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Luftrecht und Behörden | Schultergurt -- Pflicht?  
25. Juni 2026 14:15 Uhr: Von Rolf Andreas 

Vor kurzem hatte ich eine Unterhaltung mit Fliegerkollegen, die auch, so wie ich, u.a. Rallye fliegen. In meinem Fall eine 180 TS. Die Rallye bzw. Morane ist mit Schulter und Beckengurten vorne ausgestattet. Hinten nur mit Beckengurten. Sehr viele Rallye Piloten "verzichten" auf das Tragen des Schultergurtes und tragen nur den Beckengurt, insbesondere im Schleppbetrieb fühlen die sich sonst recht eingeengt. Verstehen kann ich das.

Allerdings frage ich mich, wie dies haftungstechnisch wohl zu bewerten ist, wenn nur der Beckengurt getragen wird. Ja, die Schultergurte sind ungemütlich, aber man kann sie ja auch nur bei Start/Landung tragen und sie wären ja durchaus im Ernstfall sehr nützlich, daher halte ich es so, dass ich sie bei Start/Landung nutze und dies auch vom Passagier rechts vorn entsprechend verlange.

Das POH der Rallye sagt nicht viel dazu ob nur Beckengurt oder das ganze System zu nutzen ist.

Hat jemand zur Haftungsfrage mit/ohne Schultergurt Erfahrungen?

25. Juni 2026 15:26 Uhr: Von Eberhard Lulay an Rolf Andreas

Es ist doch keine Frage, wie im Falle eines Unfalls die Versicherung reagiert, sondern es geht generellum die Sicherheit der Insassen.

25. Juni 2026 16:50 Uhr: Von Dr. Jürgen Schwarz-Boeck an Rolf Andreas Bewertung: +5.00 [5]

https://www.nordbayern.de/franken/absturz-bei-speichersdorf-ursache-war-pilotenfehler-1.6042034

einfach mal diesen Bericht über den Absturz meines Kollegen in Speichersdorf lesen. Danach dürfte sich die Entscheidung über Schultergurt oder nicht recht einfach darstellen. (Es gibt übrigens noch jede Menge andere Berichte über diesen Unfall auch bei der BFU.

25. Juni 2026 17:19 Uhr: Von Rolf Andreas an Dr. Jürgen Schwarz-Boeck Bewertung: +2.00 [2]

Vielen Dank für den Link zu diesem sehr traurigen Vorfall. Und, ja, 100% überzeugend.

25. Juni 2026 20:38 Uhr: Von Maik Toth an Rolf Andreas Bewertung: +2.00 [2]

Sehr plastisch aber einprägsam. "Der linke Teil des Instrumentenbretts war konkav verformt." BFU15-0355-3X

26. Juni 2026 13:34 Uhr: Von Willi Fundermann an Dr. Jürgen Schwarz-Boeck Bewertung: +2.00 [2]

Kein halbwegs vernünftiger Mensch würde im Auto nur mit Beckengurt fahren. Ganz abgesehen davon, dass es in D nicht erlaubt wäre. Ich habe zu meinen Flugschülern immer gesagt: Start und Landung ohne Schultergurt, dann kann ich auf den Beckengurt auch verzichten. Das Ergebnis bei einem Crash dürfte in etwa gleich sein.

Beckengurt alleine ist nur während des Reisefluges sinnvoll, um bei Böen nicht mit dem Kopf an die Decke zu knallen.

27. Juni 2026 11:56 Uhr: Von Kain Kirchhof an Dr. Jürgen Schwarz-Boeck

..der Schulergurt hätte G. aber vermutlich auch nicht geholfen, zumindest aber nicht ausreichend. Dennoch auch nach Jahren sehr bitter, aber letztlich ist es halt bittere Realität, das jeder Fehler bei Mensch oder Maschine eine finale Konsequenz zur Folge haben kann.

27. Juni 2026 21:25 Uhr: Von Sven Walter an Rolf Andreas

Eine Kurzsuche mit den diffusen Schlagworten in meinem Kopf hat mir nicht geholfen, aber da gab es mal einen tödlichen Unfall mit soweit ich mich erinnere einer ordentlichen Reise-SEP, pensionierter, TV-Moderator oder so mit Gattin und nur Beckengurt, im FAA-Land, Notwasserung kurz nach dem Startn meine ich. Beide tot, Kopf knallte da nur Beckengurt jeweils ins Panel und das NTSB schrieb explizit rein, dass der Schultergurt diesen Tod vermeidbar machte.

