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12. September 2007 Joachim Adomatis

Infrastruktur


Da brannte die Luft – Riesenerfolg für den Sternflug nach Tempelhof

Fly-in für den Erhalt des City-Airports. Mit Anflügen in einer Zahl, wie es der alte Berliner Zentralflughafen ähnlich eindrucksvoll seit Ende der Luftbrücke 1949 nicht mehr gesehen hat. Im Minutentakt landeten die Privatflieger am Sonnabend, dem 15. September.


Zur Fußball-WM 2006 war Tempelhof ein Platz für die Allgemeine Luftfahrt.
© BBF 
Es war ein Wochenende mit gutem Flugwetter, etwas windig zwar für kleine Flieger, aber klar teilweise und mit guten Sichten deutschlandweit. Im Laufe des Vormittags waren bereits mehr als hundert einmotorige Flugzeuge, ultraleichtes Luftsportgerät und Motorsegler auf den weiten Flächen des Nordteils des Airports abgestellt. Und dann ging es schlag auf Schlag, bis in den sonnigen späten Nachmittag hinein, als einige Flugzeuge sich schon wieder abflugbereit machten.

Der Veranstalter Sundus R. Rifaat landete mit einer Vereinsmaschine der „Hessenflieger“, PA-28, D-EIWK. Er ist gebürtiger Berliner. Ihm kam die Idee zu dieser Flieger-Demo auch aus eher unpolitischer Regung. Zu Pilot und Flugzeug sagte er, nachdem er sich im vergangenen Jahr seinen „großen Traum“, einmal selbst in Tempelhof zu landen, erfüllt hatte.

Insgesamt waren es nahezu 200 Flugzeuge die an dieser luftseitigen Wochenenddemonstration für den Erhalt des Berliner City-Airports, Freitag, Sonnabend und Sonntag, teilgenommen hatten. Sie kamen aus allen Teilen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs, den Niederlanden, Englands, den skandinavischen Ländern und aus dem Baltikum.

Durch Unterschrift der vielen Sternflugteilnehmer verabschiedet wurde ein Offener Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit („Wowi“), mit dem assoziativen Schluss: „Das Motto Berlin, arm aber sexy“ ist sicherlich aus der Not geboren und von gewissem Galgenhumor getragen. Langfristig sollte man aber daran arbeiten, dass sich das Image Berlins hin zu „prosperierend und sexy“ fortentwickelt. Und dafür braucht Berlin einen funktionierenden City-Flughafen Tempelhof!

Gespaltene Resonanz in der Allgemeinen Luftfahrt

Ideelle Unterstützung erhalten die Demo-Piloten vom Verband der Allgemeinen Luftfahrt (AOPA), der sich seit Jahren für den Fortbestand von Tempelhof einsetzt und mit Vorbehalten auch von der Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof (ICAT), die für den gleichen Tag zu einer Diskussion über das geplante Volksbegehren für den Erhalt des Flughafens einlädt. Es diskutieren die verkehrspolitischen Sprecher von SPD, den Grünen und die Linke sowie die Fraktionschefs der FDP und CDU, Martin Lindner und Friedbert Pflüger sowie ein Vertreter der IHK.

Auf kein Entgegenkommen dürfen die Teilnehmer des Sternflugs von Seiten der Berliner Flughafengesellschaft (DFG) und der Deutschen Flugsicherung (DFS) rechnen. Es werde keinen Gebührenerlass geben, teilte der Veranstalter vorsorglich über das Internet mit.

Die Piloten der Flugzeuge unter zwei Tonnen, die zum Mitmachen am FLy-in aufgerufenen Ultraleichten und anfliegende Motorsegler müssen die volle Landegebühr von 72,00 Euro, Handling und Abstellgebühren zahlen und auch die Abfluggebühr an die DFS. Näheres kann bei sundus.rifaat@web.de erfragt werden.

Im Vorfeld dieser Flieger-Demo ging bei der Redaktion von Pilot und Flugzeug auch manch kritische Stimme ein, wie die des Fachautors Dr. Klaus Jürgen Schwahn („Fliegen in den USA“), der uns schreibt: „Ich finde, wenn man für einen Flugplatz kämpft, dann ist solch eine luftseitige Aktion so ziemlich das Blödeste, das man machen kann. Die Flugplatzgegner werden sich jedenfalls schon auf die Headline freuen: Wenn Ihr THF offen lasst, werdet Ihr das jeden Tag haben!"

