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Sonstiges | FOREFLIGHT, oder: goodbye JFD VFR, oje Boeing....  
4. Juli 2020 17:59 Uhr: Von Michael Radtke  Bewertung: +16.00 [16]

Ich habe in meinem Leben kaum Beiträge für irgendwelche Foren geschrieben... aber als leidenschaftlicher VFR-Pilot (PPLA seit 25 Jahren) fühle ich mich anderen VFR-Piloten verpflichtet, nachdem ich durch Foreflight - den "Nachfolger" von JFD VFR - in eine wirklich unangenehme Situation gekommen bin.

Aktuelle Tests/Einschätzungen von Foreflight habe ich kaum im Netz gefunden - nur hochlobende Artikel diverser Magazine und Piloten, die sich offensichtlich 24 Stunden am Tag mit nix anderem als dem Fliegen beschäftigen.

Eines vorweg: Zu dieser Personengruppe zähle ich nicht. Ich war nie Profipilot, ich will auch nie einer werden, habe auch noch andere Hobbies und ich möchte lediglich möglichst sicher als VFR-Pilot - gelegentlich (wenn das Wetter eben mitmacht) - unterwegs sein und ich liebe das Fliegen!

Es gab bis vor kurzem die großartige App "Jeppesen Flightdeck VFR" - wunderbar, ein echtes Geschenk für VFRler: Großartige glasklare Karten, mit Wetterlayer, Notams und allen wichtigen Informationen blitzschnell zur Hand, ein Fingertip auf das iPad genügte, Manual? Eigentlich gab es keines - nur ein paar Seiten - denn man brauchte auch keines.

Flugplanung eines Fluges von D nach I war in 15 Minuten erledigt. Einstellen konnte man an der Software kaum etwas, eben nur das, was man auch wirklich für die Planung und im Flug benötigte. Einmal abgehoben, tat die wunderbare Software ihren Dienst, wieder gelandet, alle Infos gespeichtert. Ende. Supersicheres Fliegen also, da man sich auf das Schöne und Wichtige beim VFR-Fliegen - RAUSSCHAUEN! - eben wunderbar konzentrieren konnte. Eine echte Verbesserung und ein großer Sicherheitsgewinn zu dem klassischen Papierkartengefummel auf den Oberschenkeln.

Dann wurde Foreflight angekündigt, die Einstellunge von JFD VFR. Mir dämmerte Schlimmes und genauso kam es:

Eine - für VFR-Piloten - vollkommen überfrachtete App, mit einem 439 (!) Seiten starken Manual, 1000 Einstellungsmöglichkeiten - und eben 1000 Fehlerquellen. Für VFR-Piloten wichtige Infos in den mitgelieferten Karten (z.B. Höhe der Berge in den Alpen??? Hallooooo Boeing!?!) fehlen komplett oder ich habe sie leider immer noch nicht gefunden. Flugplanung mit einer variierenden Höheneinstellung der unterschiedlichen Legs? Fehlanzeige! Wie gesagt, wir sprechen von einer VFR-App! Höhe! Das Flightlog zum ausdrucken ist derartig unübersichtlich, dass man sich das Ausdrucken direkt sparen kann - eine Hilfe ist das im Flug nicht, man verliert sich völlig im Zahlenchaos.

Aber, was will man machen, JFD VFR gibts ja nicht mehr: Nach wirklich mehrtägigem Studium der App und des Manuals machte ich mich also mit Foreflight auf nach Italien. Wollte ich. Nachdem über den Alpen ein paar Wolken aufzogen (normalerweise kein Ding) und ich einen Umweg durch diverse Kontrollzonen (Schweiz) hätte fliegen müssen, hatte ich derart Mühe, mich in der App zu orientieren, dass ich kurzerhand den Flug stoppte und wieder umdrehte. Schweizer Berge, Wolken und eine unübersichtliche App? Das war mich echt zu stressig.

Achja, ein paar Tage zuvor war ich dank Foreflight noch "aus Versehen" in Luftraum C eingeflogen - FIS hatte mich dann aufmerksam gemacht. Das ist mir in 25 Jahre VFR-Fliegerei noch nie passiert! Mal gucken, wie hoch der Bussgeldbescheid (mein 1. überhaupt) ausfallen wird.

FAZIT: Foreflight ist - meiner Meinung nach - total ungeeignet für eine einfache VFR-Flugplanung/Durchführung und sorgt durch die überfrachtete Konzeption und eigentümlichen Karten nicht für Sicherheit in der Luft. Man ist ständig beschäftigt, auf dem iPad rumzufummeln und irgendwelche Infos abzurufen und wenn die Anspannung mal groß wird, - dann hilft einem diese Software garantiert nicht weiter, weil man den richtigen Button nicht findet, die Mikroschrift auf den Vektorkarten nicht lesen kann (denn die bleibt auch klein, wenn man den Abschnitt größer zieht) usw usw.

