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1. November 2022 12:25 Uhr Jan Brill

Magazin: Medienkritik


Ordnungsruf: Wenn die Experten Luft pumpen

Flugunfälle erzeugen naturgemäß mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit als Unfälle im Straßenverkehr oder Arbeitsunfälle in der Industrie. Das liegt einfach an der Sichtbarkeit und der Seltenheit von Flugunfällen sowie an der Faszination, die die Luftfahrt nach wie vor ausübt, selbst wenn sie sich in Flugangst manifestiert. Das ist normal. Besonders groß ist das öffentliche Interesse natürlich, wenn prominente Personen beteiligt sind. Auch das ist normal und verständlich. Nicht verständlich ist für mich, weshalb eigentlich sachkundige Personen aus der Branche nach einem Unfall kompletten Unfug verzapfen oder – schlimmer noch – ohne jeden Beleg die beteiligten Personen und Unternehmen verleumden.

Der Unfall von Rainer Schaller, seiner Familie und des Schweizer Piloten Rolf L. geht einem nahe. Mit der Turboprop und der Familie in den Urlaub fliegen – gerne auch weitab von Europa – diese Situation kann ich mir gut aus eigener Erfahrung vorstellen. Ich vermute mal, vielen Lesern geht das ähnlich. Und dass man sich unter Piloten über Vermutungen zur Ursache austauscht, das ist ebenso unvermeidlich wie nachvollziehbar. Schließlich steht mit der allgegenwärtigen ADS-B-Flugspur eine Fülle an Daten sofort zur Verfügung, von denen Unfallermittler vor zehn Jahren nur träumen konnten.

Es ist nichts Verwerfliches daran, z.B. in Foren Vermutungen zu äußern oder die ADS-B-Daten mit erlebten Vorfällen und Manövern zu vergleichen. Wirklich sachkundige Personen erkennt man in diesen Diskussionen dann daran, dass sie ihre Hypothesen und Interpretationen äußerst vorsichtig und klar als solche gekennzeichnet vortragen.
Laien zeichnen sich in dieser Phase dadurch aus, dass sie sich immer weiter von den vorhandenen Daten entfernen und im Verlauf ihrer Sache immer sicherer werden.

Medienkritik


Peter Gatz, CEO der Private Wings, unterstellt den Verunglückten schon mal einen illegalen Grau-Charter. Bedauerlich ist, dass die beiden Journalisten hier in keinster Weise nachhaken.
© n-tv 
Vielleicht liegt es daran, dass mir ein Teil der handelnden Personen bekannt war, vielleicht daran, dass die Art des Flugzeugs und der Zweck des Fluges durchaus Anknüpfungspunkte bieten. Aber was sog. Experten in den Medien zum Thema verzapft haben, das ist zu einem erheblichen Teil schlicht unerträglich. Ich meine damit nicht die reißerisch-dümmliche Clickbait nach dem Motto „Das sind die Reste der Todesmaschine“ oder gleich „Was passierte mit der Maschine von Fitness-Millionär Schaller“ (als ob das irgendjemand wüsste im Moment!).

Und dass man den Lesern vollkommen falsche Versprechungen in der Überschrift macht, ist bei den Qualitätsmedien ja inzwischen auch Usus. Wenn der Focus also titelt: „Warum der Flugzeugabsturz des McFit-Gründers so ungewöhnlich ist“, dann müsste das Magazin ja erst einmal die Ursache für den Unfall kennen. Damit wären die Zeitungsmacher den Ermittlern um Jahre voraus. Sicher weiß man hingegen in der Redaktion schon: „Kein technischer Fehler“. Na dann ist ja gut.

Bei der Mehrzahl der Artikel die in deutschen Tageszeitungen und Nachrichtenportalen in den Tagen nach dem Unfall zu lesen waren, gruselt es einem bei jeder zweiten Zeile ob der logischen Sprünge, der unbekümmert als Fakt dargestellten Vermutungen, der unpräzisen Terminologie und der irreführenden Bilder. Vor allem, wenn man sich überlegt: Möglicherweise arbeiten die bei den Themen Steuern, Korruption, Wirtschaft, Corona und Krieg auch nicht anders!

Aber das ist normal. Vielleicht ist es bei den Artikeln zu solchen Flugunfällen besonders übel, weil es außer dem zurzeit unerklärlichen Verlust von Menschenleben einfach nichts zu berichten gibt. Sechs Menschen sind tot – und aktuell weiß niemand wieso. Tja – damit verkauft man halt keine Anzeigen bei Google!

