Unabhängig vom Golf derzeit hab ich mir mal öfter, meist privat bedingt durch die üblichen Krisen um den Planeten herum, Gedanken gemacht, wie man das finanziell und operationell am saubersten hinbekommt. Denn ein Transportvertrag sagen wir von FRA nach Dubai und zurück ist eben nur genau das. Von exakt Flughafen A nach B und zurück.
Lassen wir die persönlichen Risikobewertungen mal raus, was Urlaub in unsicheren Weltgegenden angeht (Motorradurlaub im südlichen Algerien der 90er, Palastrevolte in Nepal, Vulkanausbruch in Island - die Bandbreite ist einfach riesig zwischen "unfassbar dämlich, da durchzufahren" und "das hätte wirklich jedem passieren können").
Die Angriffe auf den Iran und Rückschläge in die Golfregion und gen Israel können noch wochenlang weitergehen. Keiner in den Fluglinien will da natürlich seinen Kopf riskieren, dass mitten bei der Abfertigung eine ballistische Rakete eine 200 - Tonnen - Maschine mit dutzenden Tonnen Treibstoff in eine krasse Fackel verwandelt. Oder eine fehlgeleitete Luft-Luft- oder Boden-Luft-Rakete nochmals hunderte Passagiere und Besatzung auslöscht.
Aber was ginge mit wirklich wenig Aufwand, um einfach ein paar tausend Passagiere erst auf dem Land-, dann auf dem Luftwege zurück an die Heimatdrehkreuze zu bekommen? Einfach mal auf die Landkarte und Flightradar24 gucken, demgemäß jetzt schon in den VAE wieder Flugverkehr stattfindet, sowie die offiziell gesperrten Lufträume ansehen, und es ist gar nicht so kompliziert:
- Sammelpunkt festlegen für Reisebusse
- 5 h bzw. 5 h 12 min von Abu Dhabi und Dubai nach Muskat laut Google Maps
- eigene Langstreckenmaschinen mit Flugplan nach Muskat versehen, vollmachen, wegfliegen.
Eigentlich ganz simpel. Außer beim Geld - die Maschinen fliegen leer hin, müssen auf dem Hin- und Rückweg deutliche Umwege übers Rote Meer fliegen, und Fluglinien sind keine karitativen Veranstaltungen. Der Rest ist Slot besorgen, Crews umplanen, Busse buchen, Passagiere informieren, fertig. Eine Komplikation ist dann die zwote Reisewelle von gestrandeten aus Kuwait, Bahrain und Qatar - die müssen dann 12 h oder länger Bus fahren. Ironisch: Wow....
Nein, ganz ernsthaft, wer sich die potentiellen Ziele der iranischen Vergeltungsschläge ansieht (amerikanische Stützpunkte westlich und südlich des persischen Golfs), der hat die Wahl zwischen äußerst geringen Lebensrisiken dezentral im Hotel vor Ort oder dem äußerst geringen Lebensrisiko der Busfahrt oder Mietwagenfahrt ins Nachbarland. Also ähnlich gering.
Alle anderen Reisen danach können regulär über Muskat abgewickelt werden. Alles schlecht für die Bilanz von Emirates und Co, die Kriegsgefahr in einer volatilen Region zweifele ich nicht an, aber die Rückreise ausländischer Touristen und Geschäftsleute aus der Region ist selbst bei leicht erhöhtem Lebensrisiko eine ganz simple, schnöde Frage: Wer bezahlt und organisiert es.
Ohne zynisch klingen zu wollen, das ist fast so nüchtern zu betrachten wie die Nacht auf dem Münchner (Einheimische sagen wohl Münchener?) Flughafen wegen büschn viel Schnee und Nachtflugverbot - alles lösbar. Nur werden meist die falschen Fragen gestellt.