Und auf der Homepage der ICAT ist aktuell der folgende Satz zu lesen: „Spaß muss sein bei der Leiche, sonst kommt keiner zum Begräbnis!“

Mehr zu dem Ereignis lesen Sie in Pilot und Flugzeug 10/2007


  
 
 




12. September 2007: Von Eustach Rundl an Joachim Adomatis
Hallo Leute,

ich wollte eigentlich auch reinfliegen. Aber Juergen Schwahn hat recht! Wir leisten uns einen Bärendienst! Ich sehe die BLÖD-Zeitung schon: Radaupiloten über Berlin...Da kippe ich mir die 75€ lieber in den Tank für einen gemütlichen Flug an die Ostsee. So gerne ich nach THF eigentlich fliegen würde...
13. September 2007: Von Heiko L. an Eustach Rundl
Hat Dr. Schwahn denn ein Interesse daran, dass THF offen bleibt? Im Falle der Schließung rechnet sich ein Flugplatz vor den Toren Berlins, der zuletzt aufwendig ausgebaut wurde (zweite asphaltierte Piste, mehrere Business Jet-Parkpositionen, geplante direktere Anbindung an die B101 nach Berlin) und der offizieller Ausweichplatz für Schönefeld während der ILA ist, Chancen aus große Teile des Verkehrs von THF aufzunehmen.

Geschäftsführer dieses Platzes ist Dr. Schwahn. Daran ist überhaupt nichts auszusetzen und es ist dort wirklich sehr viel Vorbildliches geleistet worden. Aber man ist logischerweise nicht ganz unparteiisch, was das Thema THF angeht.

Im übrigen bezieht sich der Satz aus dem ICAT Newsletter ("Spaß muss sein bei der Leiche..."), gar nicht auf das Fly-in sondern auf den am 8.9. von der Flughafengesellschaft veranstalteten "Erlebnistag", der den "Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen zur Schließung von THF zum 31.8.2008" darstellen sollte.
13. September 2007: Von Klaus-Jürgen Schwahn an Heiko L.
Zunächst einmal findet jeder meine Anerkennung, der sich für die Allgemeine Luftfahrt einsetzt. Auch Herr Rifaat hat meinen Respekt dafür, dass er etwas unternimmt und dafür, dass er es organisatorisch stemmt. Und ich wünsche mir, dass er sich durch meinen Kommentar nicht abschrecken lässt und auch in Zukunft etwas unternimmt. Dennoch kann man über die Eignung bestimmter Maßnahmen geteilter Meinung sein. Auch in der AOPA haben wir diese Aktion kontrovers diskutiert, wie es sich für einen grossen Verband gehört. Einige teilen meine Meinung, andere nicht - so ist das Leben.

Dass, was in Schönhagen entstanden ist, ist unter anderem auch das Ergebnis eines mehrjährigen, diffizillen und sehr sensiblen Diskussionsprozesses mit Anwohnern, Umweltverbänden, Ämtern, Ministerien, politischen Entscheidungsträgern unterschiedlicher Fraktionen, Ministerien, Verbänden, Kammern, der Wirtschaft, Banken und Investoren, der am Ende nach vielen sensiblen Abstimmungsprozessen zu einem Ergebnis geführt hat. Aus dieser sehr intensiven Erfahrung heraus wage ich die Behauptung, dass eine Aktion, bei der man der Bevölkerung an einem Tag ganz konzentriert genau das vorführt, was sie an einem Flugplatz stört, nicht geeignet ist, um sie vom Nutzen eines Flugplatzes zu überzeugen.

Das hat, lieber Herr Lorenz, nichts damit zu tun ob man für oder gegen Tempelhof ist oder sich für Schönhagen einsetzt, wofür ich schließlich bezahlt werde.

Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass diese Aktion nicht nur für THF kontraproduktiv ist sondern unser Bemühen in der Region Berlin /Brandenburg unterläuft, das öffentliche Bild der Allgemeine Luftfahrt zu wandeln, weg von der reinen Sport- und Hobbyfliegerei hin zu einem wichtigen Verkehrsträger (was auch dem reinen Hobbyflieger nützt). Damit schadet die Aktion auch Schönhagen und den anderen Flugplätzen der Region.