Eher drollig bis hilflos sind da noch Zeitungen wie der Münchner Merkur. Der zitiert einen Luftfahrtexperten mit

„Ungewöhnlich sei auch die Flugroute. Ein südamerikanischer Luftfahrtexperte kann sich einen Zwischenstopp von 50 Minuten in Palenque Mexiko nicht erklären.“

Wer die Reichweite der Piaggio kennt, hätte eine mögliche Erklärung. Vielleicht war es der Reisegesellschaft wichtig, Sprit in den Tanks zu haben. Vielleicht. Immerhin sagt derselbe Experte dann noch im Focus: „Ich kenne niemanden, der diese Strecke ohne einen Co-Piloten fliegen würde.“

Gut. Vielleicht kennt er einfach nicht viele Leute. Immerhin ist dieser Experte vorsichtig genug, seinen Namen weder in der Primär- noch der Sekundärquelle angeben zu lassen. Da erzählt es sich natürlich leichter aus der Märchenstube. Dass eine deutsche Zeitung diesen Unfug veröffentlicht, ist weniger harmlos. Offensichtlich drucken Focus und Merkur so ziemlich alles ungeprüft, was jemand erzählt, der als Mindestqualifikation sein Telefon abnehmen kann.

Peter Gatz von der Private Wings unterstellt schon mal Illegalität

Deutsche Qualitäts-Experten, die mit Namen und Gesicht in Qualitätsmedien auftreten, sind aber auch nicht viel besser. Peter Gatz, immerhin Geschäftsführer der Private Wings Flugcharter GmbH aus Berlin, unterstellt den Opfern schon mal einen illegalen Flugbetrieb. Im TV-Interview mit der Welt holt er zum Rundumschlag aus:

„[...] Das Flugzeug gehört nach den bisher vorliegenden Informationen nicht dem Herrn Schaller, sondern einem ehemaligen Berliner, der in die Schweiz ausgesiedelt ist. Auch dessen Pilot ist geflogen, 66-jährig alleine im Cockpit, da bekommt das Ganze ein Geschmäckle und geht so in die Richtung des illegalen Vercharterns, wo Privatmaschinen, die nicht unter Aufsicht stehen, eben privat weitervermietet werden.“

Das muss man erst mal verdauen. Enttäuschend ist die Reaktion der Journalistin, die das Interview führte.
Mit ein bisschen Erfahrung müsste sie wissen, dass sie zur Unfallursache genau nichts außer Blabla aus diesem oder einem anderen Experten herausbekommen wird. Stattdessen präsentiert ihr „Experte“ jetzt live und in Farbe eine Anschuldigung, dass der Flugbetrieb des Prominenten Herrn Schaller illegal gewesen sein soll. Und was macht die Journalistin? Statt das jetzt zu vertiefen und beim Studiogast nachzuhaken nach dem Motto „Das sind ja schwerwiegende Anschuldigungen, die Sie hier vortragen – welche Belege gibt es denn, dass dies im konkreten Fall gegeben war?“, fährt sie stur ihre Linie weiter und fragt:

„Aber was könnte hinter dem Absturz stecken? Was könnte die Ursache sein?“

Gatz rattert dann die üblichen Ursachen ab, das gelingt ihm sogar weitgehend unfallfrei, dann aber kann er es nicht lassen, doch wieder auf dem Flugbetrieb rumzuhacken: Er sagt:

„Es ist eben komisch, das Flugzeug stand ja auch, bevor es zu diesem Trip aufbrach, schon drei Monate in Amerika am Boden. Das heißt, hier ist auch die Frage: Wurde da an einem deutschen Flugzeug in Amerika die Wartung ordnungsgemäß durchgeführt? Das sind alles Dinge, die sich für einen normalen seriösen Flugbetrieb zumindest erstmal schwierig darstellen.“

Auch damit kommt Gatz ohne Nachhaken der beiden Journalisten davon. Den restlichen Inhalt des Gesprächs, in dem Gatz das Design der P180 als „abnorm“ und die Propeller als „verkehrt herum“ bezeichnet und als Fun-Fact noch nachschiebt, dass der Hersteller mal insolvent war (welcher Flugzeughersteller war das nicht, insbesondere in der Flotte der Private Wings!), wollen wir dem Leser hier ersparen.
Was Gatz noch an interessanten Aspekten anspricht (Unterschied gewerblich/privat) geht völlig über die Köpfe der beiden Journalisten hinweg, die sich offenbar nur minimal auf das Gespräch vorbereitet haben. Schade. Das Ganze ist auf dem Niveau eines schnell produzierten Podcasts. Man lässt den Gast einfach mal reden. Das kann gutgehen – muss aber nicht!

