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Wie werden die Notfälle geübt bei denen der Schrim raus muss?
Ich hatte ja schon mal beschrieben, dass sich die Philosophie gerade wandelt, weil einfach zu wenig gezogen wird. Derzeit gilt:
- von 0 bis 400 ft AGL: Kein Schirm, da zu tief
- von 400 bis 2000 ft AGL: Bei Motorausfall o.ä. sofort CAPS, kein Troubleshooting
- ab 2000 ft AGL: Erster Punkt auf JEDER Notfallcheckliste ist "Consider CAPS", also bewusst machen, dass der Schirm ab sofort eine Option ist. Die meisten empfehlen dazu, die angeklettete Abdeckung vor dem Griff zu entfernen. Danach geht's normal nach Emergency Checkliste weiter. Sollte es abwärts gehen, ist 2000 ft AGL die Entscheidungshöhe. Wenn dann nicht ein anderweitig sicherer Ausgang klar ist, wird gezogen.
- Was Notlandungen ohne Motor betrifft, gilt eine einfache Regel: Der Ausgang einer Landung auf dem Acker o.ä. ist statistisch gesehen alles andere als gewiß. Die Auslösung des Schirms innerhalb der Parameter dagegen ist bislang zu 100 Prozent nicht tödlich. Also sollte die Wahl klar sein: Notlandungen werden nicht gemacht. Einzige Ausnahme: eine Riesenbahn ist sicher im Gleitflug erreichbar.
- es bleibt das Grundproblem: Wie schafft man es als Pilot, rechtzeitig zu erkennen, dass etwas schief läuft.
- Wer sich um den Verlust der Maschine Sorgen macht, hat meiner Ansicht nach richtige Probleme bei der Risikobewertung beim Fliegen - egal ob mit oder ohne CAPS
Ohne den Untersuchungen vorzugreifen, offenbaren sich im Übrigen erschreckende Details - wenn sie denn stimmen: In Deutschland ein Pilot mit IR, der "keine Zeit hat", einen IFR-Flugplan aufzugeben und VFR bei wenigen 100 Fuß Untergrenzen im Dunst los zieht. Wie wir alle wissen, hat er am Ende echt viel Zeit gespart... In Polen ein VFR-Pilot (!) im Anflug bei BKN001, der wegen Benzinmangels im Gleitflug crasht. Zumindest in Fall 2 wäre ein CAPS-Pull vielleicht hilfreich gewesen. Zu Fall 1 fällt mir gar nichts ein - auch nicht, wie man das "Pull up" des EGPWS überhören kann. Aber wie gesagt: Wenn's sich so bestätigt...