Aber wenn man dann den Absturz überlebt hat, weil man keine Zeit hatte, zum Fenster rauszugucken, kann man sich den Flug in den Boden dann in der App als 3D-Film animiert angucken, große Klasse! ;-))

Spass beiseite: Warum um Gotteswillen hat Boeing die JFD VFR nicht im Markt gelassen? Als Alternative? Ich glaube, viele VFRler werden im Laufe der Zeit zu Skydemon & Co. wechseln - Boeing wird auch in diesem Feld verlieren. Keine gute Entscheidung.

Über ähnliche Erfahrungen oder gerne auch "Gegenansichten" oder Erfahrungen mit anderer Software, die JFD VFR das Wasser reichen kann, freue ich mich.

4. Juli 2020 19:25 Uhr: Von J. D. an Michael Radtke Bewertung: +4.00 [4]

Also, ich bin jetzt auch nicht gerade FF Fan.., aber bei allem Respekt: Einflug in LR C, Umkehr über den Alpen weil man mit der App nicht zurechtkommt, und das ganze VFR - ich bin mir nicht sicher, ob so ganz verstanden wird, wie derartige Apps, und dabei ist unerheblich ob SD, FF oder GP, sinnvoll eingesetzt werden.

Und meine Güte, diese jetzt seit Monaten doch irgendwie trotzig klingende Diskussion "ich will mein Jepp MFD wieder" ist langsam etwas anstrengend.
Es gibt genug gute Apps - nach vorn schauen, einarbeiten und weitermachen!
Tipp: alle Navi-Apps können mit dem heimischen Flugsimulator gekoppelt werden - da kann man entspannt alle Funktionen testen und sich seinen Workflow definieren - dann klappt's auch wieder mit Lufträumen und Alpen.

Beste Fliegergrüße.

4. Juli 2020 19:59 Uhr: Von Name steht im Profil an J. D. Bewertung: +5.00 [5]

@JD

Es geht darum ohne Zwang das beste Produkt am Markt einzustampfen welches schon da war. Das tut körperlich weh. Ja klar kommt man mit SD top zurecht, aber....hätte das wirklich sein müssen. Und gehen einem die Gebetsmühlen artigen Beschwörungen von Boeing, man solle am Ball bleiben, alles wird gut, nicht ähnlich auf den Wecker? Klare Kante zur Entscheidung wäre besser gewesen.

@ Hr. Radtke

100% Konsens

4. Juli 2020 20:00 Uhr: Von Michael Radtke an J. D. Bewertung: +7.00 [7]

@JD

Servus + vielen Dank für Dein schnelles Feedback.

Aber in Kürze retour: Wenn der Sinn einer VFR-App nicht maßgeblich darin besteht, als Pilot in der Luft den Überblick und die Orientierung über Lufträume und Strecke zu behalten, wüßte ich nicht, was sie sonst noch leisten sollte?

Besten Gruß, MR

4. Juli 2020 22:00 Uhr: Von Wolfgang Winkler an Michael Radtke Bewertung: +3.67 [4]

Jeppesen Flite Deck VFR ist ja nur ein kleiner Teil dessen, wie Boeing mit seinen ganzen Aquisitionen im Luftfahrt-Softwaremarkt umgeht. Bei Peters Software haben sie es binnen 2 Jahren geschafft, dass GOTO PPL als Prüfungssoftware bei den Landesluftfahtbehörden aus der Akkreditierung rausgekickt wude. Und Jeppersen Flite Star IFR wurde ja ebenfalls (mit Verweis auf das supertolle ForeFlight) abgekündigt. Anfragen wegen einer Neugestaltung als reines Abo für die Karten werden erst nach Wochen beantwortet. Telefonisch ist "wegen Corona" gar niemand erreichbar. Häää???

Mann, mann mann (frau, frau frau / divers divers divers) - was war das früher für eine exzellente Firma. Freitagabends Trip Kit (Papier) nach UK? "Hm, die Post ist schon raus, aber wenn Sie über Egelsbach fliegen, bringe ich das Kit auf dem Heimweg eben rüber und lege es bei der Flugleitung ab. Dann können Sie es morgen früh mitnehmen". Früher.......

Captain Jeppesen würde im Grabe rotieren, wenn er sehen würde, was Boeing mit seiner einst unschlagbaren Service-Company gemacht hat. Aber da passt eines zum anderen. Und B737 Max ist das neue Flaggschiff dieser ganzen Flotte.

4. Juli 2020 22:57 Uhr: Von Erik N. an Wolfgang Winkler Bewertung: +0.33 [4]

Na, na, nicht zu viel meckern, sonst wird Dir noch Tourette diagnostiziert.

5. Juli 2020 00:16 Uhr: Von Marcel H. an Michael Radtke Bewertung: +1.00 [1]

Wenn Du beim nächsten Versuch in LSZR oder LSZT (LOIH zur Not noch) vorbei kommst, kann ich Dir gerne die besten Routen durch die Schweizer Alpen zeigen.

Sind genug schon umgekommen, nimm es nicht auf die leichte Schulter.

