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4. Mai 2012 Jan Brill

Routing: Luxussteuer auf Flugzeuge in Italien


Good News (2): Italienische No-Go-Steuer für Besucher wieder abgeschafft

Gute Nachrichten auch für Italien-Flieger. Die Horror-Steuer, die denen drohte, die mit dem Flugzeug länger als 48 Stunden in Italien bleiben wollten, ist vom Tisch. Wer sich aber länger als 45 Tage mit dem Flugzeug im Land aufhält, muss weiterhin damit rechnen Steuerpflichtig zu werden.

Die italienische Luxussteuer war Teil des im Herbst verabschiedeten Steuerpakets „zur Rettung Italiens.“ Tatsächlich war sie jedoch an blanker Dummheit kaum mehr zu überbieten. Private Flugzeuge – auch ausländische –, die länger als 48 Stunden in Italien sind, sollten mit einer jährlichen Steuer belegt werden. Selbst für einen kleinen Viersitzer würden dabei weit über 2.000 Euro anfallen, für ein größeres Flugzeug wie unsere Cheyenne deutlich über 15.000 Euro. Reihenweise sagten private Piloten ihre Italien-Urlaube ab, selbst Tankstopps und Überflüge wurden zum unkalkulierbaren Risiko. Ein geplatzter Reifen oder eine unplanmäßige Landung könnten richtig teuer werden.

Italien machte sich mit dieser weltweit wohl einmaligen Steuer de facto zur No-Go-Area, von der blanken Verhöhnung der ICAO und der europäischen Reisefreiheit einmal ganz abgesehen. Selbst Wartungsaufenthalte wären dem Gesetz nach abgabenpflichtig gewesen und damit unmöglich. Es hagelte Proteste von Piloten und Betroffenen an die Botschaften Italiens in ganz Europa. Auch die europäischen AOPA-Organisationen intervenierten direkt und indirekt durch einen Aufruf zu Protestschreiben.

Nun ist die Steuer in dieser Form vom Tisch. Der Zeitrahmen für die Steuerpflicht wurde von 48 Stunden auf 45 Tage erhöht, Wartungsaufenthalte sind gar nicht mehr betroffen. Entlastung gibt es auch für private italienische Flugzeughalter (es sind sowieso nur noch ein paar Hundert). Für Flugzeuge unter 4 Tonnen soll die Steuer halbiert werden.

Diese Änderungen traten am 29.4.2012 in Kraft, wie Italien-Kenner Philip Tiemann auf seiner Website meldet.

Das mag eine Linderung sein, eine Heilung ist es jedoch nicht. Wäre unsere Cheyenne in Italien stationiert, müssten wir nach wie vor mehr als 8.000 Euro „Luxussteuer“ zahlen – und das jedes Jahr! Das ist mehr, als die gesamte Versicherung der kleinen Turboprop kostet.


  
 
 




30. August 2012: Von joy ride an Jan Brill

... und jetzt verstehen wir, warum sie hier klein beigeben: damit dieser schwenk kommen kann:

Italien halbiert Anzahl Flugplätze

30. August 2012: Von M. S. an joy ride
"will die italienische Regierung künftig nur noch 33 der heute 60 Verkehrsflughäfen im Land finanziell unterstützen"

Nach Wiki gibt es in Dtl. 37 Verkehrsflughäfen - und nach dem Bericht in der PuF über den Flug nach Heringsdorf bin ich noch mehr der Ansicht, dass auch wir derer zuviel haben. Zumindest für die GA ist jeder Flugplatz, der diese Qualifikation verliert, doch nur ein Gewinn. Dem Artikel entnehme ich nicht, dass die Flugplätze geschlossen werden sollen.

Just my 2ct
30. August 2012: Von Philipp Tiemann an M. S.
Eben. Es geht mehr darum, dass einige in den letzten beiden Jahrzehnten vom Provinzflugplatz zum Provinzflughafen gemachten Plätze, die heute zwar je ca. 80 Angestellte, aber 0 kommerzielle Flüge am Tag haben, nicht mehr als solche auferhalten bleiben sollen. Die besten Beispiele sind Cuneo-Levaldigi, Forlí und Brescia-Montichiari. Früher waren das mal sehr nette Plätzchen für die GA, wo man frei rumlaufen konnte und die Landung ein paar Lire kostete. Dann aber kamen die Träume der Provinzpolitiker, und damit wurde die GA in irgend eine "nicht sichere" Ecke des Platzes gedrängt, es gab Handlingpersonal, gelbe Westen und entsprechende Gebühren. Von daher wäre es gar nicht schlecht, wenn diese Plätze wieder "gedowngradet" würden. Der Nachteil wäre aber, dass dann wohl auch die guten Öffnungszeiten, der Zoll, die Mietautos und vor allem die Instrumentenanflüge wegfallen würden. Insbesondere letzteres wäre schlecht, da solche Plätze gut als IFR-Ziele bzw.-Alternates taugen.

Mit den so genannten "Aeroprti minori" wie Venezia-Lido, Verona-Boscomantico, Roma-Urbe etc. hat das aber nichts zu tun.

30. August 2012: Von Markus Dörr an Philipp Tiemann

Genau. Dann werden das wieder kleine nur VFR Plätze und wenn das Wetter schlecht ist, dann ist es Essig mit IFR.
Die restlichen großen Plätze werden dann die GA gar nicht mehr akzeptieren und damit geht Freiheit verloren.
Ist aber in Deutschland genauso. Altenburg z.B. da fliegt Ryanair nicht mehr hin, daher tot, tot und mausetot.