Wir haben bei Private Wings und Herrn Gatz nachgehakt. Uns gegenüber wollte sich das Unternehmen allerdings bis Redaktionsschluss nicht zu den Anschuldigungen seines Geschäftsführers äußern. Um es klar zu sagen: Gatz unterstellt den am Flugbetrieb Beteiligten, dass sie gemäß Definitionen aus EU 2019/1394:

  • ohne AOC,
  • gegen Entgelt,
  • Lufttransportdienstleitungen erbracht haben in einer Organisation, über die der Kunde
  • keinen unternehmerischen Einfluss ausübte.

Das ist schon ziemlich steil. Das Einzige, was davon auf den ersten Blick plausibel erscheint, ist, dass der Flug ohne AOC stattfand. Das ergibt sich aus dem Alter des Piloten. Alles andere ist pure Spekulation oder auch üble Nachrede, die m.E. nicht einmal naheliegend ist, denn wenn jemand sein Unternehmenskürzel (RSG Group GmbH) als Wunschkennzeichen auf den Rumpf lackieren lässt, wird er das ohne „Kontrolle über den Betreiber“ kaum hinkriegen. Auch wenn ihm das Flugzeug selber nicht gehört.

Für die Frage, die Herrn Gatz hier so umtreibt, ist es vollkommen irrelevant, wem das Flugzeug gehört. Die allermeisten Flugzeuge dieser Kategorie gehören nicht dem Betreiber. Sie gehören einer Betreibergesellschaft, einem Leasinggeber oder gleich der Bank.

Ich kann ja verstehen, dass illegaler Charter für Herrn Gatz und die Private Wings ein Ärgernis darstellen. Aber den Toten gleich mal Illegalität zu unterstellen, ohne irgendwelche Belege dafür vorzulegen, ist meiner Ansicht nach im höchsten Maße unprofessionell.

Single Pilot Operation: Man kann unterschiedlicher Ansicht sein


Schade, der Artikel ist eigentlich ganz brauchbar, das Bild aber grundfalsch und übelste Clickbait.
© focus 
Ziemlich drastisch äußert sich auch der Hamburger Rechtsanwalt Stefan Hinners, bislang in seiner Arbeit als Anwalt und in der Fliegerei als sehr kompetent bekannt. Der sagt dem Focus:

„‚In Europa würde ein solches Flugzeug zu 90 Prozent von zwei Piloten geflogen werden‘, so Hinners. Dass hier nur ein Pilot an Bord war, sei ihm zufolge ein Hinweis dafür, dass nicht viel auf sicherheitsrelevante Vorkehrungen Wert gelegt wurde.“

Da bin ich ganz anderer Ansicht. Natürlich sind zwei Piloten i.d.R. sicherer als einer. Aber selbst die ultra-strengen Vorschriften zum gewerblichen Luftverkehr in Europa (die hier natürlich nicht galten) erlauben für dieses Flugzeug den kommerziellen Personentransport (CAT) mit einem Piloten!
Nicht, dass dieser Flug irgendetwas mit CAT zu tun gehabt hätte. Der Verweis soll nur mal zeigen, dass der Gesetzgeber auf einem viel höheren Sicherheitslevel auch noch mit einem Piloten zufrieden gewesen wäre.

Aus der Entscheidung, mit der P180 Single-Pilot zu fliegen, dann mangelnden Wert auf „sicherheitsrelevante Vorkehrungen“ abzuleiten, ist m.E. übertrieben. Nun gut, man kann unterschiedlicher Ansicht sein. Im Telefonat mit Pilot und Flugzeug relativiert Hinners seine Aussage denn auch ein Stück weit. „Flüge mit Gästen würden im Normalfall mit zwei Personen durchgeführt.“

Weniger ist mehr

Es gibt aber auch sachliche Stimmen und besonnene Erklärungen. Ein Focus-Artikel, der zusammen mit aeroTelegraph geschrieben wurde, gibt unter der Überschrift „Warum Privatjets gefährlicher als Linienflieger sind“ die Randbedingungen eigentlich recht zutreffend wieder. Auch wenn das „Symbolbild“ (Abb. 2), in dem eine 737 als „Kleinmaschine“ verkauft wird, pure Clickbait ist und nichts mit der Fragestellung zu tun hat.

