
Der neue LBA-Präsident Alexander Schott hat keine ganz leichte Aufgabe vor sich. |
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Die Suche nach einem neuen Präsidenten des LBA dauerte länger als erwartet. Der Amtsvorgänger Jörg-Werner Mendel wurde bereits am 31. Januar 2026 in die passive Phase der Altersteilzeit verabschiedet.
Dass man nach diesem freilich kaum vorhersehbaren Ereignis nicht sofort einen fähigen und vorbereiteten Nachfolger für die heftig in der Kritik stehende Behörde präsentieren konnte, ist nur ein Zeichen für die unglaubliche Ernsthaftigkeit, mit der das Verkehrsministerium die Luftfahrt in Deutschland betrachtet.
Wir erwogen schon die Veranstaltung einer Casting-Show: Wer wird Präsident?
Gerüchteweise winkten mehrere Kandidaten aus dem Umfeld des Ministeriums dankend ab – das LBA in seinem jetzigen desolaten Zustand zu übernehmen ist eine Mammutaufgabe und wieso sollte man sich eine jahrelang sauber eingefädelte Karriere im Ministerium oder auf Länderebene mit einem solchen Himmelfahrtskommando am Ende noch verhageln?
Personen aus der Behörde selbst kamen hingegen nicht zum Zuge, vermutlich auch, weil zumindest bei einer Person die Nähe zum inzwischen auch international aufsehenerregenden Staatsversagen im Referat L6 (Flugmedizin) einfach zu groß war.
Wie desolat der Zustand der Behörde inzwischen ist, zeigt ein Blick auf die ganz tägliche Arbeit. Dass ein Lizenztransfer in ein anderes EASA-Land (Republikflucht) inzwischen mehr als neun Monate dauert, ist schon lange kein Skandal mehr, sondern einfach ganz normaler Alltag.
Schwere Datenschutzverstöße durch das LBA
Der Transferantrag für die Lizenz des Autors wurde am 11. Oktober 2025 gestellt und ist nach wie vor nicht abgeschlossen. Trotz gültigen Medicals. Ein damit in Zusammenhang stehender Antrag auf Akteneinsicht vom 7. November 2025 ist ergebnislos versandet.
Dazu gesellt sich die haarsträubende Schlamperei der Behörde:
Kurz vor Redaktionsschluss erfuhr der Autor, dass Unterlagen und Korrespondenz im Zusammenhang mit diesen Anträgen „aus Versehen“ statt intern innerhalb der Behörde an einen wildfremden und vollkommen unbeteiligten Mitarbeiter der Lufthansa-Fracht-Tochter AeroLogic verschickt wurden. Das LBA bemerkte dies anscheinend auch nicht und erst als der AeroLogic-Mitarbeiter sich an seinen IT-Sicherheitsbeauftragten wandte und dieser den Datenschutzbeauftragten des LBA kontaktierte, wachte man in Braunschweig auf.
Versierte Anwälte stellen Anträge auf Akteneinsicht inzwischen monatlich neu – einfach um diese unfassbaren Zustände zu dokumentieren. Bearbeitet werden sie trotzdem nicht. Zumindest nicht innerhalb eines sonst im Behördenverkehr üblichen Zeitrahmens.
Auf der anderen Seite dieser unhaltbaren Zustände stehen viele wirklich motivierte, freundliche, fähige und serviceorientierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Braunschweig, die täglich unter schwierigen Bedingungen ausgesprochen gute Arbeit machen. Diese leiden unter den Zuständen mindestens so sehr wie die betroffenen Lizenzinhaber.
Es ist sicher kein Fehler, in dieser Situation jemanden von außen für die Behördenleitung zu berufen, statt ein LBA-Gewächs zu befördern.
Der berufliche Werdegang von Alexander Schott ist bemerkenswert. Zitat:
„Er wurde 1969 geboren und studierte nach der Ausbildung zum Reserveoffizier Rechtswissenschaften in Kiel und Lüttich. Nach dem Referendariat unter anderem an der Deutschen Botschaft in Tel Aviv und im Verteidigungsministerium in Bonn, folgten ab 2000 Aufgaben bei der NATO in Brüssel und Norfolk (Virginia). Seit 2008 war Alexander Schott in unterschiedlichen Funktionen für das Bundesministerium für Verteidigung und den Bundesnachrichtendienst tätig.
