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20. Januar 2005 Redaktion

Flugbetrieb: Kontroverse unter den Gesellschaftern


AQUILA musste Insolvenz anmelden

Erhebliche Zahlungsrückstände bei den Löhnen für ihre 43 Beschäftigten zwangen die drei Geschäftsführer der „Aquila” Technische Entwicklungen GmbH zu Jahresbeginn die Insolvenz ihres Flugzeugwerkes anzumelden. Fremdunternehmen arbeiteten nur noch gegen Barkasse und Materiallieferanten verwiesen auf offene Rechnungen.

Am 12.01.2005 hat das Amtsgericht Potsdam den Rechtsanwalt Dr. Bruno Kübler zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Produktionsbetrieb hatte bereits vorher eingestellt werden müssen.

Über Pleiten von mittelständischen Luftfahrtunternehmen zu berichten, ist für ein Magazin der Allgemeinen Luftfahrt ein wenig angenehmes Geschäft. Doch kam das vorläufige Aus für den Hersteller des kleinen Zweisitzers „Aquila” A 210 zu diesem Zeitpunkt zwar überraschend. Unerwartet kam es nicht.

Denn: Die drei Flugzeugprojektanten Peter Grundhoff, Alfred Schmiderer und Markus Wagner waren im Brandenburger Wirtschaftsministerium und der Landesinvestitionsbank in der Vergangenheit immer gern gesehene Gesprächspartner. Und der Landrat des Kreises Teltow-Fläming, Peer Giesecke, machte die Ansiedlung eines Flugzeugwerks an „seinem” Flugplatz Schönhagen zu einem Akt persönlichen politischen Prestiges.

Die Landesregierung von Brandenburg rühmt sich unter Berufung auf Otto Lilienthal „die Wiege der Weltluftfahrt” zu sein. Das Land zwischen Elbe und Oder, Havelseen und Spreewald hat den Ehrgeiz, anzuknüpfen an die bedeutenden Industriewerke von Arado, Askanier, Bücker, Heinkel, Henschel oder Rumpler; Namen, die sich mit den Flugfeldern von Briest, Johannisthal, Oranienburg, Rangsdorf und Staaken verbinden.

Ein Opfer großzügig gewährter Fördergelder

Die Verlockung, die von politischen Ehrgeizlingen offerierten Fördergelder anzunehmen, war darum groß. Und die drei Geschäftsführer, beseelte Luft- und Raumfahrtingenieure von der Berliner Technischen Universität, brachten viel Sach- und Fachverstand in ihr junges Unternehmen ein, aber nur geringe betriebswirtschaftliche Erfahrungen.

Es hätte nicht sein müssen, für die noch nicht angelaufene Produktion als Erstes ein funkelnagelneues Produktionsgebäude mit Glasfront über zwei Ebenen zu bauen. Es war gewiß nicht nötig, mit Bezugsfertigkeit dieser Produktionsstätte Anfang 2001 die Belegschaft von 14 auf 27 zu verdoppeln und bis zum Ende auf über vierzig Personen aufzustocken.

Immerhin gab es viele Vorschusslorbeeren für das kleine Flugzeug der VLA-Klasse, seit der Prototyp 1999 auf der Aero in Friedrichshafen ausgestellt wurde. Auch Pilot und Flugzeug gab dem Newcomer aus Brandenburg anlässlich seiner Musterzulassung ermunternde Worte mit auf den Produktionsweg: „Abgehoben: AQUILA, der kleine Adler fliegt”, (s. Heft 01/2003!)

Insgesamt 28 Exemplare des innovativen, vollständig aus Faserverbundwerkstoffen hergestellten einmotorigen Flitzers wurden in den letzten drei Jahren produziert. Sie fliegen in Deutschland und in verschiedenen europäischen Ländern. Zu wenig bei so viel Personal.

Wie der Insolvenzverwalter Dr. Bruno Kübler der Redaktion von Pilot und Flugzeug in Berlin mitteilte, ist eine Wiederaufnahme des Betriebs nur möglich, wenn es gelinge, die Interessen der Geschäftsführung, der Mitarbeiter, der zehn Gesellschafter, Lieferanten und der Kunden unter einen Hut zu bringen. Es stehen derzeit auch keine Investoren bereit, die in das insolvente Unternehmen einsteigen wollen.