Andreas Spaeth gibt dem MDR zu Protokoll:

„Im Moment haben wir eigentlich gar keine Anhaltspunkte. Es ist theoretisch alles möglich. Es ist sehr schwer, zu erkennen, was hier passiert sein soll. Vor allem, da der Flugverlauf samt Flughöhe, Kurs und Geschwindigkeit völlig normal verlief.“

Besser kann man‘s eigentlich nicht sagen. So verkauft man allerdings keine Klicks, und so wird Spaeth dann doch noch mit Spekulation zitiert:

„Tatsache ist jedoch: Der Pilot war allein im Cockpit, es war eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, es war also bereits dunkel: Die Frage ist: Wie gut war die Orientierung über dem Meer?“

Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen.

Fazit

Worum es bei dem Welt-Interview wirklich ging, wird ganz am Ende klar. Da sagt die Journalistin in der Abmoderation:

„... ja und wir sind natürlich gespannt, ob wir heute im Laufe des Tages dann auch weitere Erkenntnisse zu diesem Absturz erhalten ...“

Okay. Es geht um dranbleiben, weiterschauen, Werbung konsumieren ... – stay tuned! Alles klar.
Und Herrn Gatz ging es augenscheinlich um den Hinweis auf ein ärgerliches Problem in seiner Branche – den Graucharter. Ganz egal, ob die verunglückten Menschen etwas damit zu tun hatten oder nicht. Um die sachliche Information des Zuschauers oder Lesers ging es jedenfalls zu keinem Zeitpunkt – wie auch, wenn man außer den traurigen ersten Fakten wirklich gar nichts in der Hand hat.

Aufruf an die echten Experten

Meine dringende Bitte an die echten Experten der Branche: Bleiben Sie in Ihren Äußerungen bei der Sache. Auch wenn das Interview dann nur wenige Zeilen umfasst und die nette Journalistin Sie nicht mehr anruft oder Sie nicht mehr ins Studio eingeladen werden. Mehr oder weniger offen geäußerte Erwartungshaltungen muss man in diesem Fall enttäuschen.

Ich kenne diese Anrufe. Journalisten können hartnäckig sein. Müssen Sie auch. Das weiß ich selber. Da wird dann manchmal ganz dick aufgetragen, nach dem Motto: „Also bei diesem Absturz merkt man ja eine regelrechte Mauer des Schweigens. Sie können da doch sicher etwas Licht ins Dunkel bringen.“

Nein! Kann ich nicht. Und Schweigen kann immer zwei Gründe haben. Weil man etwas nicht sagen möchte oder weil man nichts zu sagen hat!

Und wenn man sich doch äußert, muss man klar differenzieren, ob man sich auf den konkreten Unfall oder die allgemeinen Gegebenheiten dieser Betriebsart bezieht.
Konkret zum Unfall kann man aktuell nur sagen:

  • Der Flugweg sieht bis zum Unglück völlig normal aus.
  • Es gibt zurzeit keinen Hinweis auf technische Defekte.
  • Alle weiteren Vermutungen und Beobachtungen, die wir im Moment haben, werden sich im Laufe der jahrelangen Untersuchung vermutlich maßgeblich ändern oder als falsch bzw. unvollständig herausstellen.

Und zur Betriebsart kann man sagen:

  • Eine P180 ist für das gegebene Profil der Reise bestens geeignet.
  • Für das Flugzeug gibt es kein auffälliges Unfallgeschehen.
  • Diese Maschine mit einem Piloten zu fliegen wird prinzipiell selbst vom EU-Gesetzgeber unter den höchstmöglichen Standards als ausreichend sicher eingestuft.
  • Gewerblicher Personentransport und private Flüge arbeiten nach unterschiedlichen Mindeststandards. Sonst wären private Flüge größtenteils unmöglich. Das bedeutet jedoch nicht, dass private Flüge unsicher sind oder alles so machen müssten wie im gewerblichen Luftverkehr.
  • Der überwiegende Teil des Luftverkehrs außerhalb der Airlines besteht aus privaten nichtgewerblichen Flügen.

Von Allgemeinplätzen aus dem aviatischen Bullshit-Bingo-Generator wie „Der Pilot war immer vorsichtig“, „Das Flugzeug gilt als sehr sicher“, „Die Besatzung war überaus erfahren“, „An dem Flugplatz gab es schon häufiger Unfälle“ oder „Die Maschine war in einem guten/schlechten Wartungszustand“ sollte man sich tunlichst fernhalten.
Sie müssen das auch nicht sagen – es findet sich bestimmt ein anderer, der diesen Blödsinn in die Kamera brabbelt.



