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18. August 2010 Jan Brill

Magazin: Henning Tessler geht zum Anwalt


Henning Tessler möchte kritische Berichterstattung unterbinden

Henning Tessler aus Herford betrieb im Sommer letzten Jahres ein durchaus spannendes Geschäftsmodell. Für den Schnapper-Preis von 39 Euro meldete er Internetnutzer auf der an sich kostenlosen PPL-Prüfungsfragen-Lernseite open-ppl.de an. Jetzt möchte er gegen unsere kritische Berichterstattung zu diesem Serviceangebot gerichtlich vorgehen und verlangt mit Hilfe des Herforder Fachanwalts für Steuerrecht, Dirk Stermann, von Pilot und Flugzeug die „Löschung“ der Berichterstattung zu diesem Thema.


Wertschöpfungskette: Die von Henning Tessler (Firma AKEBO) betriebene Seite openppl.de berechnet, dem Kunden 39 Euro, um dessen Daten im Anmeldeformular der tatsächlich kostenlosen Seite open-ppl.de von Stephan Haux einzutragen. Haux wusste zunächst noch nicht einmal davon. Wer die AKEBO dann nicht bezahlt, erhält sehr schnell Mahnungen, Mahngebühren und eine interessante Lektion zum Thema Widerrufsrecht.
Für die Registrierung der arglosen Nutzer auf der vollkommen kostenlosen open-ppl.de-Seite von Herrn Stephan Haux erbrachte Tessler die Leistung, sechs Webformular-Felder auszufüllen und einmal „OK“ zu klicken. Dazu betrieb er den verblüffend ähnlichen Domainnamen openppl.de.

Wir wurden selber Opfer dieses Geschäfts­modells, da irgendjemand, aus welchem Grund auch immer, Namen und Büroadresse eines Pilot und Flugzeug-Redaktions­mit­glieds über Herrn Tessler registrieren ließ. So wurden wir überhaupt erst auf dieses Serviceangebot aufmerksam, als wir bereits Mahnungen und Rechnungen des unter dem Namen AKEBO Crossmedia firmierenden Unternehmers aus Herford erhielten.

Verblüfft über die näheren Umstände dieser 39-Euro-Dienstleistung veröffentlichte Pilot und Flugzeug einen Artikel, der – wegen der offenkundigen Verwechslungsgefahr zwischen open-ppl.de und openppl.de – natürlich Ross und Reiter nannte.
Auf der einen Stephan Haux, der eine wirklich kostenlose und exzellente Seite zu den PPL-Fragen aufgebaut hat und mühevoll pflegt, und auf der anderen Seite Henning Tessler, der für die schlichte Registrierung eines Logins 39 Euro in Rechnung stellt.

Journalistisch und orthographisch interessant erschien uns insbesondere die Ab­fassung der Widerrufsbelehrung durch das Unternehmen von Herrn Tessler. Zunächst einmal war diese nämlich – zumindest auf unserem deutschen Safari-Bowser – wegen der Falschdarstellung von Sonderzeichen kaum lesbar.

Wer sich aber dennoch die Mühe machte, Sätze wie „wenn die Verschlechterung der Sache ausschließlich auf deren Prüfung – wie Ihnen etwa im Ladengeschäft möglich gwesen wäre – zurückzuführen ist“ zu entziffern, der las im ersten Satz Beruhigendes: Die Vertragserklärung sei innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen widerrufbar. Erst in den letzten Zeilen stand dann, dass dies freilich nicht gelte, falls die Dienstleistung, also der Eintrag der sechs Formularfelder auf der tatsächlichen Lernseite, schon erbracht sei. Mit anderen Worten: Je nachdem wie schnell AKEBO arbeitete, hatte der Nutzer nach dem Klick keine Chance mehr, um die 39 Euro herumzukommen.

Wir berichteten auch über einen Nebenaspekt, der jedoch ein Licht auf die Qualität der durch die AKEBO erbrachten Dienstleitung warf. Denn obwohl das angeblich von uns bestellte Login durch Henning Tesslers AKEBO in Rechnung gestellt und mehrmals angemahnt wurde, war nach Auskunft des Betreibers der eigentlichen Lernseite unser Zugang dort gar nicht eingerichtet. Haux schrieb uns im Laufe unserer Recherche:
Ich habe in der Benutzerdatenbank von meiner Seite (www.open-ppl.de) nachgeschaut, dort taucht kein Brill oder Ihre E-Mail Adresse auf. In Ihrem Fall ist die „Dienstleistung“ wohl nicht erbracht worden.
Wir bezeichneten dies in unserem Artikel als eine „enttäuschende Leistung“ der AKEBO, denn selbst wenn man dort in eigener Initiative bemerkt hätte, dass das Login gar nicht von uns, sondern von einem unbekannten Dritten beantragt worden war, hätte man das dann ja weder in Rechnung stellen geschweige denn mahnen dürfen.


