Andreas hat in einem Punkte schlicht recht – bei 3% des aktuellen Ausstoßes an Treibhausgasen sollte man seine Rolle sicher nicht überbetonen, ideologisieren, und mit Moralin aufladen; das sorgt nur für Reaktanz.
Sinnvoller ist es, so nüchtern da ran zu gehen wie bei der Frage, wie man als Mittelständler seine Gabelstapler elektrisch, per Ottokraftstoff oder wie auch immer anzutreiben. Oder als ÖPNV-Betreiber, welche Antriebsart die Busse haben. Oder wo man einen Flughafen direkt über die Bahnlinie baut, damit sowohl die Reinigungskräfte, der überregionale Verkehr und auch die PAXe geräuschlos ohne Verkehrschaos und überteuerte Parkplätze von A nach B und zurück nach A kommen.
Volkswirtschaftlich wollen wir alle sicherlich nicht, dass unsere Weltmarktführer im Bereich PKW wie auch die Zulieferer wie Bosch irgendwann den Weg von Nokia, RIM, Kodak, Quelle oder Borgwart (Borgward?) gehen. Wenn die aber nur auf die Quartalszahlen gucken, und nicht merken, wenn iPhone, digitale Photographie, Amazon oder eine neue, bessere Antriebsart vorbeikommt, kann man als öffentliche Hand schonmal den Weg zum besseren öffnen. Schnörkellos und ideologiefrei.
Wenn die Schweiz Speicherwasser hat ohne Ende, und vom faschistischen Italien und Deutschland eingeschlossen ist, ergibt Autarkie extrem viel Sinn. Dann elektrifiziert man das komplette Bahnnetz, wenn man keine eigenen Kohlevorkommen hat. Und heizt das Rathaus von Zürich seit den 30er Jahren mit einer größeren Wärmepumpe.
Die größte Meereswärmepumpe der Welt baut übrigens die Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg: MAN. Schafft Jobs in Bayern, verringert die Abhängigkeit von Putler, Scheichs, Trumpster etc.
Wenn man als Dänemark merkt, hoppla, es ist 1973 und die OPEC würgt unsere Volkswirtschaft ab, dann nutzt man halt Wind und Biomasse, und baut Konnektoren nach Schweden, erleichtert den Radverkehr in Unistädten und Kopenhagen, UND bohrt in der Nordsee nach Gas & Öl, um sich Rezessionen zu sparen.
Wenn Uruguay merkt, dass sie verdammt viel Wind und passabel Wasserkraft haben, um sich den Import fossiler Energie zu sparen, dann machen sie einen Physikprofessor zum Energieminister und lösen das binnen 8 – 15 Jahren. Arbeiten mit dem, was man hat.
Klar ist Erdgas besser als das Stadtgas, was wir früher hatten. Ist aber endlich, auch in der Nordsee. Oder kommt aus der Sowjetunion bzw. später Russland. Buyer beware.
Bergschäden im Ruhrpott zu subventionieren, um Kohleflöze in bis zu einem Kilometer tief zu fördern, ist beknackt (danke, SPD). Dann besser das vorhandene Kraftwerk nutzen und die Kraftwerkskohle auf dem Weltmarkt kaufen. Machen wir jetzt ja auch, aber Jahrzehnte zu spät.
Wenn man 50 Jahre später mit besser isolierten Gebäuden immer weniger davon braucht, kann man die Puffer immer noch außerhalb der Zeiten des Rheintiefwassers kaufen, und die Kohle liegt dann halt ein paar Monate auf Halde. Man braucht aber nur noch einen Bruchteil von früher, wenn Wind, Sonne, Biomasse und Geothermie das Gros abdecken.
Werden die manchmal drei Güterzüge Kraftwerkskohle pro Tag eingespart, und kommt daher andere Fracht von der Straße auf die Schiene, freut das auch den Dieselfahrer mit Boscheinspritzerspitzentechnologie, weil die rechte Spur frei wird. Die Fahrbahn und auch die Autobahnbrücken seltener saniert werden müssen etc.
Ja, wir sind selbst schuld, wenn wir bei 95% Quote des Öl- und 91% des Erdgasimports ideologisieren, statt konstant geräuschlos das Risiko immer mehr zu minimieren. Und das komplett unabhängig vom extrem gefährlichen Klimawandel. Von A nach B fahren, Haus und Dusche warm, Strom verlässlich dezentral hergestellt, abgepuffert durch Biogas aus Restmasse ist volkswirtschaftlich wie energetisch ist nun mal ein langfristig extrem sinnvolles Wirtschaften und Handeln. Tief hängende Früchte zuerst, Lobbyisten mit der Rationalität der Physik zum Verstummen bringen, und die letzten schwersten 10% des Weges kann man immer noch kompensieren oder wirklich schwere und teurere Wege gehen.