Bewertung: +26.00 [26]  
 
 




1. November 2022 12:49 Uhr: Von Holger Kutz an Jan Brill Bewertung: -0.67 [2]
Na ja Herr Brill.
Sie lassen ja auch wichtige Informationen weg, nämlich dass es gewerblich für diesen Piloten unter EASA Vorschiften eben nicht möglich gewesen wäre Singlehand gewerblich zu fliegen.
Und das aus gutem Grund.
1. November 2022 12:58 Uhr: Von Tobias Schnell an Holger Kutz Bewertung: +3.00 [3]

Sie lassen ja auch wichtige Informationen weg, nämlich dass es gewerblich für diesen Piloten unter EASA Vorschiften eben nicht möglich gewesen wäre Singlehand gewerblich zu fliegen

Das stimmt zwar (und es dürfte der PuF-Leserschaft auch größtenteils bekannt sein), aber: Wieso ist das eine "wichtige Information", wenn aktuell nichts darauf hindeutet, dass es sich hier um einen CAT-Flug gehandelt haben könnte?

1. November 2022 13:25 Uhr: Von Jan Brill an Holger Kutz Bewertung: +14.00 [14]

Sie lassen ja auch wichtige Informationen weg, nämlich dass es gewerblich für diesen Piloten unter EASA Vorschiften eben nicht möglich gewesen wäre Singlehand gewerblich zu fliegen

Da es aus ungefähr 10.000 anderen Gründen kein CAT Flug war und auch keiner hätte sein dürfen, ist diese Information m.E. eben nicht wichtig, im Gegenteil, sie ist irreführend. Der Vergleich mit CAT diente dazu, zu zeigen, dass Single Pilot Operations (prinzipiell) sogar nach den höchsten Sicherheitsstandards der EASA zulässig sind mit diesem Flugzeug.

Das ist für mich eine wichtige Information, da sie im Widerspruch zu der zitierten Expertenmeinung steht.

1. November 2022 13:50 Uhr: Von Charlie_ 22 an Jan Brill Bewertung: +2.00 [2]

Das meiste kann ich gut nachvollziehen, früher war ich auch manchmal einer der Journalisten, die zu Flugunfällen befragt wurden.

Aber man muss, wenn man von großen Medien befragt wird, vor der Kamera sowieso, sehr aufpassen, dass die einen nicht dazu verleiten, Spekulationen zu äußern. Nach einem Airline-Unfall vor etwa 20 Jahren hat mich mal RTL in München in sein Studio eingeladen und wollte mir um jeden Preis sensationelle Spekulationen entlocken. Es hat ihnen nicht gepasst, dass ich trotz Bauchbinde "Luftfahrtexperte" im Interview gesagt habe, dass ich ein "Privatpilot und Luftfahrtjournalist" sei und nicht spekulieren wolle ... und sie haben mich nie mehr angerufen.

Was Andreas Späth gesagt hat, finde ich nicht verwerflich:

„Tatsache ist jedoch: Der Pilot war allein im Cockpit, es war eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, es war also bereits dunkel: Die Frage ist: Wie gut war die Orientierung über dem Meer?“

Das sind keine Spekulationen, und exakt diese Frage habe ich mir auch gestellt und was er gesagt hat ist m.E. absolut legitim.

Und ich würde auch sagen: Wenn ich mir so ein Flugzeug und solche Unternehmungen leisten könnte, dann wären zwei Piloten im Cockpit, zB mindestens ein IFR-Privatpilot als Co (also ich).

1. November 2022 16:49 Uhr: Von Wolff E. an Charlie_ 22 Bewertung: +3.00 [3]
Auch wenn wir es schon hatten. Aber nachts VFR vom Meer kommend auf einer Bahn landen, die ca 10-100ft elv hat, stellt sich für mich nicht "schwer" da. Long final auf die Bahn mit GPS quasi als Loc, 8 nm den intercept aufs final in ca 2500 ft und anfliegen. Im Gegensatz zum Land ist auf dem Meer nicht mit Hindernissen zu rechnen. Da ist VFR night in Deutschland eher ein Thema.
1. November 2022 18:54 Uhr: Von Christian Vohl an Jan Brill Bewertung: +4.00 [4]

Herr Brill, Sie schreiben mir aus dem Herzen. Besonders das Interview mit Herrn Gaatz hat mich ebenfalls sehr irritiert. Das ist schon harter Tobak, hier illegalen Charter zu unterstellen. Damit hat er der Luftfahrt einen Bärendienst erwiesen.
Klassischer NCO Flugbetrieb ist Single Hand durchaus etabliert und usus. Ob es immer die glücklichste Entscheidung ist alleine zu fliegen, steht auf einem anderen Blatt. Ich denke da an incapacity. Zwei professionelle well trained Piloten sind sicherlich die beste Wahl. Andererseits haben es drei Profis im Air France Cockpit, obwohl einige Minuten zur Verfügung standen, auch nicht geschafft, das Problem zu erkennen und entsprechend zu reagieren.

