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2. Juli 2007 Joachim Adomatis

Infrastruktur: Tempelhof


Das Ende vor dem Ende? Die Investoren geben den Flughafen Tempelhof auf

Wenige Tage nach der Deutschen Bahn zogen die US-Investoren Fred Langhammer und Ronald S. Lauder in der letzten Juniwoche ihr Projekt für den Berliner City-Airport zurück. In einem letzten Brief werfen sie dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und dem rot-roten Berliner Senat vor, sich zu keiner Zeit ernsthaft mit ihren Vorschlägen auseinandergesetzt zu haben.

Der Berliner Senat will Tempelhof im Herbst 2008 schließen, um - so die gebetsmühlenartig wiederholte Rechtfertigung - den Bau des künftigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld nicht zu gefährden.


Nur noch ein Jahr? - Keine Metropole der Welt hat einen so schönen Flughafen.
© THF 
Wie Pilot und Flugzeug berichtete, wollte eine Deutsche-Bahn-Tochtergesellschaft, die „DB Station & Service AG" den City-Airport Tempelhof als Sonderflughafen betreiben. Dieses Konzept sollte nach Plänen der Bahn zum Tragen kommen, wenn auch das Flughafengebäude entwickelt werde. Insofern kooperierte die Bahn mit den Investoren Fred Langhammer und Ronald S. Lauder, die in Tempelhof für 350 Millionen Euro ein internationales Gesundheitszentrum einrichten wollten.

Auch das Bundesfinanzministerium wird nicht gegen die vom Senat verfügte Entwidmung des Flughafens Tempelhof zum
31. Oktober 2008 klagen. Es mache keinen Sinn mehr, nachdem Berlin keinerlei Bereitschaft gezeigt habe, die Offenhaltung Tempelhofs in irgendeiner Weise in Erwägung zu ziehen",
erklärte Dirk Kühnau vom Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) am 3. Juli der Presse in Berlin. Die BIMA ist eine nachgeordneten Behörde des Ministeriums, der die gesamte Kostenlast des Gebäudeerhalts nach Ende des Flugbetriebs auf die Füße fallen wird. Dies sei vor dem Hintergrund der bröckelnden Front potentieller Investoren nun auch die Auffassung des
Finanzministeriums. Es hatte noch Mitte Juni von "prozessualen Möglichkeiten "gegen den Entwidmungsbescheid gesprochen.

Der Rückzug beider Investoren, Deutsche Bahn und der Lauder-Gruppe ist nur folgerichtig. Sie scheiterten beide an der Arroganz eines Regierenden Bürgermeisters, der sich noch eine Woche vorher von 450.000 Lesben, Schwulen und Transis auf der Abschlusskundgebung des Christopher-Street-Days an der Berliner Siegessäule als „unsere gute Landesmutter" feiern ließ. (taz, 22.06.07)

Dieser allenthalben von Politik und Presse als „Partylöwe" titulierte Regierungschef hat in der Berliner Flughafenpolitik seine Pflichten für die wirtschaftliche Prosperität der Hauptstadt zu wirkwn arg vernachlässigt und mit Blick nach Übersee, insbesondere die USA, dem Ansehen Berlins schweren Schaden zugefügt.

Spott und Hohn für die Investoren: „Onkels aus Amerika“

Denn: Von der Stadtregierung, dem von Sozialdemokraten und den Altkommunisten in der PDS getragenen Berliner Senat, war keinerlei Bereitschaft zu erkennen, das Projekt für den City-Airport ernsthaft prüfen zu lassen. Es wurde stattdessen schlecht geredet. Die US-Invetsoren als „Onkels aus Amerika" pejorisiert und ihr Engagement als Gefährdung für den projektierten Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg International (BBI) ins Feld geführt.

Vorschläge der Investoren dieses in der Tat schwergewichtige Risiko zu sondieren, wurden ausgeschlagen. Angesichts noch immer fehlender Nachnutzungskonzepte für den Flughafen kann die Haltung des Senats nur als arrogant genannt werden: Arrogant den Investoren, der Wirtschaft und vor allen der Mahrheit der Berliner (75 Prozent) gegenüber, die für den Erhalt des Traditionsflughafens plädieren.

Der Kosmetikhersteller, Präsident des jüdischen Weltkongresses, Milliardär und Kunstsammler Lauder sowie sein Partner und Ex-Estée-Lauder-Chef Langhammer wollten im Flughafen Tempelhof ein internationales Gesundheits- und Diagnostikzentrum mit Hotel- und Kongresszentrum sowie angeschlossenem Flugbetrieb und ein Luftfahrtmuseum mit noch flugfähigen Exponaten einrichten.

Der Brief der so schnöde abgewiesenen US-Investoren liegt der Redaktion von Pilot und Flugzeug vor. Wörtlich heißt es darin unter anderem:

„Der Erhalt von Tempelhof für den Geschäfts- und Privatflugverkehr hätte Berlin einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen europäischen Metropolen gesichert. In Zeiten steigender Passagierzahlen darf man die Infrastruktur eines innerstädtischen Flughafens nicht aufgeben. Man muss sie bewahren, weil sie immer wichtiger wird für die Wirtschaftskraft einer ganzen Region.

Für unser Engagement haben wir während der zweijährigen öffentlichen Debatte viel Unterstützung erhalten - von Printmedien, einigen Oppositionsparteien im Abgeordnetenhaus, Mitgliedern des Deutschen Bundestages, der Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof, unseren Partnern wie der Deutschen Bahn AG und der Siemens AG, aber auch von vielen Berlinerinnen und Berlinern und zuletzt sogar den Altbundeskanzlern Helmut Schmidt und Dr. Helmut Kohl. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! (...)

