Gegen D Airspace habe ich gute Argumente, gegen gleichgültige, uninformierte Ignoranz fehlen mir tatsächlich gelegentlich die Werkzeuge.
Aber zur Sache:
„Thema Verhältnismäßigkeit: die Pro-Liste für diese Luftraumänderung ist leider ungleich länger als die Contra-Liste.“
Wäre dies so, müssten nicht unaufhörlich die Interessenvertreter der verschiedenen Luftraumnutzer darüber verhandeln, welche Änderungen der Luftraumgestaltung es denn jedes Jahr geben soll. (Auch) Deine Interessen werden dabei u.A. vom DAeC Ausschuss Unterer Luftraum vertreten, und zwar in unermüdlicher, ehrenamtlicher Kleinarbeit. Dass sich „die DFS immer wieder bemüht, die Einschränkungen beim absolut erforderlichen Minimum zu halten“ deckt sich dabei nicht mit der Realität. Nicht mal entfernt.
Abwägungen:
Alle Luftraumnutzer sind gleichberechtigt. Daher muss zwischen den konkurrierenden Interessen fein abgewogen werden, so dass ein möglichst akzeptables Gleichgewicht entsteht. Die weit verbreitete Ansicht, dass gewerbliche Fliegerei, quasi als Naturgesetz, irgendeine Art von Vorrang besitzt ist nicht begründet. Bei meinen Kunden z.B. liegt der Anteil der Flüge zum privaten Vergnügen bei etwa 75%, in den Sommermonaten noch deutlich höher. Was daran wichtiger sein soll als ein VFR Spazierflug, ein Fallschirmsprung oder ein Leistungssegelflug ist nicht erklärbar, sondern fast ausschließlich wirksame Lobby-Arbeit.
TMZ / Airspace D:
Die TMZs funktionieren im Wesentlichen genau so, wie sie sollten. Selbstverständlich gibt es Regelverstöße, gegen die nur wiederkehrendes Training hilft. An unserem Flugplatz (drei TMZs in nächster Nähe) versuche ich das möglichst nachhaltig, und es scheint, als ob es einigermaßen brauchbar funktioniert. Leider erreicht man so eher die Vereins-organisierten Segelflieger und nur wenige Motorflieger. Deine leichtfertige Einschätzung, die Regelverstöße begingen hauptsächlich Segelflieger ist übrigens statistisch nicht haltbar. Offizielle Zahlen werden, obwohl vorhanden, leider nicht veröffentlicht - unsere firmeninterne Auswertung zeigt ein eher ausgeglichenes Verhältnis zwischen Motor- und Segelflug, aber das ist natürlich nur ein Ausschnitt des Gesamtbilds.
Loyalität / Einfluss:
Mit Deinem Beitrag beschreibst Du leider einen verblüffend großen Anteil der Luftfahrer in Deutschland. Statt sich für die Interessen der anderen Fliegerkollegen zu interessieren, siehst Du ausschließlich Deine potentiellen Einschränkungen und übersiehst dabei, dass es durchaus in der vorhersehbaren Zukunft Restriktionen gibt, die auch Deine Fliegerei empfindlich treffen können. Natürlich spielt ein D nicht CTR für den VFR - Kaffeeflug oder den IFR - Reiseflug buchstäblich keine Rolle und wer die Memmingen CTR durchqueren möchte ist weiterhin auf der TWR - Frequenz. Auch die Fallschirmspringer werden keine Änderung wahrnehmen, deren Deppenwerfer ist ohnehin auf der Radar - Frequenz. Wenn allerdings mal wieder eine absurd große EDR für einen anreisenden Diktator eingerichtet wird, oder das Risiko durch militärische (Tief)Flüge rapide ansteigt, ist eine wirksame Interessenvertretung plötzlich auch in Deinem Sinn - das funktioniert nur mit einer gewissen Einigkeit der ohnehin schwachen GA-Stimme, die man besser nicht leichtfertig verspielt.
Anekdotisch:
Ich habe in 24 Monaten Fliegerei ex Memmingen und Weeze (sehr vergleichbare TMZ Setups) insgesamt etwa 30 Sekunden Flugzeitverlängerung durch Vectoring wegen VFR Verkehrs erlebt, bei der IFR-Schulung in NRW im selben Zeitraum etwa 5 Minuten (aber nur, weil die Schulflugzeuge so quälend langsam sind).
P.S.:{ATC schafft VFR Verkehr in TMZs üblicherweise nicht „aus dem Weg“, sondern erfragt die Absichten und erzeugt gegebenenfalls durch Avoiding Headings für den IFR Verkehr ausreichende Separation ohne nennenswerten Zeitverlust}