1. November 2022 21:12 Uhr: Von Malte Höltken an Holger Kutz

Der Pilot der GlaStar, die in der Nähe von Lingen abgestürzt ist durfte weder mit seiner Lizenz, noch mit dem Luftfahrtzeug single hand gewerblich fliegen.

Und jetzt?

2. November 2022 06:52 Uhr: Von Urs Wildermuth an Jan Brill Bewertung: +5.00 [5]

Danke für diesen sehr notwendigen Artikel. Es ist unglaublich, was nach jedem Unfall daherschwadroniert wird, sowohl in der Presse aber leider eben auch in den Foren, in denen es die Teilnehmer nun wirklich besser wissen müssten.

2. November 2022 08:03 Uhr: Von Preinfalk, Wolfgang an Urs Wildermuth Bewertung: +2.00 [2]

Hallo Herr Wildermuth,
ich bin voll Ihrer Meinung. Sendepause bisFakten auf dem Tisch liegen. Mit Spekulationen, zumal sie, wie das Wort schon umschreibt, nicht belastbar sind ist der Fliegerei nicht gedient.

2. November 2022 16:39 Uhr: Von Ernst-Peter Nawothnig an Jan Brill Bewertung: +1.00 [1]

Wie Dieter Nuhr immer sagt: "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!"

2. November 2022 17:35 Uhr: Von Markus S. an Ernst-Peter Nawothnig
Die fühlen sich doch alle so, als hätten sie Ahnung.
2. November 2022 21:02 Uhr: Von Urs Wildermuth an Markus S. Bewertung: +3.00 [3]

Das ist das eine Problem. Das andere ist, dass sie noch meinen sie hätten nicht nur Ahnung sondern wüssten es auch noch viel besser als selbst die CAA.

Wieso liest man sonst derart viele komplett bescheuerten Kommentare über das ach so irre Risiko von SP ops selbst für Flugzeuge, die normalerweise praktisch immer so geflogen werden? Und dies nicht etwa von verirrten Journalisten, sondern Piloten?

Sicher, bei einigen ist Eigennutz dahinter, Leute die etwa für gewisse Charteranbieter fliegen und sich ärgern, dass es doch Eigner gibt, die sich erfrechen, deren Angebot zu ignorieren. Aber auch sonstige reine GA Piloten finden auf einmal ein Haar in der Suppe, wenn eine Piaggio oder Citation 2 SP gemäss der Zertifizierung geflogen wird?

Wenn man sowas liest dann muss man sich ja wohl nicht mehr fragen, wieso viele Regulationen immer restriktiver werden, wenn selbst GA Piloten den Ast auf dem sie sitzen mit bieberartiger Beständigkeit annagen.

3. November 2022 11:49 Uhr: Von Andersen Wiegelmann an Jan Brill Bewertung: +1.00 [1]

Danke, Herr Brill, dass Sie die Sache auf den Punkt bringen und damit das m.E. größte Problem unserer heutigen Gesellschaft thematisieren: Es wird auf allen Kanälen, Medien und Profilen mehr Bullshit verzapft als jemals zuvor. Statt dieser Unart mit qualitativ hochwertigem Journalismus entgegenzuwirken, verwässert die Linie zwischen informativem Qualitätsjournalismus und des Verkaufens von (Falsch-)Informationen selbst bei renommierten Herausgebern zunehmend.

Aber wie Sie (zumindest teilweise) bereits angedeutet haben: Spekulationen, Hass, Feindbilder und gezielt geschürte Fehlinformationen verkaufen sich besser und gewinnen sogar Wahlen.

Nach meiner Ansicht, wäre jede:r gut beraten erst zu denken, dann zu reden und in der Pause zwischendrin die Emotionen herunterzufahren.

3. November 2022 15:52 Uhr: Von Erik N. an Urs Wildermuth

Jeder in breiterer Öffentlichkeit diskutierte Vorfall wird immer breitgetreten und von Medien maximal vermarktet, je nach Hörer- und Leserschaft in höherer oder niedriger Qualität. Fakten sind von Interesse, solange sie diese maximale Vermarktung nicht hindern oder gar stören. Sie werden beachtet, aber eine gute Monetarisierung von Themen funktioniert nur, wenn eigene Fragen aufgeworfen und beantwortet werden, auch wenn diese mit dem Fachgebiet wenig zu tun haben. Dafür verantwortlich sind teils fehlende Schul-, aber auch Fachausbildung von Journalisten und allgemeiner Zeit- und Kostendruck.

