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Tag 11 - Anspruchsvoller Flug nach La Paz
Einträge im Logbuch: 25
Fotostrecke - Am Titicaca-See
 
25. Februar 2007 Jan Brill

Leserreise: Explorationsflug 07


Traumhaft schöner Flug über den Titicaca-See nach Puno

Der 12. Tag des Explorationsfluges begann mit harter Arbeit für das Redaktionsflugzeug. Nach problemloser Abfertigung in La Paz (unsere Befürchtungen bezüglich Bolivien waren wirklich komplett unbegründet, rund $60 Gebühren und freundliche Hilfe von allen Seiten in SLLP!), nahmen wir den kurzen aber interessanten Flug quer über den Titicaca- See nach Puno in Peru in Angriff. Dichtehöhe in La Paz: 15.100 ft (13.100 ft Druckhöhe, 9°C und ein QNH von 30.36 inchHG *). Unter diesen Bedingungen musste ein Takeoff beim maximalen Abfluggewicht von 1.690 kg erledigt werden. Die erste Frage war: Würden die beiden IO320 bei rund 15.000 ft überhaupt anspringen?


Takeoff in La Paz bei 15.100 ft Dichtehöhe!
Die Antwort lautet: ja! Als wäre es nichts besonderes springen die beiden Triebwerke der Twin Comanche klaglos an. Dann gilt es nach den gestrigen Erfahrungen eine schonende Ground-Idle- Position (Leerlaufstellung) zu finden. Die Mixtures liegen dabei fast auf cut-off. Unser Flugplan ist VFR, was im AIS-Büro für einige Rückfragen gesorgt hat, grundsätzlich ist ein VFR-Flug über den Titicaca-See nach Puno aber kein Problem. Zu den 15.100 ft Dichtehöhe kommen noch 5 Knoten Rückenwind (110° mit 5 KTS), da La Paz Tower die Startrichtung 10 in Richtung auf die Stadt nur bei extremem Ostwind freigibt. Auf der Habenseite: 4.000 Meter Startbahn und einen hindernisfreien Abflugsektor. Die Startstreckenberechnung sagt, dass wir unter diesen Bedingungen nach rund 700 Metern Rollstrecke in der Luft sein müssten (Flaps 15°). Genau kann man das nicht sagen, da Piper jenseits 12.000 Fuss keine Performanceangaben für den Takeoff mehr macht, mit Hilfe der Leistungskurve für die beiden Rajay-turbonormalisierten IO-320 und etwas Rechnerei, lassen sich die Werte aber auf 15.000 ft interpolieren.

Farbenspiel aus blau, grün und braun - der Titicaca-See
Etwas hakelig ist dabei die Bedienung der manuellen Wastegates, mit denen sich die Leistung nur grob einstellen lässt. Mit zunehmender RAM-Pressure im Startlauf nimmt auch der Ladedruck zu, es muss eventuell also - ähnlich wie bei einer Turbine - nachgeregelt werden um die Maximalwerte (hier 29.5 inch MP) nicht zu überschreiten. Also aufrollen auf die Startbahn, Runway-Markierungen für den berechneten Abhebepunkt rekapitulieren, Abbruchpunkte wiederholen, Takeoff-Briefing (viele viele "non-Standard" Items!) Leistung setzen, und los geht's. Um es kurz zu machen: Alles wie berechnet! Easy ist die voll beladene PA30 nach knapp 650 Metern in der Luft und beginnt nach Gear-up und Flaps-up einen passablen Steigflug von rund 700 fpm bei 115 KIAS (mit Rücksicht auf die Zylinderköpfe). Noch vor dem Ende der Flughafenbegrenzung können wir den freigegebenen "right-turn out on course" einleiten un fliegen das La Paz VOR auf dem Radial 325 outbound in Richtung Titicaca-See. La Paz Control, die uns gestern als IFR-Flug wirklich vorbildlich bedient haben, weiss heute leider überhaupt nicht was man mit dem ungewohnten VFR-Flug anfangen soll, man weist uns Höhen zu, die wir wegen Wolken nicht halten können und ist ansonsten wohl froh als wir endlich außer VHF-Reichweite sind.

