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15. Dezember 2009 Jan Brill

Infrastruktur: Berliner Flughaefen auf Konfrontationskurs


Schönefeld: Neue Entgeltordnung vorerst nicht genehmigt

Mit forschen Tönen hatte der Flughafen Berlin Schönefeld in den letzten Wochen Stimmung gegen die von ihm so bezeichneten „Hobbyflieger“ gemacht. Fachlich etwas dünn geratene Artikel zu Pannenmaschinen wurden in der willfährigen Presse platziert, und Hobbyflieger ebenso allgemein wie grundlos für Verspätungen am baustellengeplagten zukünftigen Großflughafen verantwortlich gemacht.
Es blieb jedoch nicht bei markigen Worten: Mit einer neuen Entgeltordnung sollte insbesondere der nichtgewerbliche Flugbetrieb aus BBI weggeekelt werden – Pilot und Flugzeug berichtete in Ausgabe 2009/11 und 2009/12. Es regte sich massiver Protest in der GA und auch die IHK Berlin intervenierte. Ergebnis: Der neuen Entgeltordnung wurde vorerst vom zuständigen Brandenburger Infrastrukturministerium die Genehmigung verweigert.



Berliner Flughafenpolitik: Tempelhof übereilt zumachen, dann die Allgemeine Luftfahrt aus Schönefeld rausekeln.
Diese kleine Panne auf dem Weg zur schönen neuen Flughafenwelt hindert die FBS jedoch nicht daran, weiter auf den Putz zu hauen. Nachdem Pressesprecher Ralf Kunkel Anfang November mit seinen – fachlich leider unrichtigen – Ausführungen zur angeblich durch „Hobbyflieger“ nicht so recht beherrschten Seitenwindlandung selber etwas von der Piste abkam, wagte sich nun Sprecher Leif Erichsen hervor und bezeichnete in der Berliner Morgenpost Pläne, die Geschäftsfliegerei aus BBI zu verdrängen, als „groben Unfug“ und fügte hinzu: „Was wir nicht wollen, sind die Hobbyflieger.“

Dummerweise scheint man sich in BBI jedoch in den Kopf gesetzt zu haben, dass alles, was leichter als zwei Tonnen ist, irgendwie dem Hobby-Segment zuzuordnen wäre. Pilot und Flugzeug liegen zahlreiche kürzlich durch den Flughafenbetreiber ausgesprochene Hallenplatz-Kündigungen vor, allesamt für Flugzeuge unter zwei Tonnen, allesamt für Flugzeuge, die von Unternehmern als klassische Business-Tools eingesetzt werden: Mooney, Cirrus, PA46 etc.

Erichsen sollte es eigentlich besser wissen, denn als ehemaliger Sprecher der ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) sollte er mit der real existierenden Business-Aviation schonmal in Kontakt gekommen sein und wissen, dass eine Trennung nach Gewicht ungefähr so sinnhaft ist wie eine Aufteilung von PKW nach Farbe.


Kommentar: Nicht aufs Glatteis führen lassen!


Leif Erichsen wechselte im September vom ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) zum Schönefeld-Betreiber FBS. In seiner Funktion als Pressesprecher fand er markige Worte für seine zukünftigen Kunden: 'Wir wollen eine starke Business Aviation. Was wir nicht wollen, sind die Hobbyflieger.'
© ADV 
Die Bürger, die Beobachter dieser Auseinandersetzung und die Brandenburger Genehmigungsbehörde sollten sich aber durch die Frage, was ist „Business“ und was ist „Hobby“, nicht auf’s Glatteis führen lassen. Ein Flughafen ist eine öffentliche Verkehrsanlage. Im Fall von BBI wird er massiv durch Steuergelder bezuschusst. Die Frage, wer ihn wann nutzen darf, hängt definitiv nicht damit zusammen, ob der Flug nun einem geschäftlichen Termin oder einem Verwandtschaftsbesuch gilt.

Durch das von der FBS angezettelte Hickhack, wer nun in den Hobbykeller muss und wer sich zur Businessclass zählen darf, wird die Diskussionsgrundlage verschoben. Es wird dadurch schon vorausgesetzt, dass private Flüge in BBI ohnehin nichts verloren haben, es geht also nur noch um die Frage, wer ist Business und wer ist privat.