Der durchschn. Redakteur eines Themas hat zur Bearbeitung einer Berichterstattung wenig Zeit, und in der Regel muss er, um nicht falsche Tatsachenbehauptungen aufzustellen, auf das Mittel der Frage oder auf eilig herbeigerufene Experten zurückgreifen. Oder von anderen abschreiben. Die Qualität der zu den jeweiligen Fällen befragten "Luftfahrtexperten" ist ja noch nie besonders hoch gewesen, wir erinnern uns an die denkwürdigen Auftritte im Thema Eurowings Crash.

Ausserdem: Keine öffentliche Diskussion über Flug-, Zug-, Schiffs-, Freizeitpark-, oder sonstige -Unfälle darf jemals ohne das wichtige kathartische Element auskommen, für das Leid der Opfer eine Projektionsfläche der Verantwortung zu suchen. Es ist einfach Verkaufsjournalismus, eine neue Regel zu fordern, oder über das Fehlen oder die Nichteinhaltung einer Regel öffentlich nachzudenken. Es wäre aus Mediensicht schlicht Irrsinn, wenn ein Unfall einfach so geschehen wäre. Alles, was in Form von Fragen geschrieben wird, macht weitere Berichte mit ihrer Beantwortung möglich.

Das ist alles der ganz normale Wahnsinn und wird sich nicht ändern, nur verschlimmern.

Was können wir dagegen tun ? Es geht nur proaktiv, in dem sich viele von uns (Herr Brill z.B. oder einige der hier anwesenden langjährigen Privatpiloten, oder jemand von der AOPA, etc.) jetzt / im Vorfeld bereits bei Zeitungen, Magazinen, Rundfunkanstalten, Redaktionen melden und sich als Experte für Interviews anbieten. Und dann zu hoffen, dass das nächste Mal nicht dieser Herr Gatz, sondern der verantwortliche Redakteur jemanden von uns fragt, der den dann aktuellen Unfall kurz, gut verständlich und fachlich korrekt beurteilt, ohne der Redaktion jegliches Fleisch zu nehmen. Die Kunst, dann auch noch telegen und eloquent rüberzukommen, sollte nicht unterschätzt werden.

3. November 2022 17:43 Uhr: Von Flieger Max L.oitfelder an Erik N. Bewertung: +7.00 [7]

Guter Ansatz, nur leider funktionieren Massenmedien anders:

Nach dem tragischen Absturz der Concorde in Paris habe ich fassungslos ein Radiointerview mit einem dreifachen Formel 1-Weltmeister und politisch bestens vernetzten Flugunternehmer mitverfolgt. Nach der wörtlichen Aussage "wenn bei der Concorde ein Triebwerk ausfällt fällt sie runter wie ein Stein" hat es mir dermaßen gereicht dass ich den zuständigen Redakteur ausfindig gemacht und ihn gefragt habe weshalb er ausgerechnet Herrn L. um seine absolut nicht vorhandene Expertise gefragt hätte?
Ich bot der Redaktion an, einen Kontakt zu gerichtlich beeideten Sachverständigen, Testpiloten oder Flugunfallermittlern herzustellen um den Wahrheitsgehalt von Interviews um ein paar hundert Prozent anzuheben.
Antwort des Senders: Danke, aber Herr L. ist eben sehr prominent und für uns Tag und Nacht sofort erreichbar. Das ist uns wichtiger als Fakten.

Und so haben wir auch beim Verschwinden von MH370 täglich miterleben dürfen wie (ein anderer, selbst ernannter) "Luftfahrtexperte" von Interview zu Interview täglich aus Google und Wikipedia dazu lernte und dem staunenden Publikum präsentierte, wie seiner Meinung nach ein Transponder, ACARS oder ein Sekundärradar funktionieren würde. Es war gruselig.

3. November 2022 23:41 Uhr: Von Holger Kutz an Malte Höltken
Jan Brill ist mit meiner Aussage nicht einverstanden, aber er hat sie zumindest verstanden.
Im Gegensatz zu Dir.
4. November 2022 11:17 Uhr: Von Erik N. an Flieger Max L.oitfelder Bewertung: +2.00 [2]

weshalb er ausgerechnet Herrn L. um seine absolut nicht vorhandene Expertise gefragt hätte?

Hmm ? Wenn Du mit dem F1 WM und Flugunternehmer L. den Herrn N.L. meinst - der hatte mehrere Airlines im Laufe seines Lebens und meines Wissens alle Ratings aller Flugzeuge dieser Airlines und große Flugerfahrung. Auf ersten Anschein würde er wohl die Kriterien erfüllt haben, als Fachmann über Flugunfälle zu sprechen.