In 15.500 ft nur knapp über der Wasseroberfläche.
Der Flug quer über den rund 12.000 ft hoch gelegenen Binnensee mitten im Gebirge ist derweil ein absoluter fliegerischer Leckerbissen! Zwischen 14.500 und 15.500 ft überfliegen wir den in allen Variationen schimmernden See, betrachten die malerischen Ufer und erfreuen uns - wie selten beim Fliegen - an dem prächtigen Farbenspiel und den ständig wechselnden Lichtverhältnissen. Der Flug selbst dauert gerade einmal 40 Minuten. Ein Hochgenuss, von dem wir hoffen ihn logistisch auch für die Leserreise im Oktober möglich machen zu können. Wir landen in Juliaca Puno (SPJL), immerhin auch noch 12.552 ft hoch gelegen. Diesmal gelingt das Triebwerksmanagement bei der Landung ohne Probleme, wir werden freundlich in Empfang genommen und erfahren wohl das erste private Flugzeug auf diesem Flughafen zu sein. Es folgt: Schwerstarbeit für die Piloten

Inka Manco Capac wacht über den Flughafen Juliaca
Nun allerdings sind wir dran mit arbeiten! Juliaca ist zwar ein Airport of Entry, aber ohne Grenzpolizeistation. Die angekommenen Fluggäste müssen in den 30 km entfernten Ort Puno fahren und sich dort bei der "Immigracion" melden. So machen wir's auch, allerdings ohne Erfolg. Am Samstag ist die Station der Grenzpolizei fest verschlossen. Außer ein paar ahnungslosen Wachmännern, die zwar sehr freundlich aber leider auch sehr machtlos sind, ist niemand zu sehen. Was tun? Einfach ignorieren und ohne Einreisestempel in Peru herumgeistern ist deutlich zu riskant. Zuerst einmal melden wir uns mit unserem Problem bei der lokalen Polizei (Policia Nacional). Dort ist man ebenfalls sehr nett, aber mindestens so hilflos wie wir. Es folgt die Resignation und die Fahrt ins Hotel. Dort immerhin kann der Hotelmanager mittels persönlicher Kontakte zum Chef der Immigracion unsere Pässe abstempeln lassen. Das wäre also erledigt. Für die Gruppe im Oktober muss das natürlich besser laufen - und tatsächlich, unser Hotelmanager stellt dank persönlicher Kontakte eine "Immigracion" direkt in der Hotelhalle für die Leserreise im Oktober in Aussicht. Das ganze läuft eindeutig über den kurzen Dienstweg, soll uns aber recht sein.

Traumblick aus dem Hotelfenster über den Titicaca-See
Belohnt werden wir mit einem einmaligen Ausblick aus dem Hotel Liberator direkt am Ufer es Titicaca-Sees. Die 5-Sterne-Anlage, die wir auch für die Gruppe im Oktober vorgemerkt haben, liegt auf einer kleinen Insel am Südufer des Sees, inmitten der historischen Stätten, die nach der Überlieferung den Ursprung der Inka-Kultur bedeuten. Die Atmosphäre ist wunderbar, wie schon auf dem Flug von La Paz nach Juliaca verzaubert die Gegend durch die ungewöhnlichen Licht- und Fabrbenspiele aus grün, braun und blau. Zweifellos eine mühevolle Anreise hier in das Hochland der Anden, aber auch eine die sich ganz bestimmt lohnt. ###-MYBR-### * PS: Unsere alte sonnenbeschienene OAT-Gauge hat gestern im Stand mit 24° C eine deutlich zu hohe Temperatur angezeigt. Die Auswertung der Triebwerks-Datenaufzeichnung des EDM-760 ergab eine Lufttemperatur von 9°C beim Start. Daher eine leichte Korrektur in den Werten für die Dichtehöhe gegenüber der ersten Veröffentlichung des Berichts.


  
 
 





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