Weiß jemand zufällig aus der hiesigen Schwarmintelligenz, wo das war? Bucht San Franciso oder so, hat jemand einen Link?

27. Juni 2026 21:30 Uhr: Von Justus SJ an Sven Walter Bewertung: +1.00 [1]

Peter Tomarken..

27. Juni 2026 22:00 Uhr: Von Timm H. an Sven Walter Bewertung: +1.00 [1]

A36 aus Santa Monica gestartet. Motorausfall kurz nach dem Start wg mangelhafter Arbeiten am Motor lt NTSB.

28. Juni 2026 15:35 Uhr: Von Wilfried von Rath an Timm H. Bewertung: +5.00 [5]

Ich fliege eine 1975er Bonanaza F33A. Das Flugzeug war bei der Produktion nur mit Beckengurt eingerüstet.

Ich habe als 3. Besitzer des Flugzeugeugs neue Becken- und Schultergurte nachgerüstet.
Die Aufnahmen fur die Schultergurte waren bereits vorgesehen.

Nach Lektüre dws BFU Berichts denke ich "richtige Entscheidung"!

28. Juni 2026 15:53 Uhr: Von Norbert Rading an Rolf Andreas Bewertung: +2.00 [2]

Wenn es dir nur um die reine rechtliche Betrachtung geht: Als PIC bist du verantwortlich für "the safety [...] of all crew members, passengers and cargo on board" (NCO.GEN.105). Ich würde erwarten, dass das für jede Versicherung ausreichend ist, grobe Fahrlässigkeit zu attestieren, wenn Personenschäden aus nicht angelegten Schultergurten resultieren.

Im deutschen Luftrecht finde ich nichts explizites dazu, außer dass "Luftsportgeräteführer und Fluggast [...] einen geeigneten Kopfschutz zur Abwehr von Verletzungen bei Unfällen oder sonstigen Störungen tragen" müssen. (§ 3(2) LuftBO) - ob das jetzt bedeutet, dass man in seiner VL3 einen Helm tragen muss, weiß nur der Gesetzgeber. Aber ich würde davon ausgehen, dass auch bei Anhang-I-Flugzeugen die Versicherung im Zweifelsfall auf grobe Fahrlässigkeit plädieren wird.

In der Praxis würde ich jedem den Vogel zeigen, der aus Gründen der Bequemlichkeit auf den Schultergurt wenigstens für Start&Landung verzichten will. Bzw. die Tür, wenn ich PIC bin.

28. Juni 2026 18:45 Uhr: Von Ernst-Peter Nawothnig an Timm H. Bewertung: +1.00 [1]

Falls es noch ein gruseliges Beispiel braucht: In Itzehoe ist vor langer Zeit ein Segelfluglehrer umgekommen. Segelflugzeuge hatten immer schon vollständiges Gurtzeug eingebaut. Unfallhergang: Platzrunden im Windenbetrieb, Schüler im vorderen Sitz verschätzt sich grob und kommt bei der Landung unrettbar zu kurz. Der Doppelsitzer strandet relativ glimpflich in einer Fichtenschonung. Schüler unverletzt, Fluglehrer im hinteren Sitz spaltet sich den Schädel am Instrumentenbrett. Ob er gar nicht angeschnallt war oder nur die Schultergurte nicht angelegt hatte, ist nicht überliefert.

28. Juni 2026 23:46 Uhr: Von ingo fuhrmeister an Ernst-Peter Nawothnig Bewertung: +1.00 [1]

oje...

ich hatte einen kunden in den 90igern...kiefer chirurg vom feinsten mit glücklicher op-hand...manchmal

hat er mir beim beer-call bilder von pre-op und post-op gesichter von autofahrern gezeigt...ja auch piloten,

vorwiegend cessna und 2 duke-flieger...irgendwie nicht angeschnallt...und mit gesichtsveränderung zu

ihm gekommen. er hats dann nach handbuch und engineering change order eingermaßen wieder hin-

bekommen.....

leider hat er SPD zu wörtlich genommen....sanktum per delirium...

selbst die TSA greift hier jetzt durch, bei der sich aufbauenden gefahrenlage...hier auch

29. Juni 2026 08:59 Uhr: Von Markus S. an ingo fuhrmeister

Nicht nur an den letzten,....