Nach meinem Verständnis birgt dieser Sternflug in sich zwei widersprüchliche Aussagen:

1. Auf der einen Seite will man aufmerksam machen und die Leute davon überzeugen, dass Tempelhof gebraucht wird. Dazu gehört u.a. auch, dass man der Bevölkerung und der Politik zeigt, dass THF keine unerträgliche Belastung darstellt.

2. Um 1. zu erreichen führt man massiven Flugverkehr mit Lärm und möglichen Chaos am Himmel vor.

Das wäre vergleichbar, als wenn Air Berlin die Leute nachts um 3 Uhr mit einem Sternflug der 737 Flotte aus dem Bett holt, um gegen das Nachtflugverbot in BBI zu demonstrieren.

Der Durchschnittsbürger auf der Strasse, der wenig von Luftfahrt versteht, den Luftfahrt und THF eigentlich auch gar nicht interessieren wird auf die AL und THF aufmerksam gemacht und das gleich mit dem tendenziell negativen Eindruck:

Allgemeine Luftfahrt = Hobbyfliegerei

Hobbyfliegerei = Lärm über der Stadt

Lärm über der Stadt = Tempelhof

Tempelhof = 380 ha mit Steuergeldern für Hobbyflieger, die
Lärm über der Stadt machen, subventioniert.

Mich haben in der letzten Woche täglich viele Flieger aus Berlin Brandenburg angerufen oder im Büro aufgesucht, zum Teil genau diejenigen, die im hiesigen Umfeld etwas in der Fliegerei bewegen. Im Prinzip waren alle sehr skeptisch bis komplett gegen die Aktion. Einige haben mir gesagt: "warum haben die uns nicht mal vorher gefragt?" In den Gesprächen hatten wir den Eindruck, es ist eine sehr gut und ehrlich gemeinte Aktion externer Flieger (für deren Solidarität man ja eigentlich dankbar sein müsste), über die aber die hiesigen Flieger, die die Stimmung ihrer Stadt und der Medien kennen, gar nicht so besonders glücklich sind.

Ich jedenfalls spreche ein Fliegergebet für 300 ft Untergrenze und strömenden Regen.

Klaus-Jürgen Schwahn
13. September 2007: Von Gerhard Uhlhorn an Klaus-Jürgen Schwahn
Sehr geehrter Herr Dr. Schwahn,

ich kann Ihre Argumentation nachvollziehen.
Da das Kind nun schon in den Brunnen gefallen ist, hoffe ich, alle Piloten werden möglichst hoch und leise (=steil) anfliegen, so dass die Lärmbelastung trotz der vielen Flugzeuge gering bleibt. Und man sollte tunlichst lautere Flugzeuge zu hause lassen.

Gruß
Gerhard Uhlhorn
13. September 2007: Von Heiko L. an Klaus-Jürgen Schwahn
Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Die Argumentation kann ich (auch weil ich selbst seit einigen Jahren teilweise in Berlin lebe) schon auch nachvollziehen.

Es ging mir nicht darum Vorwürfe zu erheben. Im Gegenteil, als mehrfacher Nutzer des Flugplatzes Schönhagen bin ich begeistert von dem was dort geschaffen wurde.

Ich wollte jedoch die möglicherweise etwas missverständliche Berichterstattung (vor allem auch die Verwendung des Zitates der ICAT in einem vollkommen anderen Zusammenhang) nicht einfach unkommentiert stehen lassen.

Viele Grüße,
H.L.
13. September 2007: Von Florian Guthardt an Heiko L.
Was ich an der Argumentation nicht 100% nachvollziehen kann ist die Tatsache dass Tempelhof ja kaum Gegenwind von der Berliner Bevölkerung erfährt. Deshalb halte ich den Lärmschutzgrund nicht ganz stichhaltig!
14. September 2007: Von Eustach Rundl an Florian Guthardt
Kaum Gegenwind? Das schreibt wohl jemand, der nicht in Berlin wohnt. Da schau mal in Bezirksverordneten und vergleichbare Versammlungen. Was da an Gaga-Paranoia an den Tag gelegt und prompt von dem Fachorgan für die gemeine Dumpfbacke, der BLÖDzeitung, unters Volk gekeift wird....JA Wenn Tempelhof zu macht, dannnnnnn wird dort ein Garten Eden entstehen. Wo alle Hartz-IV bis XVI-Empfänger täglich einen Kasten Bier geschenkt bekommen. ( Was die Journaille nicht hindert auf einer andereen Seite und Ausgabe über das klägliche Versagen des rot-roten Senates in Sachen Tempelhof ein paar Krokodilstränchen zu verlieren. ) Widerlich.
14. September 2007: Von Intrepid an Eustach Rundl
Gibt es eigentlich jemanden, der einen großen finanziellen Nutzen hat, wenn Tempelhof geschlossen wird?