5. Juli 2020 01:10 Uhr: Von Chris B. K. an Michael Radtke

Also ich würde einfach mit den Füßen abstimmen und zu SD oder einem anderen Hersteller laufen.

So lange Du das Abo von ForeFlight bezahlst, egal ob es nutzbar ist oder nicht, hat Boeing doch alles richtig gemacht.

5. Juli 2020 03:43 Uhr: Von Johannes K. an Chris B. K. Bewertung: +1.00 [1]

Also ich würde einfach mit den Füßen abstimmen

Mit den Füßen abstimmen funktioniert bei Boeing nicht. Wenn es außerhalb der Finanzwirtschaft eine US-Firma gibt, die als Definition von "too big/important to fail" herhalten kann, dann ist es Boeing. Du kannst dein Abo zahlen oder es bleiben lassen, für diese Firma wird sich nichts ändern. Im Zweifelsfall werden 100 neue Militärjets bestellt.

Fun Fact an der Stelle: Ich saß 2016 interessehalber der Vorlesung "Grundlagen der Luftfahrtpraxis". Irgendwann wurde am Rande das Thema Prüfungssoftware angeschnitten und der Name "Peters Software" fiel. Auf meine Antwort hin "die wurden gerade von Boeing gekauft", meine der Dozent nur, dass dies wahrscheinlich bedeute, dass die Software jetzt teurer, komplizierter und für den Zweck immer ungeeigneter werde :-)

5. Juli 2020 08:21 Uhr: Von Hubert Eckl an Johannes K. Bewertung: +1.00 [1]

Auf meine Antwort hin "die wurden gerade von Boeing gekauft", meine der Dozent nur, dass dies wahrscheinlich bedeute, dass die Software jetzt teurer, komplizierter und für den Zweck immer ungeeigneter werde :-)

Genau das haben die Macher von FLARM in der Schweiz sehr gut verhindert. FLARM wird mittlerweile von fast 100% aller Segelflieger benutzt, absolute Aktzeptanz. ( und kann auch in anderem Fluggerät genutzt werden.) Warum? Es funktioniert. Es würde von keiner Behörde aufoktroyiert, von smarten Segelfliegern für Segelflieger Anfang der Nuller entwickel. Es ist verhältnismässig billig. Jetzt wollte Garmin das Patent kaufen. Nix da. Ist eine Stiftung. Gut so.

5. Juli 2020 08:53 Uhr: Von Chris B. K. an Johannes K.

Mit den Füßen abstimmen funktioniert bei Boeing nicht. Wenn es außerhalb der Finanzwirtschaft eine US-Firma gibt, die als Definition von "too big/important to fail" herhalten kann, dann ist es Boeing. Du kannst dein Abo zahlen oder es bleiben lassen, für diese Firma wird sich nichts ändern. Im Zweifelsfall werden 100 neue Militärjets bestellt.

Klar ist Boeing too big to fail, aber im Zweifelsfall würde da der amerikanische Steuerzahler für einstehen und eben nicht der europäische, der andererseits wohl für Airbus geradestehen dürfte.

Aber wenn es schon um Militärjets und Amerika geht: Warum werden jetzt in Deutschland ein paar F-18 der nuklearen Teilhabe wegen angeschafft? Würde Trump wirklich im Krisenfall die Atomwaffen rausrücken? Sollten wir uns nicht eher daran machen im Kriegsfall französische statt der amerikanischen Atombomben liefern zu können und auch die passenden Trägerflugzeuge dafür anschaffen?

Zusammenfassend bleibe ich dabei: Stimmt mit den Füßen ab und fertig ist der Kaffee.

Ähnlich ist es ja in Deutschland mit der AIP VFR. Wenn es zu einem Rampcheck kommt, wäre ich mal gespannt welcher Pilot die wirklich vorlegen kann. Insb. ausländische Piloten auf Durchreise dürften die kaum haben, eben weil sie nicht öffentlich zugänglich ist sondern mehr Geld kostet als der ganze Flug.

5. Juli 2020 09:26 Uhr: Von Tobias Schnell an Chris B. K. Bewertung: +1.00 [1]

Wenn es zu einem Rampcheck kommt, wäre ich mal gespannt welcher Pilot die wirklich vorlegen kann

Wieso sollte man denn bei einem Rampcheck eine AIP vorlegen müssen?

5. Juli 2020 09:52 Uhr: Von Sven Walter an Tobias Schnell

Hast du das bei deiner UL-Ausbildung nicht gelernt ;-)?

5. Juli 2020 10:01 Uhr: Von Joachim P. an Sven Walter Bewertung: +5.00 [5]

Das ist eine Fangfrage. Wer beim Rampcheck den AIP-Ordner aus dem UL zieht muss sofort seine M&B Berechnung zeigen.

5. Juli 2020 10:13 Uhr: Von Jochen Wilhelm an Michael Radtke Bewertung: +1.00 [1]

Kann ich alles gut nachvollziehen. Am besten abhaken und eine der anderen am Markt verfügbaren besseren Plattformen nutzen.


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