Nachrüstung von Brustgurten ist das eine, wie sieht es eigentlich mit Kopfstützen aus? Gibt es da eine Nachrüstmöglichkeit der alten Sitze? Schwere Nackenverletzungen oder gar Genickbruch bei einem Crash dürfte ja auch in der Statistik evident sein.

29. Juni 2026 11:25 Uhr: Von Sven Walter an Markus S.

Wenn ich mir die meisten Unfallverläufe im Straßenverkehr und bei Bruchlandungen ansehe, wird das wohl deutlich seltener relevant werden. Das "peitschenartige Zurückknallen" wird hier nicht durch andere Vekehrsteilnehmer bei Auffahrunfällen etc. nochmal komplexer. Ich hab da früher mal länger drüber nachgedacht (zu Cherokee 140 - Zeiten), aber ich würde mal stark vermuten, die Zahlen geben da einen deutlich geringeren Nachrüstbedarf als im Straßenverkehr her. Aber vielleicht hat hier ja jemand die medizinische oder statistische Expertise oder Vorkenntnis? Airbags in Schultergurten etc. leuchten mir hingegen sofort ein.

Die extremste Auslegung haben wir logischerweise bei Kampfhubschraubern. Was die im modernen Cockpit teilweise verbaut haben ist heftig.

mWn

https://www.google.com/search?q=airbags+attack+helicopter+cockpits&rlz=1C1CHBF_deDE1188DE1188&oq=airbags+attack+helicopter+cockpits&gs_lcrp=EgZjaHJvbWUyBggAEEUYOTIHCAEQABjvBTIHCAIQABjvBTIHCAMQABjvBTIHCAQQABjvBTIHCAUQABjvBdIBCTIzNzM3ajBqN6gCALACAA&sourceid=chrome&ie=UTF-8

Und als Ganzrettung unterm Rumpf:

https://verticalmag.com/press-releases/rafael-airbag-protection-for-helicopters-proves-maximum-survivability-html/

29. Juni 2026 12:26 Uhr: Von Kain Kirchhof an Rolf Andreas Bewertung: +1.00 [1]

Zum Thema "Schultergurtpflicht an den Vordersitzen" existieren einige NFL II.

NFL II Nr 62 aus 1977 schreibt folgendes vor:

1. Einbau von Schultergurten im Rahmen der Musteprüfung deren Antrag nach dem 01.06.1976 gestellt wurde.

2. Im Rahmen der erstmaligen Verkehrszulassung deren Antrag nach dem 01.01.1977 gestellt wurde.

3. alle bereits zugelassenen LFZ die zur ausbildung genutzt werden bis zur nächsten JNP , spätestens aber bis zum 01.01.1977

4. alle anderen LFZ bis zum 01.01.1978.

Dann gibts noch eine NFL II die Ausnahmen davon regelt, namentlich NFL II Nr 5 aus 1978.

Die besagt dass die Behörde Ausnahmen von der Pflicht zum nachträglichen Einbau von Schultergurten in begründeten Einzelfällen zulassen kann. Bei NCO und NICHT zur Schulung verwendeten Flugzeugen die VOR dem 01.01.1966 zum Verkehr zugelassen wurden wird es dem Eigentümer freigestelt ob er Schultergurte einbaut oder nicht.

DANN gibts sogar noch eine NFL (NFL II 14 /1978 welche den technischen Betrieben auferlegte bei der JNP auf dem Nachprüfschein zu vermerken ob Schultergurte eingebaut sind oder nicht..

Aufhebung letzterer erfolgte mit NFL II 78 / 1980.

Entsprechend kann festgestellt werden: Schultergurte an den Vordersitzen sind verpflichtend und sind dann wohl auch zu verwenden. Ob die Versicherung im im Schadensfall dann eine Regulierung ablehnt müsste man wohl mal die Versicherer fragen.


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