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Leserreise 2019 Fly East and West Live-Tracker: Keine Flüge heute
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Fisch im Osten, Fleisch im Westen
Einträge im Logbuch: 17
Fotostrecke Anchorage: Bären und Wasserflugzeuge
 
19. Juni 2019 16:00 Uhr Jan Brill

Leserreise: Tag 15 bis 16


Endspurt nach Anchorage und eine Panne

Der Endspurt von Jakutsk nach Anchorage wurde für die Ost-Crews noch einmal spannend. Nicht nur, dass in Ost-Ost-Sibirien die Strecken länger und die Sitten rauer wurden, in Anadyr mussten die Crews zusätzlich auch auf dem Polizeipräsidium antanzen um eine Strafe von 27 Euro zu zahlen. Weshalb genau, das konnte uns auch Streamline anfangs nicht sagen, erst allmählich klärte sich die Sache auf. Zudem erlebte eine C425 Conquest der Gruppe in Jakutsk leider ein technisches Problem, dass schlussendlich den Abbruch der Reise für diese Crew notwendig machte.


Fossilien eisig in Szene gesetzt im Permafrost-Museum von Jakutsk
In Jakutsk, dem im Winter kältesten Ort der Erde, hatten die Besatzungen noch das Eis-Museum besichtigt. Dabei handelt es sich um einen Stollen, der zu Sowjet-Zeiten in den dauergefrorenen Permafrost-Boden getrieben wurde. Damals sollte er als Vorratskammer dienen, heute handelt es sich um ein Museum, in dem verschiedene Skulpturen aus Eis und diverse Fossilien-Funde zu sehen sind.

Da an der nächsten Station in Magadan/UHMM aufgrund von Bauarbeiten nur vier Flugzeuge für eine Übernachtung vom Flughafen akzeptiert wurden, fächerte sich die Gruppe am 15. Juni etwas auf. TBM und Extra 500 konnten auf den Stopp in Magadan verzichten, die Citation legte nur einen Fuel-Stopp ein. Die übrigen Maschinen sollten dann wie geplant in Magadan übernachten.

Für eine der beiden C425 Conquest wurde es allerdings nichts mit Magadan. Kurz nach dem Start musste sie umkehren und wieder in Jakutsk landen, da das Fahrwerk nicht vollständig einfuhr und die Druckkabine keinen Differenzdruck aufbaute. In dieser Konfiguration wäre ein Bewältigen der folgenden bis zu 800 NM langen Strecken nicht machbar.

Erste Reparaturversuche und zwei neue Anläufe führten für diese Crew leider nicht zum Erfolg, sodass sich die Besatzung am 18. Juni entschloss das Flugzeuge vorerst in Jakutsk/UEEE stehen zu lassen und mit der Linie nach Deutschland heimzukehren.

Den anderen Teilnehmern tut es sehr leid die leserreisenerfahrene Crew zu verlieren. Es ist das erste Mal, dass ein Turbinenflugzeug bei einer Leserreise liegen bleibt.


Freundliche Verhaftung in Anadyr


Die Fähre bestehend aus alten Landungsbooten bringt uns vom Flughafen in die Stadt Anadyr.
Aber auch die als Vorhut nach Anadyr geflogenen Crews erlebten eine Überraschung. Zunächst einmal: Es gibt Sibirien, Ost-Sibirien und Ost-Ost-Sibirien. Anadyr liegt in Ost-Ost-Sibirien. Das ist wirklich weit weg von allem! Die Gegend ist karg, das Klima sehr rau. Selbst wenn Straßen gebaut wurden halten diese oft nur einen oder zwei Winter lang.

Als die drei Crews der Vorhut in Anadyr landen läuft zunächst alles freundlich, langsam und ansonsten wie immer. Im Hotel angekommen erscheinen jedoch mehrere Polizisten. Deren Anliegen kann zunächst nicht geklärt werden, aufgrund von Sprachproblemen. Olga, eine ansässige Unternehmerin hilft. Die Crews seien ohne die erforderliche Sondererlaubnis in den Autonomen Kreis der Tschuktschen genannt Chukotka eingereist.

Die Besatzungen verweisen auf die in Moskau ausgestellten Erlaubnisse für den gesamten Flug und auch Streamline, unsere Permission-Firma, ist ratlos. Die Abklärungen zwischen Streamline und den lokalen Behörden laufen mehr oder weniger auf ein “Moskau ist weit, hier ist das so” hinaus. Die Besatzungen müssen pro Person 27 Euro Strafe zahlen und sollen einzeln auf dem Polizeipräsidium erscheinen um das abzuwickeln. Weitere Abklärungen und Verweise von Streamline auf eine angebliche Exemption für Flug- und Schiffsbesatzungen von 72 Stunden führen zu nichts.

Es ist nicht das erste mal, dass Offizielle auf Leserreisen abends ins Hotel kommen um zu kassieren. Wir kennen das aus Südostasien leider zur Genüge. Da die Crew der TBM morgen gleich abfliegen will während die anderen beiden zwei Nächte bleiben, geht die TBM-Crew noch am Abend auf die Wache und lässt eine mehr als zweistündige bürokratische Prozedur über sich ergehen. Dann ist die Sache erledigt.

