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Das neue Heft erscheint am 22. Dezember
Die Allgemeine Luftfahrt und das schlechte Gewissen
International fliegen in COVID-Zeiten
Ausflug an die Alpensüdseite - Locarno (LSZL)
Mit dem Elektroflugmoped zum Bäcker?
Unfallstatistiken und Risiken in der Luftfahrt
Unfall: Alle Sicherheitssysteme gerissen
Engagierter Journalismus aus Sicht des eigenen Cockpits
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Tag 10 - Die Atacama-Wüste
Einträge im Logbuch: 25
Traumhaft schöner Flug über den Titicaca-See nach Puno
 
24. Februar 2007 Jan Brill

Leserreise: Explorationsflug 07


Tag 11 - Anspruchsvoller Flug nach La Paz

Haben Sie schon einmal in 15.000 ft nach dem Glideslope-Intercept das Fahrwerk zur Landung ausgefahren? Nein? Wer La Paz in Bolivien anfliegt, der kann sich auf einige Premieren gefasst machen. Der 13.313 ft hoch gelegene Verkehrsflugflughafen hat so manche Besonderheiten zu bieten. Wir flogen heute ins Hochland der Anden und haben dabei einiges gelernt...


Überflug in 22.000 ft bei durchwachsenem Wetter
Zunächst einmal ein ganz dickes Memo für die Leserreise im Oktober: Wenn man über die Anden fliegt und einen der Flughäfen im Hochland, also weit jenseits 10.000 ft ansteuert, dann sollte man dies morgens tun. Früh morgens und ganz sicher nicht am Nachmittag. Denn am Nachmittag stehen Regenwolken und ausgewachsene Gewitter über dem Hauptkamm. Diese sind zwar schön anzusehen und sorgen im nördlichen Teil der Atacama-Wüste für jene einzigartige Mischung aus Wüsten und Oasen-Landschaft, zum fliegen eignet sich diese Wetterlage aber ganz und gar nicht. Vielleicht etwas übermütig geworden, durch das außerordentliche Glück, dass wir bislang sowohl mit dem Wetter, wie mit der Logistik hatten, haben wir uns diesen Tag mit Terminen vollgepackt. In San Pedro de Atacama haben wir mehrere Hotels besichtigt und einen langen und produktiven Termin mit dem Management des explora-Atacama wahrgenomen. Die Folge: Erst gegen 12.00 Uhr brachen wir in SCPE auf und flogen erstmal nach Iquique (SCDA), wo wir noch einen Tankstopp einlegten. Grund: Die Versorgung mit AVGAS in La Paz war unklar - eine unbegründete Sorge wie sich später herausstellen sollte. Erst gegen 14.00 Uhr lokal verliessen wir das überaus gastfreundliche und fliegerisch angenehme Chile auf dem Weg in Richtung Bolivien.

Sehr nützlich: VisionAir mit Airway- und Terrain-Layer
Viel zu spät, wie sich herausstellen sollte. Der Hauptkamm der Anden war bereits mit Gewittern und dicken Regenwolken verhangen. Auf dem vorgesehenen Airway war an ein Durchkommen nicht zu denken. Wir mussten umplanen - das allerdings in hohem Gelände. Zuerst einmal stiegen wir "off-Airway" auf 22.000 ft. Bei -7°C (ISA+25!!) für die beiden TIO-320 der Twin Comanche nicht unbedingt einfach, aber machbar. Dann galt es in Absprache mit der sehr hilfsbereiten chilenischen ATC einen Weg über die Anden zu finden, der uns sowohl von dem Gelände, wie auch von den CBs und natürlich dem Icing der Regenwolken fern hielt (mit einem Problem allein wäre die Sache ja zu easy). Wertvolles Hilfsmittel dabei: Das VisionAir von Moving Terrain. Sowohl Navigation (weltweiter Airway-Layer), wie Terrain (absolut und relativ) sowie Stormscope-Information zeigt das MFD übersichtlich und auf einen Blick an. Für die taktische Fliegerei mit derartigen Erschwernissen ein äußerst nützliches Hilfsmittel. Der Überflug über die Anden ins Hochland von La Paz gelang - safe, war aber ein hartes Stück IFR-Handwerk. Endlich, am Wegpunkt VADUR, konnten wir schliesslich auf die MEA von 18.000 ft sinken und hatten das Problem des Eises damit vom Hals. Lessons learned

Traumhaft - Endanflug nach La Paz in 13.000 ft
Lessons learned: Wenn wir uns entscheiden der Gruppe einen Stopp in La Paz anzubieten, dann muss vom Reiseplan her der Flug dorthin so angelegt sein, dass er in den frühen Morgenstunden erfolgen kann. Alles andere ist Krampf. La Paz selbst war dann eine positive Überraschung. Der Anflug ist schlichtweg atemberaubend. Mit dem Titicaca-See zur linken und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund wird der Intermediate-Approach zwischen 18.000 und 15.000 ft abgewickelt. Aufsetzen dann bei 13.000 ft! Zum ersten Mal legen wir die Atemgeräte erst nach der Landung ab!! Weiterer Lerneffekt: In 13.000 ft liegt die Mindestdrehzahl im Ground- Idle der beiden TIO-320 bei gut 1.400 RPM. Als ich bei der Landung die beiden Throttles wie gewohnt schliesse stellt der rechte Motor sofort ab, als nach dem Aufsetzen die Geschwindigkeit unter 40 Knoten sinkt. Peinlich, peinlich, aber wir können aber mit dem linken Triebwerk weiterrollen und den rechten Motor noch auf der Bahn wieder anlassen. Höhe, Dampfblasen und die Temperatur von immerhin 25 Grad Celsius in 13.000 ft bringen die Technik in den Grenzbereich. Es dauert ein paar Minuten bis ich mich am Boden an die neuen Spielregeln im Umgang mit dem Throttle gewöhnt habe.

Noch 18 Inch Ladedruck am Boden in SLLP!
Ebenfalls positiv: Der Empfang. Freundlich werden wir begrüßt, es kann sofort getankt werden, der Liter Avgas von AirBP kostet hier traumhafte 0,55 US-Cent!! Keine beginnende Höhenkrankheit, der Sprit ist extrem günstig, unsere Sorge betreffend der Avgas-Versorgung und des Preises war vollkommen unbegründet. Zoll und Einreise sind innerhalb von Minuten erledigt. Wir schnaufen ein wenig angesichts der großen Höhe (unsere Atemgeräte können wir ja leider nicht mitnehmen!), werden aber von den Mitarbeitern des Flughafens wirklich vorbildlich unterstützt. Die Taxifahrt in die Stadt ist dann eine Attraktion für sich: Vom Stadtteil "El Alto", in dem der Flughafen liegt, geht es steile Serpentinen abwärts ins eigentliche La Paz. Der erste Blick auf den Talkessel ist absolut spektakulär. Die darauffolgende Taxifahrt ebenfalls - in jeder Hinsicht!

Blick auf die Stadt La Paz von El Alto aus
Wenig später finden wir uns im Radisson bei bestem Essen und einem traumhaften Blick über die Stadt wieder. Bisher ist La Paz eine positive Erfahrung. Fliegerisch ist El Alto (SLLP) anspruchsvoll aber machbar, jedenfalls wenn man den Flug auf passende Wetterbedingungen früh am Morgen legt. Morgen folgt ein kurzer VFR-Flüg über den Titicaca-See nach Puno (Juliaca, SPJL) in Peru.


  
 
 





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