders brillant: die implizite Charakterisierung der namenlosen Beamten. Sie treten nie in Erscheinung, hinterlassen aber ihre kafkaesken Spuren in Form von Verordnungen, die das Unmögliche fordern. "Ersetzen Sie die Feuerlöscher!" – "Womit?" – "Das ist nicht unser Problem." Ein Dialog, den Kafka selbst nicht besser hätte schreiben können, hätte er ihn geschrieben.
Die Türhüter-Parabel 2.0
Erinnern wir uns an Kafkas berühmte Parabel: Ein Mann vom Lande bittet um Einlass ins Gesetz. Der Türhüter sagt: "Jetzt kann ich dir den Eintritt nicht gewähren." Der Mann wartet sein ganzes Leben.
Die EASA aktualisiert diese Fabel für das 21. Jahrhundert: Die Flugzeughalter bitten um eine Lösung. Die Behörde antwortet: "Es gibt keine zugelassenen Alternativen." Die Halter warten. Und warten. Und während sie warten, sind sie bereits illegal. Eine erzählerische Beschleunigung, die Kafka in seiner Tuberkulose-geplagten Langsamkeit nie erreichen konnte.
Intertextuelle Verweise und literarische Anspielungen
Kenner werden in der Halon-Verordnung zahlreiche Anspielungen an die Weltliteratur entdecken:
Catch-22 (Heller): Du musst legal sein, aber du kannst nicht legal sein.
Warten auf Godot (Beckett): Die zugelassenen Alternativen kommen bestimmt. Irgendwann. Vielleicht.
1984 (Orwell): Freiheit ist Verbot. Verbot ist Erlaubnis. Halon ist legal und illegal zugleich.
Doch anders als Orwells Neusprech, das noch erkennbar perfide war, erreicht die EASA eine Form der bürokratischen Lyrik, die so rein ist, dass sie bereits wieder unschuldig wirkt. Es ist nicht Böswilligkeit – es ist Kunst.
Die Pointe: Das existenzielle Dilemma
In Kafkas "Prozess" endet Josef K. bekanntlich mit den Worten "Wie ein Hund!" – eine letzte Erkenntnis seiner vollständigen Entmenschlichung durch das System.
Die EASA verzichtet auf solch theatralische Gesten. Ihre Protagonisten enden nicht tragisch, sondern – und hier liegt die eigentliche Innovation – in einem Schwebezustand permanenter Illegalität bei gleichzeitiger Unmöglichkeit der Legalität. Sie sind nicht tot, nicht lebendig, nicht schuldig, nicht unschuldig. Sie sind... in Compliance-Limbo.
Fazit: ★★★★★ (5 von 5 verbotenen Feuerlöschern)
Die EASA hat mit der Halon-Verordnung ein Werk geschaffen, das in seiner absurden Konsequenz alles übertrifft, was die Literaturgeschichte bisher hervorgebracht hat. Kafka schrieb: "Es ist nicht notwendig, dass du aus dem Haus gehst. Bleib bei deinem Tisch und horche."
Die EASA hat verstanden: Es ist nicht einmal notwendig, dass ein Ausweg existiert. Die reine Form der Unmöglichkeit ist bereits das Ziel.
Absolute Leseempfehlung für alle Freunde absurder Literatur, existenzieller Verzweiflung und praktizierter Dekonstruktion des Rechtsbegriffs.
"Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht." – Josef K., der offenbar bei der EASA hospitiert hat.
P.S.: Gerüchten zufolge arbeitet die EASA bereits am Sequel: "Die Verwandlung – Wie aus Luftfahrzeugen Bodenhaftung wurde." Wir warten gespannt.
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