Hi Sascha,
ich kann Deinen Drang zum eigenen Flieger so gut verstehen. Aber Du solltest es wirklich nicht überstürzen. Folgende Tipps gebe ich Dir:
Mache erst mal ein paar Flüge mit Frau und (wenn das für den Vercharterer okay ist) Hund. Probiere dabei aus, wie Du den Hund in einen Tiefdecker reinbekommst und überlege Dir, wie Du ihn während des Fluges so sicherst, dass er Dir nicht ins Genick fliegt (kein Witz!). Und wenn sich dabei heraus stellt, dass es Frau und/oder Hund zu viel ist in der Sommerhitze auf dem Vorfeld zu schmoren oder durch die Thermik zu schaukeln, ist wenigstens die Enttäuschung bei Dir nicht riesengroß, weil Du Dir bereits was gekauft hast und dachtest, wie schön es doch wäre… In einem solchen Fall fließen dann eben neue Aspekte in Deine Fluggerätewahl mit ein, z.B. Kunstflugfähigkeit. Oder doch mal Heli ausprobieren. Oder im Gyrocopter rumtoben. Und all das ohne einen ersten Fehlkauf los werden zu müssen. Wie Du gesehen hast, ist das nämlich momentan und vermutlich auch in den nächsten Jahren kein leichtes Unterfangen. Gerade bei reinen Avgas-Fliegern. Daher ist der Gedanke an die Mogasfähigkeit absolut berechtigt. Avgas wird absehbar noch teuerer werden. Wenn es bleibt.
Sollten Deine familiären Mitflieger aber doch mitziehen, solltest Du bei der Wahl des Typs auf Reichweite, Zuladung und Start- bzw. Steigleistung achten. Wie hat Heiko Teegen (für Jüngere: Der PuF-Urheber) mal geschrieben: Lieber einen Flieger mit Feld-, Wald- und Wiesenavionik, aber dafür mit der Fähigkeit auch im Sommer in die meisten Plätze rein und gut wieder raus zu kommen. Das gilt wohl insbesondere bei Dir, weil Du für Dich IFR ja eher ausschließt. Lediglich einen Fuelcomputer und einen belastbaren Autopiloten (stundenlanges Rudder and Stick ist nervig) würde ich Dir bzgl. verbauter Avionik ans Herz legen. Und ja: Lieber fünf Stunden mit knapp 120 kts statt mit Ach und Krach 3 Stunden mit gut 140 kts, weil sonst die Zuladung zu knapp wird. Daher ist ein „schnelleres“ Einziehfahrwerk auch nicht zwingend geboten - obgleich ich selbst bei einem Motorausfall doch lieber mit eingezogenem Fahrwerk auf dem Bauch als mit Festfahrwerk auf dem Rücken liegen bleiben möchte. In diesem Fall würde ich mich dann aber wenigstens über zwei Türen links und rechts am Flieger freuen, statt einer einzigen Luke auf der Copilotenseite. Oder einer Schiebehaube, die auf dem Rücken liegend partout nicht mehr aufgehen will.
Prüfe bei interessanten Angeboten nicht nur auf eine Damage History, den Pflegezustand und eine möglichst vollständige und ordentlich geführte L-Akte, sondern vor allem die Triebwerkslaufzeit seit der letzten GÜ. Es gibt genug Hangar-Queens im Markt, die pro Jahr nur wenige Stunden bewegt wurden. Und das auch nur für Platzrunden oder Kurzflüge im Sommerhalbjahr. Den Rest der Zeit hatte die Korrosion den Flieger dann für sich, trotz Hangar. Da wäre ich schon vorsichtig und würde, wenn es denn genau ein solcher Flieger sein soll, auf einer Untersuchung von Zylindern, Nocken- und Kurbelwelle im Rahmen einer Pre-Buy-Inspektion (u.a. Zylinderboroskopie und Ölfiltercheck!) bestehen. Die ca. 1.000 EUR für eine solche Pre-Buy-Inspektion bei einer renommierten Werft (eher nicht der bisherige Wartungsbetrieb der Maschine!) sind gut angelegtes Geld, selbst wenn es nichts aus dem Kauf wird. Und apropos Hangar: Der schützt besonders gut vor Hagel, Sturm und UV-Strahlung. Aber nicht vor Luftfeuchtigkeit, Staub/Schmutz oder Viechern. Oder Rangierbeulen. Läuft Dir wirklich der Wunschflieger über den Weg, dann sollte der noch fehlende Hallenplatz also kein NoGo für einen Kauf sein. Investiere statt dessen 3.000 EUR in ein Allwettercover für einen vorläufigen Außenstellplatz als etwas nervige, aber taugliche Übergangslösung. Der Hallenplatz wird sich schon finden. Bei einem durchschnittlichen Flottenalter von mehreren Jahrzehnten in der Echo-Klasse, darfst Du ohnehin davon ausgehen, dass auch Dein Wunschflieger insgesamt bereits mehr Nächte unter freiem Himmel verbracht hat, als Reinhold Messner auf seinen Bergtouren. Trotz der Beteuerung „stets hangariert!“.
Meiner Meinung nach wäre ein wirklich guter (aber natürlich nicht der einzig denkbare) Reiseflieger für Deine spezifischen Anforderungen samt Hund eine ältere, aber gepflegte Cessna 182, mit einem Mogas-tauglichen Continental O470, die all das erfüllt, was ich oben beschrieben habe.
Viel Spaß noch beim Suchen und Finden!