Vor seinem Amtsantritt im LBA verantwortete der Volljurist im Bundesministerium der Verteidigung den Bereich Forschung und Innovation sowie die Digitalisierung und KI-Implementierung für die Bundeswehr.“
In den letzten 15 Jahren verzeichnet sein Lebenslauf u.a.
- 2011: Referent im Büro Staatssekretär und Projektoffizier Neuausrichtung Bundeswehr, Büro Staatssekretär,
Bundesministerium der Verteidigung, Berlin;
- 2012: Referatsleiter Organisation im Leitungsstab Organisation und Revision, Bundesministerium der Verteidigung, Berlin;
- 2017: Abteilungsleiter Technische Aufklärung Auslandsaufklärung SIGINT, Cyberaufklärung und Cyberabwehr, Bundesnachrichtendienst, Pullach;
- 2022: Unterabteilungsleiter A III und Forschungsdirektor BMVg, Ausrüstung und Nutzung für Land, See, Luftabwehr und Ressortforschung, Bundesministerium der Verteidigung, Bonn;
- 2024: Leiter des Forschungs- und Innovationshubs und Forschungs- und Innovationsdirektor BMVg, Bundesministerium der Verteidigung, Bonn;
- bis 2026: Unterabteilungsleiter IC II und Forschungs- und Innovationsdirektor BMVg, Bundesministerium der Verteidigung, Berlin.
Ich muss ehrlich sagen: Ich habe viel zu wenig Ahnung von den Karrierewegen im Öffentlichen Dienst und bei der Bundeswehr, um zu beurteilen, ob Schott damit für seine Aufgabe beim LBA gut oder weniger gut vorbereitet ist.
Mein subjektiver Eindruck ist aber, dass ein Mangel an Juristen nicht das Kernproblem des Luftfahrtbundesamtes ist.
Die Probleme der Behörde sind in jedem Fall struktureller Natur. In mehreren Referaten – allen voran L6 – wird eine weitgehende Neuorganisation der Abläufe, verbunden mit erheblichen personellen Veränderungen notwendig sein.
Die Impulse des „Runden Tisches“ vom 9. Februar 2026 sind weitgehend verhallt. Die vom Ministerium gegenüber der Behörde angekündigten „Folterwerkzeuge“ lassen nach wie vor auf sich warten und die Anzahl der anhängigen Gerichtsverfahren, die gegen das Amt geführt werden, nimmt zu.
Als Konsequenz wenden sich mehr und mehr Lizenzinhaber von der Bundesrepublik ab – so wie der Autor. Flugbetriebe geben an Angestellte schwarze Listen heraus mit Staaten, in denen eine beruflich genutzte Lizenz keinesfalls geführt werden darf. Deutschland war mal ein Positiv-Land in diesem De-Facto-Ranking, inzwischen führt die Bundesrepublik solche Negativlisten an.
Fast alle EASA-Staaten kämpfen mit den europäischen Regeln und oft auch mit den wenig praxisorientierten Audit-Ergebnissen der EASA. Dänemark hat sein eigenes Medical-Problem, in den Niederlanden warten Dutzende Piloten auf die Ausstellung eines simplen Ratings oder einer Lizenz und sind gegroundet, Spanien beglückt europäische Flugschulen mit sinnfreien Zusatzanforderungen, und Frankreich sperrt für bestimmte Prüfungsereignisse ausländische Examiner de-facto aus.
Die Situation in Deutschland mit extrastrengen Anforderungen beim Part-IS (die bald wahrscheinlich von der EASA wieder gekippt werden) und den katastrophalen Medical-Bearbeitungszeiten ist aber auch in dieser Aufzählung besonders.
Wir wünschen Alexander Schott aufrichtig viel Glück und viel Erfolg bei dieser wenig beneidenswerten Aufgabe!