Denn so ganz ohne Grund gibt man doch den genialsten Flughafen Deutschlands nicht her. Da muss doch ein Gegenwert für stehen.
14. September 2007: Von Achim Zurmühl an Eustach Rundl
Nun ja, da sollten wir mal zwischen dem offiziellen Berlin und dessen Bevölkerung unterscheiden. Die Politik, hier konkret SPD, die Linke und die Grünen, waren und sind Gegner von Tempelhof. Die Bevölkerung aber in ihrer Mehrheit sind deutliche Befürworter von Tempelhof. Dies schliesst das Gros der Tempelhof Anwohner ein. Der Antrag auf das Volksbegehren zur Offenhaltung wird nun eingereicht und ich bin überzeugt, dass es zu einem Erfolg wird trotzdem dies leider ohne Folgen bleibt.

Aus dem gleichen Grund bin ich etwas erstaunt über das Statement von Herrn Dr. Schwahn. Zum einen ist der Strassenlärm am Tage zumindest in den belebten Gegenden der Stadt so groß, daß eine Echo-Maschine im Überflug fast nicht wahrgenommen wird. Von den UL's muß in diesem Zusammenhang gar nicht erst reden. Der Flughafen Tempelhof liegt von drei Seiten eingeschlossen vom Columbiadamm, dem Tempelhofer Damm und der Stadtautobahn. Alle drei zählen zu den verkehrsreichsten Adern der Stadt, die reichlich Lärm erzeugen. Der Anflug auf Tempelhof geht zumindest aus Westen (die Richtung, aus der die meisten Demoflieger kommen werden) über sehr dünn besiedeltest Stadtgebiet. Der letzte Teil des Anfluges geht über bzw. neben der Stadtautobahn. Will sagen: das Argument "Verärgerung der Bewohner wegen zusätzlichem Lärm" sticht einfach nicht.

@ Peter Müller
Finanziellen Nutzen hat niemand von der Schliessung des Flughafens. Im Gegenteil. Das riesige Gebäude steht unter Denkmalschutz und kann daher nicht abgerissen werden. Die Gebäude müssen also weiter bewirtschaftet werden. Nur mit dem Unterschied, dass nach Beendigung des Flugbetriebes Einnahmen fehlen werden. Ergo: das Defizit wird noch höher liegen. Deshalb versucht der Senat ja, die Gebäude dem Bund zu schenken und ihn zu überreden, weitere Ministerien dort anzusiedeln. Die notwendigen Umbauarbeiten wären aber deutlich teurer als ein Neubau. Deshalb hat der Bund schon mehrfach dankend abgelehnt.

Es wird ständig damit argumentiert, daß im Antrag für den in Schönefeld neu enstehenden BBI die Schliessung für Tegel und Tempelhof festgeschrieben wurde. Damit wollte man den Bedarf für BBI zwingend unterfüttern. Bei Klagen, die es natürlich gegen BBI gegeben hat, wurde auf diese Argumentation Bezug genommen. Die Politik fürchtet nun, daß die Gerichte gegen BBI entscheiden würden, wenn die Antragsgrundlage verändert würde.
Dazu gibt es diverse Rechtsgutachten, die sowohl für als auch gegen die Argumentation gehen.
Was bleibt ist der nicht zu übersehende Argwohn der lokalen Politik gegen die Fliegerei im Ganzen und gegen die allgemeine Fliegerei im Besonderen bei der Linken, insbesondere den Grünen und auch großen Teilen der SPD.
Ich bin überzeugt, mit etwas gutem Willen hätte es anders laufen können. Brücken wurden viele Gebaut, der Senat hat jede davon zerredet.
Tempelhof wird ein mahnendes Denkmal für verschiedene Epochen deutscher Geschichte und Politik bleiben.
14. September 2007: Von Eustach Rundl an Achim Zurmühl
Hallo,

