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Unerwarteter Aufenthalt in New York
Einträge im Logbuch: 25
Anstrengender Flug über den Nordatlantik
 
9. März 2007 Jan Brill

Leserreise: Explorationsflug 07


Drei Tage im kleinen Horrorladen

Wir sind endlich wieder in der Luft und auf den letzten 3.500 NM nach Straubing! Hinter uns liegen drei Tage im kleinen Horrorladen von Maryland. Ein an sich gut beleumundeter Wartungsbetrieb in Frederick hätte uns fast den letzten Nerv geraubt. Fliegen Sie NICHT nach KFDK - außer - Sie haben viel Zeit, und noch mehr Geld dabei! Aber zu den Einzelheiten: Letzer Stand - am Freiag Abend landen wir in Frederick. Schon Tage vorher wissen wir: Wir haben einen kränkelnden Alternator auf der linken Seite. Ein stärker werdendes Singen im Headset mit anschliessenden Spannungsspitzen und Overvoltage kündigt das baldge Ableben von Gleichrichterdioden oder Regler an. Kein Problem - wir fliegen ja durch die USA! Schon von Santiago aus besprechen wir mit dem Hersteller InterAv die möglichen Fehlermodi. Beim Hersteller ist man der Meinung der Regler sei schuld, also ordern wir einen neuen Regler nach Frederick, um diese nicht allzu dringende Reperatur dort bequem auf dem Rückweg ausführen zu lassen.


Nicht nur das Wetter ist trostlos in KFDK.
Auf dem Weg von Florida nach Frederick wird dann aus dem Verdacht ein Problem: Der Alternator versagte endgültig seinen Dienst. Kein Problem, wir hatten ja die Teile in Frederick - oder? Nunja - wir haben nicht mit der "Shop Policy" gerechnet. Denn wir erfahren auf die gröbstmögliche Art und Weise, dass man bei Frederick- Aviation keine "Owner Supplied Parts" installieren würde - falls doch, so müsse man einen 15%-Aufschlag auf den Listenpreis des Teils berechnen. Ohne wirkliche Alternative erkläre ich mich einverstanden und bekomme, als ich versuche dem Chef und Oberschrauber Bob P. zu erklären was genau das Problem sei, noch zu hören, dass meine Informationen weder "erwünscht noch nötig" seien. Man betreibe keinen "Saturday Hobby Shop", sondern eine FAA-Repair-Station und würde im Übrigen den Halter auch nicht assistieren lassen - ebenfalls "Shop Policy". Diese "Shop Policy" sollte uns noch intensiv beschäftigen - aber dazu später mehr.

Zuerst einmal wird unser Gretchen am Freitagabend in die Werkstatt geschoben. Es passiert, was häufiger passiert. Auf der Suche nach einem kleineren Problem findet man ein größeres. Flecken auf dem Hallenboden zeigen deutlich: Die Kraftstoffpumpe ist etwas undicht und über die Overboard-Drain-Line tropft Sprit und Öl. Klare Sache, das muss vor dem Flug über den Atlantik gemacht werden.

Netterweise schiebt am Samstag ein sehr kundiger und freundlicher Techniker bezahlte Überstunden und baut die Pumpe aus (Regler kann warten). Kein Wort mehr von "Shop Policy". Der Mann ist nett, kompetent und scheint sich um das Gepolter seines Chefs Bob P. nicht wirklich zu scheeren.
Zwei Stunden später sehen wir was zu vermuten war: der Simmering der Pumpenwelle ist undicht. Samstags ist keine neue Pumpe zu beschaffen, die defekte Romec-Pumpe muss am Montag bestellt oder repariert werden. Wir sind ein wenig verärgert darüber, dass das Teil nach gerade einmal 300 Stunden schlapp macht, also wenden wir uns an den Lieferanten der Pumpe, D&G Supply. Dort ist man am Montag ebenfalls der Meinung, die Pumpe hätte noch ein paar Jährchen vor sich und bestätigt, dass es sich nur um den einfachen Simmering handelt.