Tessler geht zum Anwalt

Dank unserer Berichterstattung konnte vielleicht der ein oder andere PPL-Aspirant vor einer Verwechslung zwischen open-ppl und openppl bewahrt werden. Vor allem aber avancierte die Story in diversen Suchmaschinen zum ersten Treffer bei Eingabe von „Henning Tessler“. Mit dieser unverhofften Publicity wohl nicht ganz glücklich, tat Tessler, was viele Menschen tun, die Unvorteilhaftes über sich in der Presse lesen. Er ging zum Anwalt!

Ein knappes Jahr später, am 15. Juli 2010, schrieb uns der Herforder Fachanwalt für Steuerrecht, Dirk Stermann, einen Brief. Darin forderte er Pilot und Flugzeug auf, die Berichterstattung über Herrn Tessler im Internet zu löschen. Auf gut vier Seiten malte uns der Steuerrechtler alle möglichen üblen Konsequenzen unserer journalistischen Tätigkeit aus und ließ sogar das in Anwaltschreiben allseits beliebte S-Wort nicht aus:
Zur Vermeidung von Weiterungen ersparen wir uns an dieser Stelle mögliche strafrechtliche Aspekte der von Ihnen vorgenommenen Handlung einer näheren Bewertung zu unterziehen.Stermann resümierte unsere von ihm so bezeichneten „Behauptungen“ seien:
[...] insbesondere geeignet, Herrn Tessler in seiner persönlichen Ehre und seiner Reputation zu verletzten und sind – wie bereits aufgezeigt – in der so von Ihnen geschilderten Form unwahr.Er zeigte uns jedoch auch einen Ausweg aus dieser misslichen Lage auf:
Gleichwohl möchte unser Mandant derzeit auf die Einleitung weiterer gerichtlicher Schritte und auch presserechtlicher Maßnahmen in Form der Forderung von Gegendarstellungen u. ä. verzichten. Allerdings ist unser Mandant auch nicht länger gewillt, durch Ihre unzutreffenden und unvollständigen Darstellungen weitere Nachteile hinzunehmen. Vor diesem Hintergrund fordern wir Sie daher auf, insbesondere die zuvor zitierten Berichte von Ihrer Internetplattform umgehend zu löschen. Hierzu setzte Anwalt Stermann Pilot und Flugzeug eine Frist zum 30. Juli 2010.


Kunden, die den Wert der von AKEBO feilgebotenen Dienstleistung (sechs Felder in ein Formular eintragen) womöglich nicht erkennen und von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen wollen, erleben eine Überraschung. Mal abgesehen, dass der Text schon wegen der Codierung der Sonderzeichen faktisch nicht lesbar ist, steht die Würze ganz am Schluss, wo das im ersten Absatz in Aussicht gestellte allgemeine Widerrufsrecht im konkreten Fall entkräftet wird.
Das Schreiben landete zunächst in der Ablage „Ich bin Mr. Patrick Chan KW Executive Director & Chief Financial Officer der Hang Seng Bank Ltd, Hongkong. Ich habe ein lukratives Geschäft Vorschlag von gemeinsamem Interesse mit Ihnen zu teilen“, somit verstrich die gesetzte Frist ohne Rückäußerung von uns.
Wir erwarteten nun die in diesen Fällen eigentlich übliche gerichtliche Unterlassungsverfügung, die nun wirklich jeder beantragen kann, der in Deutschland irgendwo eine Pressekammer findet, die ihm zuhört. Es folgen dann der Widerspruch und die Verhandlung. Ganz normal.

So wirklich sicher schien sich Stermann jedoch nicht zu sein und verlängerte am 6. August unaufgefordert seine eigene Frist auf den 16. August.
Zur Vermeidung von Weiterungen setzen wir Ihnen daher eine letzte Nachfrist bis zum 16. August 2010.Um Herrn Stermann und Herrn Tessler nun das Setzen weiterer mühevoller Nachfristen zu ersparen, haben wir inzwischen geantwortet. Wir lehnen eine Löschung unseres Artikels selbstverständlich ab. Versuche wie dieser, kritische Berichterstattung mit ein paar anwaltlichen Zeilen und den drohenden Kosten zu unterbinden, nehmen inzwischen überhand. Wenn Herr Tessler seiner Sache sicher ist, kann er selbstverständlich klagen. Wenn nicht, steht ihm immer noch das Mittel der allseits beliebten presserechtlichen Gegendarstellung offen.
Schaunmermal ...


Die echte Seite zum Lernen der PPL-Fragen: open-ppl.de

Aber zurück zum Thema: Stephan Haux, der die eigentliche Lernseite open-ppl.de betreibt, hat sich durch die Vorgänge um Henning Tesslers AKEBO zum Glück nicht entmutigen lassen. Er betreibt die Seite weiter, beseitigt Fehler und hat inzwischen auch den neuen 2009er Fragenkatalog eingearbeitet. Und – seine Seite ist nach wie vor wirklich vollkommen kostenlos.
Tesslers 39-Euro-Seite openppl.de ist nicht mehr in Betrieb und in einem Domain-Parkhaus zwischengelagert. Und falls der AKEBO-Dienst wieder aufleben sollte, kann man sich ganz einfach vor Verwechslungen schützen: Das minus in „open minus ppl punkt de“ steht für die 39 Euro, die man gespart hat, wenn man gleich zu open-ppl.de navigiert!