ein sehr guter Beitrag Kompliment! Aber dass Strassenlärm anders wahr genommen wird als Fluglärm, wurde in diesem Forum schon öfter erörtert.
Für die Schliessung von Tempelhof aus Sicht des Landesrechnungshofes spricht leider ein Eigentor, welches sich der alte Senat Ende der 90er selbst geschlossen hat: In dem Konsortialvertrag zu BBI steht leider auch drinnen, dass sollte BBI einen Betriebsverlust einfahren, WEIL THF und TXL noch offen sind, dann hat das Land diesen Verlust zu tragen. Wetten, dass BBI erst mal einen Verlust ausweist, WENN THF offen bleibt? Die wären schön blöd, wenn sie diesen Windfallprofit nicht nutzen würden. Deshalb hat der Senat keine andere Wahl als die Schliessung zu fordern. Sollten die Gerichte das Schliessungsbegehren kassieren, was wir alle hoffen, dann wäre auch Berlin bezgl. konstruierter Forderungen aus dem Schneider. Moral widerspricht der Ökonomie....
17. September 2007: Von Thomas Kittel an Eustach Rundl
Ich habe gerade mit meiner Schwester (Nichtfliegerin) telefoniert. Die Demo ist von den Berlinern ziemlich einhellig begrüßt worden und keinen in der Verwandschaft und Bekanntschaft hat es gestört. In großer Zahl sind die Einwohner zum Flugplatz gepilgert und haben stundenlang zugeschaut und fotografiert. Es war wohl die Attraktion des Wochenendes zumal ja traumhaftes Wetter war.
Wenn ich mal die Kommentare zusammen fassen sollte:

Prima Veranstaltung....war gar nicht so laut...die kleinen Flugzeuge sind doch toll und lustig...Demo war gute Idee....wir Berliner wollen unseren Flughafen behalten.....Tempelhof ist doch eine historische Stätte allein wegen der Luftbrücke.

Noch etwas, viele ältere Leute am Zaun fühlten sich durch das Propellerbrummen und die kurzen Landefrequenzen ganz stark an die Luftbrücke erinnert und reagierten sehr emotional! Keinesfalls aber ablehnend sondern stark zustimmend.

So, das waren die Eindrücke meiner Schwester und ihrer Freunde. Ich betone nochmals, weder sie noch die anderen sind, außer durch Ferienflüge, mit der Luftfahrt befasst, noch haben sie irgendwelche geschäftlichen Bezüge zu Tempelhof. Im Gegenteil, meine Schwester wohnt im direkten Anflugsektor nach Tempelhof, nicht ganz nahe am Platz, aber immerhin.

Das ist sicher nur ein nicht repräsentatives Schlaglicht auf die Aktion. Sicher werden die Journalisten darüber ein fundierteres Urteil finden, aber ich wollte den interessierten Forumslesern und Schreiber den O-Ton nicht vorenthalten.

Gruß
Thomas
17. September 2007: Von Achim Zurmühl an Thomas Kittel
Hallo Thomas,

Dein Echo kann ich so bestätigen. Ich sass bei einer Geburtstagsfeier auf einer Terasse, wo eine Reihe der Demonstranten drüber flog. Die Anzahl der Überflieger löste Verwunderung aus. Nach einigen kurzen wertneutralen Erläuterungen kam einhellige Zustimmung bei den Anwesenden.
Ich habe zwar nicht die Zeitungen mit den großen Buchstaben gelesen, aber die seriösen Blätter haben sowohl im Vorfeld als auch im Nachgang sehr sachlich und ohne unterschwellige Message berichtet. Natürlich nicht auf Seite 1, aber das wäre ja auch wohl etwas vermessen.
Aus meiner Sicht war die Aktion ein Erfolg.
17. September 2007: Von Thomas Endriss an Gerhard Uhlhorn
Ich war am Wochenende mit meiner Maschine Teil der 102 Flugzeuge, die EDDI anflogen. Es war viel Verkehr - klar bei der Anzahl von Flugzeugen innnerhalb der Kernzeit von 2 Stunden. Ich muß jetzt einmal eine Lanze brechen für meine Mitstreiter: Ich habe bereits lange vor Ankunft in Berlin in die Towerfrequenz(en) reingehört und ausschließlich sehr diszipliniertes Funken/Fliegen erlebt. EDDI hat intelligenterweise die Ground-Frequenz zur zweiten Towerfrequenz gemacht. Somit wurde man von der ersten Towerfrequenz empfangen, erhielt einen Transpondercode und wurde dann in der Sequenz aufgefordert, die zweite Towerfrequenz zu rufen, über die dann die Ein-/Anflugfreigabe kam. Das ganze lief extrem relaxt, freundlich, exakt und streßfrei ab. Die Staffelung war exzellent, die Kooperation der Piloten tadelfrei.
Nach meiner Landung habe ich viele weitere Landungen beobachtet. Praktisch jeder kam hoch rein, und damit leise.

