Natürlich ist es "lustig" mal wieder einen Rant zum BAF und AG Langen zu lesen. Es ist aber genauso bemerkenswert, dass auch das führende deutschsprachige Pilotenmagazin nicht mal versucht, vernünftige Toleranzen für so einen Anflug vorzuschlagen, sondern mit sehr vielen Worten nur darstellt, was sie nicht sein sollten.
Eine Diskussion hierfür wäre - wie auch im Artikel gesagt - sicher sehr zielführend, findet aber sicher nicht statt, wenn die im Fall unmittelbar Beteiligten einer möglichen Diskussion fernbleiben (weil sie sich davon prozessrechtliche Vorteile versprechen) und nicht unmittelbar Beteiligte eben nur darlegen, warum die anderen Unsinn machen, aber nicht, was gut und richtig wäre. Das ist auf beiden Seiten keine "Fehlerkultur".
So singulär wie im Artikel dargestellt sind solche Fragen ja nicht: Auch im Strassenverkehr gibt es Bussgelder wegen "unangemesserner Geschwindigkeit", ohne, dass im Gesetz oder einer Verordnung ein Limit für die konkreten Bedingungen exakt definiert ist.
Und um in eine konstruktive Diskussion zu kommen: Die ICAO sieht eine half scale deflection als maximal zulässige Abweichung auf dem final segment an, ab der unmittelbare corrective actions ergriffen werden müsse und/oder durchgestartet. Eine sehr signifikante Überschreitung dieser half scale deflection ohne erkennbare Reaktion stellt schon eine diskussionswürdige Abweichung hiervon dar. Dass in diesem Fall nichts passiert ist und keine Gefährdung stattgefunden hat, ist gut - lag aber nicht in der Kontrolle des Piloten. Es hätte auch anders kommen können.
Dass Geldstrafen eigentlich nie ein Mittel zum Sicherheitsgewinn sind und in solchen Fällen Nachschulungen als Auflagen viel mehr bewirken könnten, steht auf einem anderen Blatt. Auch da können wir Piloten uns aber lange Beschweren, dass andere das immer falsch machen oder einfach mal selber einen konstruktiven Vorschlag machen...