 
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18. August 2010
Von polarius [polarius] an Jan Brill [janbrill]
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Lieber JAn,

gut gebrüllt Löwe! Aber jede Zeile ist Verschwendung. Merkwürdig nur, daß die alle in OWL ( Ostwestfalen ) sitzen.
Mein Sohn ist auf einen ähnlichen Trick vor einigen Jahren reingefallen. www.hausaufgaben.de o.ä...Man tritt dort immer wieder in den selben Haufen.
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18. August 2010
Von Gerhard Uhlhorn [uhlhorn] an Jan Brill [janbrill]
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Danke für den unterhaltenden Beitrag. :-)
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18. August 2010
Von Jan Brill [janbrill] an polarius [polarius]
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... Aber jede Zeile ist Verschwendung.Stimmt schon. Es gehört aber auch immer ein Anwalt dazu, der die Sache dann durchklagt.
Möchte hier eigentlich nur klar machen, dass wir uns die Berichterstattung über diese Leute nicht verbieten lassen sofern sie ihre Geschäftspraktiken in die Fliegerei tragen. Einge Flieger-Foren sind ja auf die Zeilen von Tessler & Co. eingegangen und haben Beiträge und Warnungen gelöscht.

Inzwischen ist aber wenigstens erreicht, dass, wenn man den Namen dieses Herrn googlet oder bingt, jeder weiss was auf ihn zukommt.

viele Grüße,
Jan Brill
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18. August 2010
Von Stefan Kondorffer [korndoerffer] an Jan Brill [janbrill]
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...auf die Gegendarstellung des Herrn Tessler wäre ich aber sehr gespannt. Kann er ja gleich hier auch im Forum machen. Grundsätzlich bin ich ja ein wirtschaftsliberal denkender Mensch und wenn Herr Tessler da ein paar blauäugige gefunden hat - sei's drum. Vermutlich auch nicht wirklich wirklich unehrlicher als Leitungswasser in Flaschen zu verkaufen, wie dies einige grosse Lebensmittelhersteller tun. Wer's kauft, kauft's. Nur, dass sich dieselben Leute dann immer über die Pressefreiheit und kritische Berichterstattung, die genauso zu einem freien Markt gehören, ist wirklich unredlich.

Naja, aber um es mit pluralis majestatis des Tesslerschen Steuerfachanwalts zu sagen:

Zur Vermeidung von Weiterungen ersparen wir uns uns an dieser Stelle mögliche moralische und gesitesgesundheitliche Aspekte der von ihm vorgenommenen Handlung einer näheren Bewertung zu unterziehen.
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18. August 2010
Von Kai-Olav Roscher [kaiolav] an Jan Brill [janbrill]
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Sehr schöne Reaktion auf das äußerst seltsame Rechtsverständnis des Advokaten - Schade, dass es so schwierig ist standesrechtlich gegen diese Vertreter ihrer Zunft vorzugehen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Spaß in der Elternzeit!

Viele Grüße,
Kai-Olav Roscher.
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19. August 2010
Von Jan Nestler [nes] an Jan Brill [janbrill]
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Immerhin hat der Herr Anwalt keine Abmahnungrechnung beigelegt....

Auch von mir übrigens viel Spaß und fröhliche Weiterungen mit der Kleinen/dem Kleinen.
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19. August 2010
Von Manfred Schulz [mistral] an Jan Brill [janbrill]
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Eigentlich sollte man dem RA Stermann dankbar sein, dass er die Sache wieder hochholt und den Purschen ins Gespräch bringt. Hennig Tessler? AKEBO? Obwohl ich die Nummer damals ekelerregend bis zum Abwinken fand, die Namen waren schon längst wieder vergessen. Also dickes Lob Herr Stermann. Etwas irritiert hat mich aber eine Feststellung in Herrn Stermanns in Juristen-Neu-Sprech abgefassten Werk: Es ginge um Herrn Tesslers Reputation. Reputation? Tessler? Verstehe ich nicht.
Übrigens, auf der Seite von Tesslers openppl, die auch bei PilotundFlugzeug abgespeichert ist, lese ich: (rechte Seite): "Nur bei uns: Originalfragen". Eine dermassen dreiste Lüge, dass ich mich wundere, warum an der Stelle bislang von den Betroffenen (z.B. auch die die 39.-€ gezahlt haben) noch keiner eingehakt hat. Es gab die Fragen eben NICHT bei Hennig Tessler und seiner AKEBO sondern bei Herrn Haux. Aber der scheint wirklich selbstlos und friedfertig zu sein, sonst müsste der dem Tessler eigentlich noch ne volle Ladung verpassen für diese offensichtliche Lüge.
Es ist immer wieder nett zu sehen, was für Gestalten in der Sommerflaute auftauchen.

M.
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22. August 2010
Von Alexander Stöhr [zieher] an Manfred Schulz [mistral]
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