Liebe Mitstreiter und liebe Kritiker dieser Veranstaltung: Der 15./16. September war eine Werbung für die GA und damit hoffentlich auch für Tempelhof!

Die Zustimmung der Bevölkerung habe ich ebenfalls gespürt. Es waren hunderte Menschen am Flughafen und haben das "Spektakel" beobachtet. Ein Taxifahrer hat uns fast umsonst zum Hotel gebracht, weil er unsere Aktion gut fand. Jeder, mit dem wir Kontakt hatten, hat unsere Aktion befürwortet.

Übrigens: Zur Podiumsdiskussion kamen die Herren der SPD und der Linken übrigens trotz Zusage dann letztendlich nicht. Lediglich eine Abgeordnete der Grünen hatte Mut, sich der Diskussion zu stellen. Zum Glück haben das die Medien auch bemerkt.
21. September 2007: Von Andreas Heinzgen an Thomas Endriss
Einen überraschend sachkundigen und gut recherchierten Artikel zu Tempelhof fand man vorgestern im "Rheinischen Merkur": https://www.rheinischer-merkur.de/2007_38_Mitten_ins_Herz.23312.0.html?&no_cache=1
21. September 2007: Von Gerhard Uhlhorn an Andreas Heinzgen
Danke sehr Herr Heinzgen.
Schade nur, dass in dem Artikel von „Hobbypilot“ die Rede ist. Das verniedlicht den Sachverhalt auf eine, der Realität nicht gerecht werdende Art und Weise und ist daher sehr kontraproduktiv.

Hier der Link noch mal zum einfach Anklicken:
https://www.rheinischer-merkur.de/2007_38_Mitten_ins_Herz.23312.0.html?&no_cache=1

Nebenbei: Wer solche anklickbare Links hier im Forum machen möchte, biete ich ein schnell gestricktes Tool (RealBasic) an, was für HTML-Laien einen solchen Link generiert. Oben wird der Link reinkopiert, in die zweite Zeile der Text und in der dritten Zeile steht dann der fertige Code, den man dann einfach in den Text des Beitrags kopiert.
PuF-Linkgenerator für den Mac
PuF-Linkgenerator für Linux
PuF-Linkgenerator für Windows
Das ist übrigens mein erstes Programm überhaupt mit RealBasic. Man muss es nicht installieren. Einfach mit Doppelklick starten. Viel Spaß!
26. September 2007: Von Michael Riegert an Achim Zurmühl
Hallo,

ich kann die Ansicht nicht teilen, dass keiner an der Schliessung von Tempelhof verdient.
Ich denke es wird eher wie in München/Neubiberg ablaufen:
das Areal wird soweit möglick an Immobilien-Makler und Bauträger verkauft, die dann damit den Reibach machen.

Das Gebäude von Tempelhof hat Denkmalschutz, da kann man nicht ran. Aber was ist mit dem restlichen Areal, den Verkehrsflächen ? Das steht nicht unter Denkmalschutz (?) und kann ganz bestimmt an "befreundete" Unternehmen zur Verwertung (sprich: Bebauung und Verkauf) verhökert werden, mit der Argumentation man braucht ja das Geld um das denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten.

Das hier mitten in Berlin, in bester Baulage, ein Garten Eden entsteht, glaube ich nicht, dazu ist Bauland in Berlin zu teuer. Vielleicht ist es ja zunächst als Park geplant, doch Pläne lassen sich durch die Stadtpolitiker ändern,
genauso wie Denkmalschutz-Verordnungen.