Der Berliner Senat hat den Willen der großen Mehrheit der Berliner - nach Umfragen bis zu 75 Prozent - ignoriert, Tempelhof als Flughafen zu bewahren. Er war nicht bereit, ein Konzept zu erörtern, mit dem in der Stadt 350 Millionen Euro investiert und mehr als 1000 Arbeitsplätze geschaffen worden wären. Der Grundsatz, dass Politiker ihr Handeln am Wohl ihrer Stadt ausrichten müssen, gilt offenbar nicht für diesen Berliner Senat.

Der Regierende Bürgermeister hatte anderes im Sinn: Er hat unsere Pläne seit Ende letzten Jahres permanent schlecht geredet und uns als ‚reiche Onkel aus Amerika' bezeichnet."


Dem ist nichts hinzuzufügen. Pilot und Flugzeug wird ausführlich im Augustheft über diesen Skandal berichten und auch die für Juli angesetzte Debatte über die Berliner Flughafenpolitik im Deutschen Bundestag auswerten.


  
 
 




2. Juli 2007: Von Schemmert, Ralf an Joachim Adomatis
Max Liebermann sagte: "Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte." Konnte er damals schon ahnen, was mit Tempelhof passiert? Es ist erstaunlich, was in einer Demokratie alles möglich ist - vor allem ohne einen wirksamen Aufschrei der Öffentlichkeit und den dann folgenden Konsequenzen auszulösen. Hier sind sich Landespolitik und Bundespolitik gar nicht mehr fremd - egal welche Farbe sie tragen. Beide (von der Mehrheit ja Gewählten!) perfektionieren Ihre praktische Umsetzung von Ignoranz und Arroganz. Quo vadis? ...oder besser gute Nacht Mensch?

Gruß
RS
2. Juli 2007: Von Andreas Heinzgen an Joachim Adomatis
"Der Brief der so schnöde abgewiesenen US-Investoren liegt der Redaktion von Pilot und Flugzeug vor."

Das ist aber nicht unbedingt eine große journalistische Leistung angesichts der Tatsache, daß der Brief bereits vor fast einer Woche in der "Berliner Morgenpost" abgedruckt war...
2. Juli 2007: Von Gerhard Uhlhorn an Schemmert, Ralf
Warum wundern? Unser Fernsehen ist praktisch ausschließlich Volksverdummung (incl. unserer großen Nachrichtensendungen). Da kann man nicht ernsthaft Gegenwehr erwarten. Aber das ist ja so gewollt.
3. Juli 2007: Von Alexander Stöhr an Schemmert, Ralf
quo vadis verstehen schon fast zu wenige... Gute Nacht Mensch ist treffender.

Weimar ging auch unter, weil die Menschen zu blöde waren, die Demokratie zu sichern. Weil Streitereien in der Mitte wichtiger waren als die Besinnung auf humanistische Werte. Parallelen? Noch nicht genug, daß man auswandern müßte, aber hinreichend viele, daß man aufpassen sollte.
4. Juli 2007: Von Gerhard Uhlhorn an Alexander Stöhr
… die Demokratie zu sichern …

Ich wäre froh, wenn wir erstmal eine hätten.
5. Juli 2007: Von Schemmert, Ralf an Gerhard Uhlhorn
Liebermann hatte schon Recht, Kant aber auch:"Es ist so bequem, unmündig zu sein". Es ist nun zu überdenken wie groß die Masse nach Kant ist.Das Ergebnis ist - bitter.
5. Juli 2007: Von Oliver Giles an Schemmert, Ralf
Die Masse nach Kant ist tatsächlich erschreckend groß!
Und damit wäre man dann wieder bei Liebermann....

mfG OLVIS
11. Juli 2007: Von Carsten Grötschel an Oliver Giles
Seien wir mal ehrlich, hat tatsächlich jemand an den Erhalt von Tempelhof geglaubt?

Wer regiert in Berlin ? Genau rot-rot, ausserdem konnte die PDS in Berlin Direktmandate gewinnen sowie Christian Ströbele in Kreuzberg.
Das sind genau diejengen die das wenigste Mitleid haben mit den Betreibern und Nutzern von Privatflugzeugen oder der Businesslinien wie Cirrus und deren Bedürfnissen.

Motto: Fliegen ist Bonzenspass !

Die andere Seite ist, daß ich mir sehr gut vorstellen könnte, daß die Vorfeldflächen schon einem Investor versprochen sind und nur der Denkmalschutz den Abriss des Terminals verhindert. Das Gelände liegt absolut top in Berlin und bietet sich geradezu an für eine großzügige Bebauung.
12. Juli 2007: Von Klaus Schäfer an Joachim Adomatis
Leute...lassen wir die Kirche doch mal im Dorf ! Man kann nicht für und gegen alles sein. Ich bin jetzt das erste mal in Tempelhof gelandet..IFR ! Ein Anflug im Endteil mit einer Höhe, das ich in die Fenster der Anwohner gucken konnte ( bin vorsichtshalber bischen über dem ILS geblieben... ) Das ist für die Leute die da wohnen, ein irrer Krach. Ein Flugplatz mitten in einer Stadt - ich finde, das das nicht passt. Von BBI kann künftig ja wirklich alles problemlos erreicht werden. Auch die GA wird sich darauf einrichten können. Man kann auch drüber nachdenken, den Platz einer anderen Nutzung zuzuführen - auch mit einem "Gesundheitszentrum" ohne direkt mit dem Flieger vor dem Terminal zu parken und dann mit dem eigenen "Gehfrei" aus demselben zu fallen....
12. Juli 2007: Von Gerhard Uhlhorn an Carsten Grötschel
„Das Gelände liegt absolut top in Berlin und bietet sich geradezu an für eine großzügige Bebauung.“

Was aber der Luftqualität sehr abträglich sein dürfte. ;-)

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