Der erste Tag Verzögerung für die "Shop Policy"

Da man keine Austausch-Pumpe vorrätig hat empfiehlt D&G einfach einen neuen Simmering nach Frederick zu schicken. Aber da kommt die "Shop Policy"! Aus irgend einem Grund möchte man die Pumpe nicht reparieren - nichtmal am Händchen des Herstellers D&G -, man sei dafür nicht "qualifiziert". Aha.
Es folgen viele Telefonate zwischen D&G und Frederick. Der zuständige Techniker von D&G kann sich vor Lachen fast nicht mehr halten. Es handele sich nicht um einen "Pump Overhaul" beteutert er immer wieder, es sei ein einfaches "seal replacement". Das ganze hat etwa die Komplexität eines Fahrradreifenwechsels. Aber Bob P. bleibt hart. Man besteht darauf die Pumpe wegzuschicken. Ein weiterer voller Tag Verzögerung sowie rund 140 US-Dollar Frachtkosten (2x Overnight und zurück) bleiben an uns hängen. Das nenne ich kundenorientiertes Arbeiten!


Inzwischen wird ebenfalls klar: Der Austausch des Reglers hat das Alternator-Problem nicht gelöst. Das Teil zickt immer noch. Was tun? Ich empfehle am Mittwoch-Morgen nun bitte den Alternator zu tauschen. Dieser ist in Frederick sogar vorrätig, die Cowling ist unten, das ganze wäre eine Sache von 30 Minuten.

Noch ein Tag für die "Shop Policy"

Nun aber läuft Bob P. zu Hochform auf: "Nein, nein, ausgeschlossen. das sei nicht der Alternator, das sei eine Überpringspannung im Overvoltage-Relais, oder vielleicht irgendwo ein Kriechstrom in der Verkabelung, aber sicher nicht der Alternator selbst." Mehrmals telefoniert er und ein anderer Techniker mit dem Hersteller InterAv. Auch dort kommt man mit immer neuen Erklärungen, aber der Alternator selbst, der könne es nicht sein.

Die Diskussion wird hitzig. Schliesslich lasse ich mich breit schlagen und die Fehlersuche begint. Einen ganzen Tag ist man dabei zu messen zu probieren, wieder mit InterAv zu telefonieren und Kabel zu überbrücken oder zu erneuern. Alles wird getauscht, probiert und gemacht, bis auf den Alternator selbst. Am Ende stehen viele Arbeitsstunden, ein verlorener Tag und jede Menge ratloser Gesichter, denn den Fehler, den hat man nicht gefunden.

Nun bestehe ich darauf: Der Alternator wird getauscht. Es ist lächerlich! Ich habe einen klaren Grund für meine Feststellung, denn das erste Zeichen von Ärger war ein Singen im Intercom und das ist ein totsicheres Indiz für eine problematische Gleichrichterdiode. Aber selbst am Mittwoch-Abend beharrt Bob P.: Der Alternator kann's nicht sein. "Einen Test, nur einen weiteren Test" möchte er am Donnerstag durchführen. In der Zwischenzeit ist die Pumpe lange eingebaut, das Flugzeug eigentlich "ready to go".


Ausflug ins Air-and-Space Museum in D.C.
Also gut - noch ein verdammter Test, wenn er nicht länger dauert als eine Stunde. Am Donnerstag morgen ist man konsterniert als ich erscheine. Der Test funktioniert nicht. Man wollte den Field-Wire überbrücken. Leider tut die Überbrückung nicht. Ratlos stehen zwei Mechaniker vor der Twin-Comanche ($..$..$..$). Ein Blick und das Problem steht fest: Man hat den die Field-Wire-Überbrückung leider am Sense-Terminal des Alternators angeschlossen. Ooops. Gott sei Dank ist nichts verschmort, ich weise höflich auf die kleine Diskrepanz hin (ich weiss ja, meine "Assistance" ist nicht gefragt und nicht gewünscht), und der Test kann anlaufen. Ergebnis wie erwartet: Problem ist immer noch da!

Jetzt endlich, endlich wird auf mein Insitieren hin der Alternator getauscht. Ergebnis: ALLES PRIMA! Funktioniert. Problem ist beseitigt. Ich habe das dringende Bedürfnis jemanden zu erwürgen. Nix wie weg hier! Die Rechnung ist wie erwartet: Alle Stunden der sin- und hirnlosen Fehlersuche wurden voll berechnet. Ich explodiere (innerlich) und weise ganz ruhig und höflich Mr. P. darauf hin, dass ich die Berechnung der Fehlersuche, die gegen meinen Willen und gegen meinen Rat erfolgt ist, nicht ganz nachvollziehen kann.