Sobald ein dahingehend schlüssiges Konzept vorliege, sei auch das Brandenburger Wirtschaftsministerium zu einer Unterstützung bereit, bekräftigte Ministeriumssprecher Steffen Kammradt gegenüber unserer Berliner Redaktion.

Die Parallele zu dem genau vor einem Jahr im Dezember 2003 in Neubrandenburg in die Insolvenz geratenen Ostmecklenburgischen Flugzeugbau GmbH (OMF) drängt sich auf. 60 Beschäftigte waren es da. Auch das Flugzeug, die OMF-„Symphonie”, in drei verschiedenen Varianten hatte sich am Markt gut eingeführt, und die Auftragsbücher waren auch in diesem Fall voll, als man vor Gericht die Zahlungsunfähigkeit erklären musste. (s. Pilot und Flugzeug 02/2004!).

Volle Auftragsbücher, aber zu lange Lieferfristen

Mit Aufträgen für 25 Maschinen im Gesamtwert von rund 3,5 Millionen Euro wäre die Jahresproduktion 2005 gesichert gewesen. Doch habe die Aquila schon länger unter Liquiditätsproblemen gelitten, hieß es bei der Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Teltow-Fläming. Darum war auch die wegen der großen Nachfrage geplante Verdoppelung der Produktionskapazität an den finanziellen Schwierigkeiten gescheitert. Schließlich wurden die Flugzeugproduzenten von Lieferanten nur noch gegen Vorkasse bedient.

So war es am Ende des letzten Jahres zu Differenzen zwischen den zehn Teilhabern gekommen. Eine Mehrheit der Anteilseigner hatte nicht noch mehr gutes Geld dem schlechten hinterher werfen wollen. Neben den drei Gründern besteht die Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter anderen noch aus einer Bank, einem Luftfahrtunternehmen, einer Vermögensverwaltung und privaten Investoren.

Der aktuelle Kapitalbedarf betrage rund eine Million Euro, hieß es. Die Mehrheit der Gesellschafter war jedoch zu keinem Kapitalnachschuss zu bewegen. Mit Aufträgen für 25 Maschinen im Gesamtwert von rund 3,5 Millionen Euro war die Jahresproduktion für 2005 eigentlich gesichert gewesen.

Wie bei OMF in Neubrandenburg wird es wohl zu einer Auffanggesellschaft kommen.

Joachim M. Adomatis
Lesen Sie unseren Bericht im Februarheft von Pilot und Flugzeug!


  
 
 




24. Januar 2005: Von Eustach Rundl an Redaktion
Liebe Freunde,

die Aquila-Pleite ist betrüblich. Aber ist es nicht so, dass die Pleiten in der Branchen sich wie ein Ei dem anderen gleichen? Wann lernt man endlich ganz simple Mathmatik:
Die Kapitalverzinsung ( neudeutsch return on equity) muss über der benchmark, vulgo dem " Zins ohne Angst" liegen, und das ist z.zt. die zehnjährige Bundanleihe mit 3,54%. Wenn das nicht so ist, versiegt augenblicklich der Kapitalstrom. Das ist die Basis. Wenn aber sogar über Jahre nur Verluste angehäuft werden, dann verliert auch der größte Idealist und die mutigste Bank die Nerven. Ab gesehen davon, dass die Banken wegen des immer dichter werdenden Regelwerkes kaum mehr Raum für Wagnis haben. Mehr verkaufen? JA! Ich habs hier schon mal geschrieben:
Wir haben in diesem Land etwa 300 Tsd Menschen mit einem liquiden Vermögen von über einer Mio €, man kann nun recherchieren, wieviel Menschen davon eine Pilotenlizenz haben und weiter wieviele davon bereit sein 125,--€ für ein flottes, schönes, aber letztlich doch sehr kleines Flugzeug auszugeben und auch noch ein Jahr darauf zu warten.
Was tun? Das ist schwer! Es muss gelingen ein E-Klasse-Flugzeug zu bauen, welches man weitestgehend nach den Prinzipien der Massenherstellung bauen und verkaufen kann.
Hunderte Vereine und Schulen würdne gerne ihr ollen C150 ersetzen, können aber kein Flugzeug in dieser Preisklasse kaufen, weil es die Schülerzahlen nicht hergeben. Weniger Schüler weniger Nachfrage usw...ein vicious circle.
Genau das gleiche Problem haben auch Segelflugvereine mit ihren alten Schulddoppelsitzern...
Schade. Mal sehen was mit HP-Alekto die nächsten Moante geschieht.

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