31. August 2012: Von Thore L. an Markus Dörr
Genau. Und warum ist der tot? Weil es in der Ecke einfach zu wenig Piloten gibt, die gerne fliegen möchten. Warum gibt es keine Piloten? Weil es zu teuer ist, fliegen inzwischen recht umständlich, und die Ausbildung schlicht zu zeitintensiv.

Zu teuer ist es u.a., weil wir auf den Plätzen zuviel Mist vorhalten müssen (Flugleiter, Feuerwehr, Umzäunung, Apronlicht, Sicherheitsschleusen, völlig überzogene Instandhaltungspflichten, und und und). Wäre all das nicht, gäbe es keine Landegebühren, weil ein 1,5km Stück Strasse kostet nicht die Welt, und schon ein bisschen Vermietung am Platz an die Tankstelle und die Werft und ein paar Eigner und deren Hallenplätze beschert dem Platz ne schwarze Null. Welche Gemeinde würde den Gewinn dieser Infrastruktur praktisch ohne Kosten nicht gerne mitnehmen?

Hätten wir keine Landegebühren, spart der durchschnittliche Flugschüler bei 100 Landungen und 10 Euro Landegebühr 1000 Euro alleine in der Ausbildung.

Und wenn die Ausbildung nicht so überfrachtet wäre, gäbe es auch mehr Piloten, die dann wiederum für geringere Preise im System sorgen würden, was wiederum mehr Leuten das Fliegen ermöglicht. Grade vor kurzem erreichte mich die Nachricht, dass eine Freundin von mir die PPL Ausbildung nach 2 erfolglosen Jahren gesteckt hat. Sie ist Absolventin der Cambridge University aber schafft keinen deutschen Pilotenschein neben ihren beruflichen und familiären Aufgaben. Ganz ehrlich: das gibt's doch gar nicht.

Ein anderer Freund von mir ist auch seit fast 2 Jahren dran. Er schafft es grade so, sich immer mal wieder Auszeiten zu nehmen und dann am Stück mehrere Tage nichts anderes als Fliegen zu machen. Auch schon seit fast 2 Jahren. Immer noch kein Schein.

Ein Ausbildungssystem, das diesen beiden hochintelligenten Menschen, die ansonsten in ihrem Leben alles zu erreichen scheinen, nicht zu einem simplen Wald- und Wiesen PPL verhilft, hat den Namen "Ausbildungssystem" nicht verdient. Vom IFR will ich ja gar nicht erst reden: der Aufwand hierfür ist so absurd, dass es einem verständigen Beobachter die Tränen in die Augen treibt.

Und daran krankt es. In Italien wie in Deutschland. Wir müssen nicht die Plätze schliessen, sondern die Kosten der Plätze drücken. Und das ginge ganz einfach, wenn wir den Wichtigheimern in den Ämtern klar machen würden, dass Ihre Sicherheitsüberlegungen für den Arsch sind und sie nichts anderes tun, als die Luftfahrt abwürgen.

Danach können wir auch gerne um LAPIs kämpfen. ;) ach, das war in einem anderen Thread.

31. August 2012: Von Achim H. an Thore L.
Ein Bekannter aus Kalifornien erzählte mir, dass notwendige, ungeplante, Reparaturen an seinem Flugplatz (kommunal wie fast alle in USA) finanziert wurden, indem der bereits beschlossene Ausbau eines Kindergartens verschoben wurde.

Ich glaube da bräuchte es bei uns etwas mehr als nur geringere Kosten, um die amerikanische Einstellung zum Fliegen zu etablieren.
31. August 2012: Von Matthias Dr.Katz an Thore L.

Thore spricht mir aus der Seele. Seine Feststellungen beobachte ich auch seit Jahrzehnten. Ich versuche immer wieder high performer der nächsten Generation für die Fliegerei zu begeistern. Die erwischt in Europa bei der Ausbildung aber immer der volle Frust.

1. September 2012: Von Thore L. an Matthias Dr.Katz
Und, Matthias, das ist auch ein bisschen meine Geschichte. Ich habe auch fast 2 Jahre in Deutschland den PPL zu machen versucht, und habe das einfach nicht hinbekommen. Dann 3 Wochen USA und der Schein war da. Den habe ich dann nach ein paar Monaten in einen deutschen PPL umgeschrieben (war nicht schwer), und habe dann das deutsche IFR versucht. Da habe ich dann entnervt aufgehört, als man mir den Unterschied zwischen dem Hauptabschluss- und dem Nebenabschlussgenerator zu erklären versuchte. Also wieder rüber in die USA, 6 Wochen Training und Theorie, und der Schein war da.

Das war 2002. Seitdem mache ich hier unauffällig im europäischen Luftraum mit.

Und nun? Nun verbietet man mir ohne deutsches IFR hier weiter zu fliegen. Nach 1500 Flugstunden, gut 400 davon IFR in der EU, ohne besondere Vorkomnisse.

Dabei: ich fliege immer wieder mit deutschen IFR Piloten und raufe mir da manchmal die Haare. Da werden Funksprüche massenweise falsch zurück gelesen, die clearance für falsche Runways bestätigt, Powersettings vernachlässigt, simpelste Anweisungen nicht befolgt, dem Flieger hinterhergeflogen... Unfassbar... Und in das System soll ich rein?

Ganz ehrlich: wenn da nicht ein sehr einfacher Umschreibeprozess für meinen CPL/IR kommt, geht das Pilotendasein für mich in Europa zu Ende. Zumindest einen EASA PPL/IR will ich ohne großen Aufwand haben. Es reicht mir schon, dass ich mit Grasplatzfürsten über "Öffnungszeiten" streite, wenn dann die Herren vom WLBA auch noch Ihren Verwaltungsgeist ausleben, bin ich draussen.

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