Das Ergebnis ist erwartungsgemäß. Mr. P. schreit durch die ganze Halle "the airplane doesn't move until the bill is paid." Unser Flugzeug ist gerade zur Geisel eines Cholerikers geworden. Jetzt redet er sich in Rage - er habe wegen mir 4 Kunden warten lassen (glaube ich nicht, denn Mechaniker waren die ganzen Tage über unbeschäftigt und beim aufräumen oder Werkzeug-einordnen), er habe alles für mich getan und nun denke er gar nicht daran die Arbeitsstunden zu überdenken.

Die schon seit dem Erstkontakt unübersehbare Unfreundlichkeit und sogar Unhöflichkeit schlägt nun in grobe Unverschämtheit um. Der Mann ist außer sich. Leider hat all das, was er mir nun an den Kopf wirft nichts, aber auch gar nichts mit dem Problem zu tun: Dass wir nämlich einen Tag mit sinnloser Fehlersuche verplämpert haben (gegen meinen ausdrücklichen Wunsch) und dass ich nun für diesen Quatsch auch noch zahlen soll.

Ich kann meinen Standpunkt nur noch einmal ganz ruhig und langsam wiederholen. Dass ich mich äußerlich nicht aufrege bringt unseren Mr. P. noch mehr auf die Palme. Schliesslich stürmt er wutendbrannt in sein Büro, kommt mit einer leicht berichtigten (immernoch unverschämten) Rechnung wieder heraus und bellt mit ein "Thank You" ins Gesicht. Nix wie zahlen und raus hier!

Ergebnis: Ein sehr guter Techniker an der Kraftstoffpumpe, jedoch unter verherrendem Management. Lessons learnes: Wenn der Erstkontakt schon mies läuft, Finger weg!
Erst dem Owner schroff wissen zu lassen, dass man auf seinen Rat, seine Beobachrtung und seine Hilfe keinen Wert legt, und dann einen ganzem Tag zu verdaddeln mit einer sinnlosen Fehlersuche, das ist einfach unglaublich.

Ich hätte ja nichts dagegen gehabt, wenn man mir gesagt hätte: "Hey, wir haben keine Erfahrung mit dem InterAv-System, wir können es versuchen aber ohne Garantie." Das wäre okay gewesen, wir hätten den Alternator getauscht und die Sache wäre am Dienstag schon erledigt gewesen. Das Gehabe des Shops steht aber in keinem Verhältnis zum Ergebnis bei der Fehlersuche - von der geraezu sagenhaften Sturheit bei der Pumpenreperatur ganz zu schweigen.

Bob P. erwartet, dass der Pilot seine Flieger abliefert, die Klappe hält und für eine astronomische Fehlersuche eine ebensolche Rechnung zahlt. Halter-Input, Piloten-Informationen von jemandem der den Flieger in- und auswendig kennt, sind nicht gefragt. Gefragt ist dagegen klagloses Zahlen der sinnlos hohen Rechnung.

Auch in der Praxis stand das Gehabe des Shops in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Beim Alternator-Wechsel wurden die Schrauben und U- Scheiben einfach in den Lufteinlass des Turbos gelegt, ohne diesen mit einem Tuch oder Verschluss gegen Fremdkörper zu sichern. Eine U- Scheibe im Lader sorgt sicher für jede Menge Spass, vor allem über dem Nordatlantik. Eine Totsünde bei der PA30!

Fazit: Machen Sie bei der Leserreise einen großen Bogen um Frederick, jedenfalls wenn es um Wartung gehen sollte. Wir werden im Handout eine Liste mit Positverfahrungen veröffentlichen.

Ach ja - und funktioniert hat das Teil nach dieser 3.000 Dollar- Wartungsmaßnahme natürlich auch nicht. Kurz nach dem Start in Frederick mussten wir schon wieder landen. Der Propellerverstellhebel liess sich nicht mehr bewegen. Ein kundiger Mechaniker am Nachbarflugplatz stellt fest - igrendjemand muss bei den vielen Forschungsschaubereien den Endstab des Baudenzuges verbogen haben. Ooops - sorry...

Endlich unetrwegs

Schliessen wir aber nicht mit dieser Erfahrung. Nach einem Fuelstopp in Maine (KLEW, nahe Bangor) sind wir nun unterwegs nach St. Johns. Größer hätte der Kontrast kaum ausfallen können. Selbstverständlich stellt man uns bei -18° in KLEW einen Preheater hin, extrem freundlicher Service und faire Preise. Wenigstens ist unsere letzte Erfahrung in den USA für dieses Mal dann doch eine positive.


  
 
 





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