Ich lebe nicht in Berlin, daher kann ich mich auch gewaltig irren, aber mein "Bauchgefühl" sagt mir, das sich hier einige Herren schon gealtig die Hände reiben in Erwartung der zuküftigen Geschäfte.

Always Happy Landings !

Michael Riegert
26. September 2007: Von Achim Zurmühl an Michael Riegert
Hallo Herr Riegert,

ob mit einer Nachnutzung der Flächen, die im Moment noch von den beiden Pisten, dem Rollfeld und der zugehörigen angrenzenden Flächen belegt werden irgendwann einmal Geld verdient wird, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Es ist weder die von Ihnen angeführte "beste Lage", noch gibt es Bedarf an Wohnraum (wir haben Leerstand!) oder Gewerbeflächen (auch da übersteigt das Angebot längst die Nachfrage) oder Hotels. Deshalb gehen die Überlegungen ja auch eher Richtung Wiesenmeer und Erholungspark, Vergnügungspark, Terminal für den Flughafen Schönefeld mit U-Bahnanbindung und ähnliche Verrücktheiten. Bisher ist da noch nicht Ansatzweise etwas ernst zunehmendes dabei gewesen. Im Moment liegt der Fokos auch deutlich stärker auf den Überlegungen zur Nachnutzung der Gebäude. Denn im Gegensatz zu einer Brachfläche verursachen die Gebäude Kosten. Und dazu will den Beteiligten auch nach längerer Überlegung nichts sinnvolles (und vor allem Konstendeckendes) einfallen. Der bestehende Denkmalschutz macht die Sache nicht einfacher. Die beiden Noch-Eigentümer Bund und Berlin versuchen sich nun den schwarzen Peter nun gegenseitig zuzuschieben, wobei Berlin hier wohl am kürzeren Hebel sitzt. Ich verweise nur auf folgenden Artikel:
https://www.morgenpost.de/content/2007/09/26/berlin/923412.html###-MYBR-###
Gruß
Achim
27. September 2007: Von Eustach Rundl an Achim Zurmühl
Guten Morgen,

Wisst Ihr wieviel Bürofläche in Berlin leer steht? Wisst ihr wieviele Wohnungen in Berlin leer stehen? Älteren (2004) Zahlen zu Folge 1,3 Mio qm Gewerbefläche und mehrere 100Tsd qm Wohnfläche. In Berlin wird nur noch in absoluten Sahneecken
( Leipzigerplatz, Potsdamerplatz etc.) oder für genau definierten Spezialbedarf ( Altersheime, Billighotels) gebaut. Nirgendwo innerhalb der OECD gibt es eine derartige Massierung von ***** Hotels zu niedrigesten Preisen ( Stand Mai 2007 28).
Was bitte schön soll da denn auf das Tempelhofareal gebaut werden? Ich gehe jede Wette ein, dass nicht im Entferntesten daran gedacht wird, dieses Areal zu bebauen, zu mindest mittelfristig.

Hier passt nur ein City-Flughafen, sonst gar nix! Die Lauder-Idee wäre schon gut gewesen. Die zentrale Frage ist wie kommt Berlin aus der Vertragsscheisse mit Schönefeld raus und wer zahlt die irrwitzigen Tempelhofdefizite, welche ohne Flugbetrieb ja kaum weniger werden.
27. September 2007: Von Andreas Heinzgen an Eustach Rundl
Die "irrwitzigen Tempelhofdefizite" belaufen sich auf gerade mal 10 Millionen Euro pro Jahr. Wer mag, kann ja mal nachschlagen, wie wenig das im Vergleich zu den jährlichen Zinszahlungen des Landes Berlin ist.

Und: Die Defizite stammen zum weitaus größten Teil aus der Immobilie, nicht aus dem Flugbetrieb. Würde für letzteren endlich Rechtssicherheit geschaffen, siedelten sich auch mehr Mieter in dem Gebäude an, die ein Interesse an diese Flughafenlage haben - und die Verluste würden geringer, nicht etwa größer.
27. September 2007: Von Eustach Rundl an Andreas Heinzgen
Hallo,

Die Zinsen auf 64 Millarden Schulden kann man da wirklich nicht dagegen stellen, auch nicht die Zuwendungen in den Kulturbereich. Beschriebene 10 Millionen sind eine sehr sehr geschönte Zahl, aber ich will hier nicht GEGEN Tempelhof schreiben.....
28. September 2007: Von Alexander Stöhr an Eustach Rundl
Das ist richtig, man sollte bei der Rentabilitätsbetrachtung nie eine Entschuldigung in der Mißwirtschaft anderer Ressorts suchen.

