Das ehrliche und auch deutliche Plädoyer der Autoren ist mutig und notwendig.
Aber ist es nicht auch ein Hilferuf, weil ein System mit flachen Wurzeln außer Kontrolle gewuchert ist?
Dem entsprechend werden m.M.n. dann wieder die Kernprobleme nicht genannt.
Das erste Problem der deutschen UL-Szene ist, das die hier beschrieben Hochleistungs-ULs niemals angedacht waren als die Enthusiasten mit der UL Fliegerei begannen.
Es ging darum mit wenig Aufwand und wenig Bürokratie den Popo in die Luft zu bekommen.
Hierzu zählen sicherlich die ersten zwei dargestellten Entwicklungsstufen - vom Rohr-Tuch-Verhau zu moderneren Bauweisen.
Die Entwicklung zu Geräten welche mit 170 Konten in FL 150 rumballern ist eine ziemlich Deutsche Spezialidee. Welche dann auch in den meisten anderen Ländern nicht mitgetragen wird.
ULs für 600.000 € -sechshunderttausend!!!- ist eine himmelschreiende Abweichung vom ursprünglichen Gedanken, und hat auch nichts damit zu tun, das die Echo-Klasse zu teuer ist.
Diese Entwicklung wurde gewollt und aktiv betrieben.
Das zweite Problem ist, das sich ein Teil (ausdrücklich nur ein Teil!) der UL Szene einen Sche… um die Rechtslage kümmert.
Grade wurde ein solches 600.000€ UL aus einem Acker geborgen. Und was ist drin? Ein Autopilot - ab Werk mit der entsprechend IFR-wonne-be-Ausstattung.
Abgezeichnet, für gut befunden und unterschrieben von einem Prüfer Klasse 5.
Legal - illegal - scheißegal!
Alle haben es gewusst. Viele haben mitgemacht. Und hinterher wird es wieder keiner gewesen sein wollen.
Vielleicht wäre es besser gewesen von Seiten der Verbände frühzeitig steuernd einzugreifen? Aber das war die Zeit als jedes UL irgendwie magisch 295kg wog. Das war auch die Zeit als die Fluglehrer der heutigen Fluglehreranwärter ausgebildet wurden.
Ja, die zertifizierte Fliegerei in der GA hat ein massives Problem mit Über-Regulierung.
Ja, auch ich wünsche mir ein System wie MOSAIC.
Aber eine Assimilation der zwei Welten UL & Echo-Klasse wird es in Europa absehbar nicht geben. Wir haben nun mal die EASA … was zu siebenundzwanzig verschiedenen Auslegungen eines Gesetzestextes führt. Und UL-Piloten anderer Nationen werden sich nicht ihre Freiheit nehmen lassen, nur weil wir hierzulande es wieder mal in alle Richtungen übertreiben.
Vielleicht dient der mutige Artikel der Autoren ja als Anstoß, einen eingeschlagen Irrweg zu korrigieren.
Vielleicht muß nicht (nur) die Ausbildung den Geräten angepasst werden, sondern die Geräte (wieder) der Ausbildung.
Vielleicht kann diese Korrektur dazu genutzt werden um die Regulatorik der ‚leichten‘ GA zu entschlacken und gleichzeitig den Ultraleichten ihren Platz in der europäischen Luftfahrt zu sichern.