Anders als in Südostasien will hier aber niemand Cash von uns, sondern die 27 Euro (2.000 Rubel) müssen auf der Bank eingezahlt werden. Ob es sich bei dem Konto um ein offizielles Konto handelt oder um die Kaffeekasse des lokalen Präsidiums lässt sich leider nicht klären. Natürlich hat die Bank am Abend nicht offen, aber die Kollegen der anderen Crews übernehmen das am Folgetag. Falls nicht gezahlt wird sind 15 Tage Arrest fällig, das will hier keiner in er Praxis ausprobieren!


Ein Teilnehmer setzt eine eherne Leserreisen-Tradition fort: Sich am entferntesten Ort die Haare schneiden zu lassen. Die Wahl fiel natürlich auf Anadyr. Eine sehr gute Frisörin fand sich schnell, der Salon musste allerdings im Büro von Olga (links) behelfsmäßig eingerichtet werden.
Immerhin erweisen sich alle Beteiligen als sehr freundlich und höflich. Größtes Problem ist die vollständige Sprachbarriere. Unser Handling-Agent hat sich verzogen, Olga hilft aus - organisiert und erklärt alles.

Immerhin können wir die übrigen Crews warnen nicht in Anadyr zu übernachten sondern am Folgetag nur mit Tankstopp nach Anchorage weiterzufliegen. Cheyenne und die zweite TBM machen das auch so und erreichen dann nach Abflug am 18. Juni am 17. Juni Anchorage mitten in der Nacht, die allerdings nicht dunkel ist. Hier ist eben alles ein bisschen anders! Zum Glück ist in PANC die Einreise 24 Stunden möglich, sodass diese Umplanung leicht machbar ist.

Die beiden verbliebenen Anadyr-Crews von Citation und Extra erledigen derweil vor Ort den Behördenkram und folgen am 19. Juni nach und kommen - dank Datumsgrenze - ebenfalls einen Tag “früher”, nämlich am 18. Juni in Anchorage an.

Das Erlebnis in Anadyr hat unser bis dahin sehr positives Bild von Russland etwas getrübt. Immerhin schien es sich aber nicht um einen Shake-Down zu handeln, sondern um eine tatsächliche Vorschrift. Ob die von Streamline zitierte Ausnahme für Flugbesatzungen aber in unserem Fall hätte greifen müssen konnten wir mangels tieferer Kenntnisse im russischen Verwaltungsrecht natürlich nicht abschließend sagen.

Jedenfalls verhielten sich sowohl die Offiziellen wie auch die hinzugerufenen Hilfs-Übersetzer sehr freundlich.

In Anchorage angekommen geht es eigentlich allen Besatzungen ähnlich: Die fast drei Wochen in Russland waren ein enorm interessantes und schönes Erlebnis. Ausnahmslos alle Teilnehmer müssen ihr Bild des Landes revidieren. Gastfreundlich, aufgeräumt und soweit wir sehen konnten sicher und ohne offen erkennbare Korruption präsentierten sich die von uns besuchten Städte.


Abschied von Anadyr und von Russland: Die Eindrücke die die Teilnehmer nach drei Wochen im Land mitnehmen sind sehr vielfältig, positiv und geben zu denken.
Wo immer ein Gespräch über die Sprachbarriere möglich war, wurde dies von beiden Seiten mit großem Interesse und großer Offenheit geführt. “Ob wir denn in Russland einen Feind sähen” wurden wir immer wieder gefragt. Als Grund für diese mehrfach gestellte Frage, die uns zunächst schockierte, wurden die Sanktionen der EU angegeben, die jedem mit dem wir uns unterhielten bekannt waren und die zumindest bei unseren Gesprächspartnern auch ganz persönlich als Stachel wahrgenommen wurden.

Niemand äußerte uns gegenüber aber Zweifel an der aktuellen Regierungsform des Landes. Im Gegenteil unsere Gesprächspartner sehen die augenblickliche Situation als eine Periode der Ruhe mit nie dagewesener Sicherheit und einem bescheidenen aber erkennbaren Wohlstand.

Was wir vor allem erlebten war Hilfsbereitschaft - die wir mehr als einmal sehr gut gebrauchen konnten. Die zahlreichen Presseberichte, die unser Besuch generierte, zeigen, dass vor allem hinter Moskau ein Besuch wie unserer mit großem Interesse registriert wird.

Die Eindrücke aus drei Wochen Fliegen in Russland lassen sich in dem tiefen Seufzer eines Piloten zusammenfassen als er in Anchorage landete: “Wahnsinn. Ganz anders als ich gedacht hatte. Aber ich bin froh in Anchorage zu sein!”

Bis auf die liegen gebliebene C425 Conquest haben alle Crews nun ihr Ziel in Alaska erreicht. Von hier aus werden wir in den nächsten 14 Tagen mehrere Destinationen im Süden Alaskas ansteuern und dann die Westküste entlang bis nach Moab fliegen.



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