Der springende Punkt hier ist, daß die schlechte Wirtschaftlichkeit des Flughafens, welche als Begründung FÜR eine Schließung ins Feld geführt wird, weitgehend hausgemacht ist. Zudem der Besonderheit des Denkmalschutzes des Gebäudes keine Rechnung getragen wird. Mit anderen Worten, die Finanzsituation wird nach der Schließung nicht besser sondern schlechter! Bereits jetzt sind die Hallen für Veranstaltungen genutzt worden. Der Flugbetrieb selbst kann nicht so abschreckend wirken, als daß sich Kunden gerade deshalb nicht einmieten wollten.

Wenn der Flughafen geschlossen wird, bleibt er leer. Und zwar ganz. Der Senat hat sich mit dem Planfeststellungsverfahren einen tödlichen Strick gedreht. Aus der Schlinge kommen die Buben (und Mädels) nur mit Federnlassen wieder heraus.

Den Willen gegen Gesetze (oder Gesetzen vorgreifend) zu handeln, haben sie ja durch die Umsiedlung im Umfeld Schönefelds bereits bewiesen. Bezeichnend ist der undemokratische und unwirtschaftliche Charakterzug im Handeln und Entscheiden des Senats. Gerade das Volksbegehren scheint den Aspirinverbrauch im Senat zu erhöhen, da (ich will hier neutral bleiben) Volkes Wille nicht eindeutig für die Schließung des Flugahfens spricht. Von den wirtschaftlichen aspekten ganz zu schweigen.

Das Drama scheint nicht so sehr um Tempelhof herum zu spielen sondern ein paar NM südöstlich. Das Projekt Hauptstadt"ährpoart" oder "Luftdrehkreuz" ist ein Prestigeobjekt, das ohne Rücksicht auf Verluste durchgesetzt werden muß. Warum genau muß, bleibt verborgen. Ich vermute daher (hochspekulativ), daß im Rahmen der Vorbereitungen, jeder Weg zurück entweder vermauert oder mit solch astronomischen Kosten verbunden worden ist, daß er faktisch nicht gangbar ist. So kann man wirkungsvoll verhindern, das ein eventuell andersmeinender Nachfolge-Senat die Beschlüsse kippt/ändert.

Ich würde mir als Wahlberliner eine fachlich fundierte Auseinandersetzung seitens der Politik mit der Problematik wünschen, statt Ideologien auf dem Geldbeutel der Städter durchzusetzen. Soll Tempelhof erhalten werden, muß auf breiter Front Unterstützung gefunden/ "generiert" werden. Hobbyflieger auf einem Protestflug dürfen dabei nur eine Facette sein. Windrose z.B. und andere müssen mit ins Boot geholt werden, damit von den Gegnern nicht historische Bedeutung oder Freizeitwert gegen harte Finanzfakten aufgewogen werden.
28. September 2007: Von Eustach Rundl an Alexander Stöhr
Hallo Zieher,

genau auf den Punkt gebracht! Chapeau! Nur können wir noch so klug argumentieren, gegen die normative Macht der faktisch leeren Kassen ist kein Staat zu machen. Wenn, ja wenn, sich der Flugbetrieb wenigstens gerechnet hätte UND Firmen gedroht hätten wegzuziehen wenn TFH zumacht, dann hätten wir eine gute Chance gehabt. Aber sowohl SONY als auch Daimler und Schering meinten " Nö wegen uns nicht..." Für diese Giganten wäre es ein Leichtes gewesen sich an einer THF-AG zu beteiligen. ....
15. Oktober 2007: Von Michael Riegert an Achim Zurmühl
Hallo Herr Zurmühl,

vielen Dank für die Klarstellungen, da ich nicht aus Berlin stamme, kenne ich die örtlichen Gegebenheiten nicht so genau wie ein Insider.

Ich habe es aus der bayrischen Sicht betrachtet, wo der Verdacht auf sog. "Bazi-G'schäfter" aufgrund einschlägiger Erfahrungen naheliegt ;-)

Always Happy Landings !

Michael Riegert

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