Beim Floatplane fliegen gab es viele Unterschiede. Es fing mit dem Warmlaufen an. Man tuckert mit 1.000 rpm Standgas über den See, mit dem Wind im Rücken. Dabei macht man bei 1.500 rpm seinen Run-up Check. Am Ende des Sees wollte ich mittels des rechten Seitenruders, welches mit den Rudern im Wasser gekoppelt ist einen Bogen nach rechts drehen, aber obwohl ich wie verrückt ins rechte Seitenruder trat, tat sich fast gar nichts. Maximal 5° Grad Drehung. Das Geheimnis war der linksdrehende Propeller, der den Luftstrom gegen das linke Seitenruder drückt. Nur wenn man fast völlständig das Gas wegnimmt dreht die Maschine etwas. Je mehr Gas, umso schlechter. Nach links geht es wunderbar rum, aber auch hier... je weniger Gas, desto höher die Drehrate auf Wasser. Dann also nach links in den Wind gedreht und die Ruder mittels eines Drahtes an dem oben ein Ring war eingezogen, und unter den Sicherungen in eine Öse eingehakt. Wir hatten 260 kg Payload und halb volle Tanks, weshalb uns der Fluglehrer vorher erklärte, man könnte nur auf diesem extrem langen See starten. Beim Gasgeben verstand ich dann, warum er das meinte. Der See wurde immer kürzer und kürzer, bis ich persönlich schon abgebrochen hätte, weil die Bäume immer näher kamen. Man macht einen Shortfield-Takeoff mit 10° Grad Klappen. Am Anfang sind die Floats in Verdrängerfahrt und man sieht wenig nach vorne. Dann geht die Maschine immer mehr ins Gleiten. Die Schläge von unten werden immer kürzer und periodischer... ein Wahnsinnsgefühl! Irgendwann liegt dann Pitch von 10 Grad an und man muss das Querruder nach vorne drücken und dem Flieger in die Gleitfahrt helfen. Irgendwann nach gefühlten 1,5 km (es sollen aber nur 1.500 ft gewesen sein) sind die Floats 20 cm aus dem Wasser. Dann holt man Fahrt auf (ca. 80 kts) und zieht mit 'atemberaubenden' 200 ft/min nach oben. Das hätte ich nie gedacht, dass man diese geringe Steigrate mit einberechnen muss, um überhaupt über die Bäume zu kommen. Dachte man kommt entspannter über die ersten Baumreihen. Es kam noch hinzu, dass wir nur 150 PS hatten. Mit den Floats als Luftbremsen.
Landung geht dann fast wie mit einer SENECA. Man muss sie an die Bahn 'heranfliegen'. In diesem Fall mit Flaps 20° Grad und 75 kts. Bis man auf ca. 1 m Höhe über Meeeresspiegel ist und dann wieder in die Horizontale geht mit dem 'natürlichen Anstellwinkel' der Cessna 172 von ca. 3° Grad. Dann nimmt man sie 'langsam' mittels des Gases herunter. Beim ersten Mal hat das super geklappt. Beim zweiten Mal machte ich den PPL Anfängerfehler und wollte sie an die 'Bahn heranziehen'. Das gab dann einen Schlag wie ein A340, der bei '30 ft Retard' wie einen Schuhkarton aufs Fahrwerk fallengelassen wird.
Alles in allem... ein Wahnsinnserlebnis!
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