Wir hatten die Ölkrisen 1973 und 1979/ 80. Und überweisen je nach Jahr 60 – 140 mia EUR ans Ausland für den Import fossiler Energieträger. Das war noch nie clever, wenn man was Besseres und preislich vergleichbares hat. Dann soll es gerne Varta statt CATL sein (ein spannendes Thema für sich, wenn man sich anguckt, wie BMW an seine ersten Batterien für BEV kam…), Bosch und Daimler statt BYD und Xiaomi, Otto und Quelle statt Amazon, Lidl statt AWS und Oracle usw.
Und langfristig hätte ich auch länger lieber eine Rohstoffagentur mit pensionierten Geologen mit gleicher Unabhängigkeit wie die Bundesbank, die 80% der dt. Goldvorräte in andere Rohstoffe investiert und im Hintergrund für extreme Risiken puffert. Ob das dann Neodym, Titan oder Platin ist, ist mir wumpe, solange das wirklich kompetente unabhängige pensionierte Profs entscheiden. Was soll Gold in NY und Fort Knox, nachdem der Kalte Krieg gewonnen wurde? Chips für Autos kann auch Infineon herstellen.
Wenn Trump, Xi und Putler oder die Mullahs ausrasten, ist es allemal sinnvoller, dass unsere Premiumhersteller fast unterbrechungsfrei produzieren könnten oder können, und der Strom für 15.000+ km pro Jahr vom Firmenparkplatz, aus Ostfriesland oder einem Laufkraftwerk in Rheinfelden stammt, als von Kleptokraten aus Zentralasien, Venezuela, Texas oder dem Persischen Golf.
Treibhausgase? Ja, kann man sich auch anschauen. Technik und Unabhängigkeit finde ich für unsere Volkswirtschaft und unseren Wohlstand deutlich reizvoller. Kann man auch deutlich besser als Produkte exportieren, wenn schon heute über 90% des weltweiten Zubaus an Energie in EE gehen. Mit ein paar Hundert Maybachs und ein paar Tausend S-Klassen, die man in 15 Jahren noch absetzen kann, rettet man unseren Wohlstand nicht, wenn andere leisere, günstigere, zuhause oder dem Firmenparkplatz betankte Edelstromspeicher mit vier Rädern bauen. Fast alle bekloppten Postautos hätten schon in den 80ern mit Blei- oder Nickel-Cadmium-Akkus betrieben werden können mit weniger Abgasen, Export von D-Mark in die OPEC-Staaten etc.
AKWs hätte man 1991 umstellen können auf Wasserstoffproduktion, damit wir den Dünger daheim klimaneutral und lieferkettensicher herstellen können. Leverkusen, Ludwigshafen und boarisches Chemiedreieck verbrauchen so 80 TWh pro Jahr, aus dem Kopf. Und wir hatten dank der Wiedervereinigung massive Überkapazitäten im Kraftwerkspark, es war also klar, dass nach und nach ein Rückbau erfolgen würde. Oder halt Umbau, wenn man was Besseres hat. Besser Enercon als Goldwind, besser MAN und Siemens als GE.
Letzter Gedanke: Wir haben zwölf Raffinerien in der BRD. Wir sehen gerade in Russland, wie die Dinger kaum zu verteidigen sind im Ernstfall. 30.000 – 70.000 WKAs, tausende Firmenparkplätze und Millionen von Dächern mit Wechselrichtern aus heimischer Produktion kann man nicht sinnvoll ausschalten durch Sabotage oder Luftangriffe. Und wie wir gerade den knapp gescheiterten Drohnenangriff auf die Antonow 1zwo4 in Leipzig gesehen haben, haben wir feindliche Mächte im Lande, die bereit sind, Sabotage und Terrorangriffe durchzuführen. Dann lieber ID.3 bis ID.7 als Golf bis Passat. Nimmt komplette Angriffsvektoren, die Luft wird besser, die Produkte wird man auch noch in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten los, Hormus, Bab el Mandeb, Noworossisk und Pipelineangriffe (den Sprengstofffund in RLP haben die meisten sicherlich schon vergessen, gell?) werden immer weniger bedrohlich.
Krisensicher und investieren in die eigene Volkswirtschaft und Zukunft geht anders.