Darf ich fragen, wie Du diese deine Aussage sachlich begründest ?

4. November 2022 12:33 Uhr: Von Martin Air S an Erik N.
ich denke er begründet es damit, dass die Concorde ordnussgemäss zugelassen und erprobt war und damit keinesfalls bei Triebwerksausfall „wie ein Stein“ herunterfällt. Sonst hätte sie die Zulassung/Erbrobung gar nicht erst bestanden.
4. November 2022 12:57 Uhr: Von Flieger Max L.oitfelder an Erik N.
Ich selbst kann nur beurteilen was er in Interviews von sich gegeben hat und eine unternehmerische Karriere die so nur aufgrund von "guten Kumpels" in höchsten Positionen möglich war sagt nichts über fliegerisches Können aus. Einen DLR-Eignungstest beispielsweise musste er ja zum Glück nie machen.
Aber Österreich ist klein, die Luftfahrt ein Dorf. Und so finden sich unter meinen Kollegen Viele die früher mit ihm geflogen sind und Einiges zu erzählen haben, Manches würdest Du mir ja doch nicht glauben.
Wollen wir es dabei belassen.
4. November 2022 12:59 Uhr: Von Erik N. an Martin Air S Bewertung: +2.00 [2]

Tja nur standen bei der Concorde Triebwerke 1 und 2 nicht zur Verfügung. Erst fiel #1 aus, dann wurde #2 abgeschaltet, es standen im Steigflug nur #3 und #4 zur Verfügung. Die Concorde im vollen Startgewicht war damit nicht flugfähig, geriet in starke Schräglage und stürzte in die Häuser.

https://de.wikipedia.org/wiki/Air-France-Flug_4590

Man kann das schon als Stein bezeichnen. Sie hatte volles Startgewicht, full fuel, voll besetzt, Überschalltragflächen.

@Max - alles hearsay. Der Mann hat eine erfolgreiche Fliegerkarriere hinter sich, und ich würde mich hüten, im Nachhinein aufgrund von bad talk von ehemaligen Kollegen solche Aussagen rauszuhauen.

Ganz im Sinne dieses PuF Artikels wollen wir gerade das doch lassen, oder habe ich das falsch verstanden ?

4. November 2022 13:20 Uhr: Von Flieger Max L.oitfelder an Erik N. Bewertung: +1.00 [1]

Du kannst es bezeichnen wie Du magst, aber wenn ich nicht mehr glauben soll was mir Kollegen im direkten Gespräch mit mir erzählen und nicht über sieben Ecken, dann wüßte ich nicht mehr, was.

Und was diverse Aktionen rund um den tragischen Absturz der NG004 (davor und danach) betrifft - da gibt es auch ohne mein Zutun genug kritischste Meldungen im Netz. Dass Wartungsunterlagen erst nach Androhung einer Hausdurchsuchung herausgegeben wurden oder ein Gutachter vom Prozess ausgeschlossen wurde ist nicht "hearsay" sondern Tatsache.

4. November 2022 13:28 Uhr: Von Tobias Schnell an Erik N.

Auf ersten Anschein würde er wohl die Kriterien erfüllt haben, als Fachmann über Flugunfälle zu sprechen

Tja, das ist halt immer so eine Sache, wie ja auch die aktuelle Diskussion zeigt.

Auf den ersten Anschein würden wohl auch viele Teilnehmer dieses Forums die Kriterien erfüllen, um als "Experten" für GA-Unfälle durchzugehen. Und auch die Leute, die in den Medien den hanebüchenen Unsinn über den Schaller-Crash verzapft haben, sind jetzt nicht gerade auf der Brennsuppe dahergeschwommen, sondern haben durchaus einen relevanten Background.

Die Schwierigkeit für Außenstehende besteht halt darin zu erkennen, wenn es dem "Experten" eben vorwiegend um Selbstdarstellung geht oder er eine eigene Agenda verfolgt.

4. November 2022 14:27 Uhr: Von Markus S. an Tobias Schnell

Ich glaube, dass es den Medien im speziellen in so einem Format nur um reißerische Berichterstattung geht und s.g. Experten gewählt werden die eben spekulieren und das ganze quasi Formatgerecht in 2-3 min Interviewzeit aufbauschen. Lassen sie sich nicht dazu hinreißen, werden sie eben nicht mehr angefragt, ähnlich wie es Alexis weiter oben schon beschrieben hat.

4. November 2022 15:33 Uhr: Von Martin Air S an Erik N.
sie hat gebrannt, und das „in voller Ausdehnung“, wie die Feuerwehr sagen würde, das hast Du vergessen.

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