Damit muss die Diskussion zwangsläufig ins Idiotische abgleiten, denn eine solche Unterscheidung geht zunächst einmal niemanden etwas an und ist darüber hinaus auch praktisch gar nicht zu machen, es sei denn, die FBS würde für jeden Flug eine Zweckerklärung (am besten an Eides Statt) fordern, ließe diese stichprobenartig nachprüfen und bei Falsch-Deklarierungen strafrechtlich verfolgen.

Also liebe FBS: Bitte merken und gegebenenfalls aufschreiben:
  1. Nicht alle Geschäftsleute fliegen Businessjet.

  2. Besonders mittelständische Unternehmer, die kostenbewusst sind und ihre Reisekosten nicht auf die Shareholder abwälzen können, fliegen oft Flugzeuge, die irgendwie verdächtig nach „Cessna“ aussehen.

  3. Auch Nicht-Unternehmer oder Unternehmer, die gerade nichts unternehmen, sind Menschen, zahlen Steuern, finanzieren damit Eure Bauwut und haben möglicherweise ein berechtigtes Interesse, in die Bundeshauptstadt zu gelangen.

  4. Kein Mensch kommt nach BBI, wenn er nicht muss. Euer Flughafen ist unter Service-Gesichtspunkten und in punkto Verkehrsanbindung eine komplette Katastrophe. Niemand kommt freiwillig zu Euch. BBI und Tegel sind aber die einzigen IFR (= Schlechtwetter) Flugplätze in Stadtnähe. Also einfach eine brauchbare Alternative schaffen (z.B. in Schönhagen endlich die IFR-Verfahren genehmigen und die Betriebszeiten ausdehnen) und schon seid Ihr die nervigen Individualisten ganz von alleine los.


  
 




15. Dezember 2009: Von Max Sutter an Jan Brill
Und das meint das BAZL zum Thema. Halt mit dem Hintergrund der Dienstleistung, nicht der Obrigkeitsausübung ... Wie lange müssen wir in Deutschland noch warten, bis die Behörden (vor allem die von München und Berlin) endlich auch solche Töne anschlagen?
15. Dezember 2009: Von  an Max Sutter
dann sollte man das auf hochglanzpapier drucken und an alle luftämter, landesregierungen und die bundesregierung schicken!

vielleicht hilfts was!

mfg
ingo fuhrmeister
20. Dezember 2009: Von Manfred Helmholz an Jan Brill
Hallo Herr Brill,

es ist unglaublich was da in unserer Hauptstadt passiert. Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen sollte in Deutschland doch eigentlich der Vergangenheit angehören. Das ist genau so als wenn man Personen ab 65 von Hauptbahnhöfen verdammen würde mit der Begründung sie steigen aufgrund ihrer Altersgebrechen zu langsam in den Intercity ein und halten deshalb den Verkehr auf.

Ich zahle reichlich Steuern in diesem Land und erwarte, dass ich die Infrastruktur, die davon errichtet wird als Bürger dieses Landes dann auch benutzen darf. Ich kann ja nur von Glück reden dass ich seit kurzem in die über 2 Tonnen Klasse aufgestiegen bin, auf kurzen Strecken benutze ich aus Kostengründen aber immer noch die TB20 wenn das Wetter light IFR zulässt. Als mittelständischer Unternehmer handle ich nämlich Kostenbewusst, denn bei mir gibt’s keinen Nachtragshaushalt wenn das Geld alle ist.

Natürlich versuche ich Flughäfen zu meiden, die einen mit Airportslots, überhöhten Gebühren und ihrem übertriebenen Sicherheitswahn das Leben schwer machen, aber manchmal geht es eben nicht anders. Hätten sie Tempelhof nicht geschlossen wäre kein normal denkender Pilot der Kleinfliegerei auf die Idee gekommen für einen Berlinbesuch stattdessen BBI zu benutzen, von dem man längere Zeit bis in die Innenstadt braucht, als der Flug dorthin gedauert hat.

Schönhagen ist von der Verkehrsanbindung auch nicht der Hit, ein IFR Verfahren dort würde jedoch zumindest eine Alternative bieten Herrn Erichsen und seinem BBI zu entkommen.

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